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Dienstag, 18.06.2019

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Storming the Stage: Bürger erobern das Stadttheater

Brückenbau-Projekt schafft es am Sonntag auf die große Bühne - 18.05.2019 10:00 Uhr

Sie können auch heiter: Ausgewählte Szenen und Momente aus früheren Produktionen zeigen die Bürgerbühnen-Mitglieder am Sonntagabend. © Silke Hartmann


Und dann stehst du im Kerzenlicht vorm herrlich geschmückten Baum. Auch das Wünschen hat geholfen. Die Schachtel mit der roten Schleife dran ist tatsächlich so groß wie die Modelleisenbahn.

"Es gab einen Aufschrei der Begeisterung", sagt Jutta Czurda über die schönste Bescherung für 80 Fürtherinnen und Fürther. Das war der Moment, als sie verkündete, dass die nächste Bürgerbühnen-Produktion im Großen Haus ans Licht der Öffentlichkeit kommt. Zum ersten Mal, nach sieben abendfüllenden Projekten im Kulturforum, führt der Weg ins — nein, " Allerheiligste" ist vielleicht doch ein zu großes Wort. Aber einmal auf der Bühne des ehrwürdigen Stadttheaters zu stehen, zu spielen, zu singen, zu tanzen und zu performen: Da geht für viele ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Ein Herzenswunsch.

Denn genau darum geht es im "Brückenbau", jenem Bürgerbühnen-Projekt, das das Stadttheater vor zehn Jahren von der Leine ließ, in Zeiten, als plötzlich nach "Rhythm is it!", dem überwältigenden Einswerden der Berliner Philharmoniker mit tanzenden Jugendlichen, Mitmach-Schwung durch die Theater fegte. "Unser Ziel", sagt Brückenbau-Initiatorin Jutta Czurda, "war und ist es, dass Menschen in jedem Alter und aus allen Schichten ihren Traum leben können und sich selbst erfahren als künstlerisches Wesen."

"Werkstätten" genannte, jeweils bis zu 16 Mitwirkende fassende Seminare in Schauspiel (geleitet von Michaela Domes), Singen (Ingeborg Schilffarth) und Performance (Yvonne Swoboda) sind in Fürth die Basis für Begegnungen, die in Theaterabende wie "Modern Times" und "Vater Unser" mündeten . Nicht zu vergessen den montäglichen "Community Dance", mit dem Czurda und Co-Leiterin Petra Heinl den bewegungsreichen wie niederschwelligen Einstieg ins Theaterleben ermöglichen. "Die Wahrnehmung von Theater verfeinern", das ist ihr Anliegen.

Vergewissern, was war

Zehn Jahre sind darüber ins Land gegangen. "Es lag in der Luft, ein Resümee zu ziehen", sagt Kirchenmusikdirektorin Ingeborg Schilffarth, die den singenden Teil der Bürgerbühne betreut. "Es braucht", ergänzt Czurda, "auch einmal einen Feierpunkt, um sich zu vergewissern, was war."

Aufrufe ergingen im Community Dance und in den Werkstätten; am Ende waren und sind sage und schreibe 80 Fürtherinnen und Fürther zwischen 30 und 80 — viele seit der ersten Stunde dabei — willens, am Sonntag auf der Bühne, der großen, anzustranden.

"Storming the Stage — Einmal auf der Bühne stehen" vereint Szenen, Ausschnitte und Momente aus früheren Produktionen. Ein "Best of" wird daraus dennoch nicht; vielmehr soll das Ganze ein (von Norbert Küber) moderierter Rückblick-Abend werden, der die ausgewählten Szenen in einen neuen Kontext stellt. Unter Schilffarths Fittichen werden die kreativen 80 darüber hinaus zu Choristen. Mit dabei sind Percussionistin Eva Frey sowie zwei weitere musikalische — und, so viel sei verraten, prominente — Überraschungsgäste.

Drei Themeninseln setzen die künstlerischen Leiterinnen Curda und Swoboda ins Bürgerbühnen-Bildermeer, sie heißen "Glaube", "Heimat" und "Blitzlichter". Zu erleben sind Ausschnitte unter anderem aus "Vater Unser", "Ode an die Freude" und "Berichte von Unsichtbaren".

Ein festliches Erinnern, mit Gesang, Jubel, freundlichem Erzähler. Große Bühne. Fast wie Weihnachten.

Storming the Stage. Sonntag, 18 Uhr, Stadttheater. Eventuell gibt es noch Restkarten an der Theaterkasse. 

Matthias Boll

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