Mittwoch, 11.12.2019

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Stoffwindeln: Stadt und Landkreis zahlen Zuschuss

Dank der Beteiligung an der Erstausstattung sollen die Müllberge schrumpfen - 16.07.2019 21:00 Uhr

Auch beim Zero Waste Festival Ende Juni in Fürth fehlte das Thema Stoffwindeln nicht. An einem Stand wurde gezeigt, wie sich Windelmüll vermeiden lässt. © Hans-Joachim Winckler


Bis zu ein Drittel der Anschaffungskosten für die Erstausstattung, maximal aber 60 Euro werden den Eltern von Fürther Babys erstattet. Noch eine Schippe drauf legt die kleine Nachbarstadt Zirndorf. Dort werden sogar 50 Prozent der Kosten übernommen. Bis zu 100 Euro können sich damit junge Zirndorfer Eltern sichern.

Es ist gleichwohl ein Akt von eher symbolischer Bedeutung. Bei rund 3000 Wickelkindern könnte nach Berechnungen der Grünen in Fürth ein jährlicher Zuschuss von maximal 5000 Euro zu Buche schlagen. Auch Zirndorf lässt sich die Aktion bis zu 5000 Euro kosten. Finanziert wird das aus dem Gebührenhaushalt der Müllabfuhr. Den Zuschuss erhält nur, wer in Fürth oder Zirndorf wohnt und an die städtische Müllabfuhr angeschlossen ist.

Gewaltiger Müllberg

Die Gegenrechnung, die der Fürther Grünen-Stadtrat Philipp Steffen als Initiator der Förderung in der Kleeblattstadt aufmacht, operiert schon mit größeren Summen. Über sieben Millionen Wegwerfwindeln würden pro Jahr in Fürth anfallen, wenn jedes Baby im Schnitt 5000 Windeln verbraucht. Deutschlandweit verursachten Einwegwindeln rund zehn Prozent des Restmüllaufkommens – und der Müllabfuhr erhebliche Entsorgungskosten.

Die Fürther Abfallwirtschaft rechnet derzeit nur mit 1300 Säuglingen bis zu einem Jahr, für die der Zuschuss in Frage kommt. Für ältere Kinder seien Ökobilanz und Kostenvorteil nicht mehr positiv. Danach würde sich die Zuschusssumme auf 2340 Euro im Jahr reduzieren.

Zu vernachlässigen ist nach Einschätzung der Behörde ein grundsätzlich ebenfalls möglicher Zuschuss, der für andere Personengruppen wie Inkontinente gewährt wird. "Wir rechnen nicht mit einer Flut von Anträgen", sagt der Leiter der städtischen Abfallwirtschaft, Antonius Kaiser, auf FN-Anfrage.

Hinweis fehlt noch

Vorgestellt wurde die neue Fördermöglichkeit von Philipp Steffen kürzlich beim ersten Fürther Zero-Waste-Festival auf dem elan-Gelände. Dass sich die Resonanz noch in Grenzen hält, ist kein Wunder. Denn auf der Homepage der Fürther Abfallwirtschaft gibt es noch keinen Hinweis auf das Angebot. Auch das Online-Antragsformular muss erst noch ins Netz gestellt werden. "Wir wollen entsprechende Informationen auch im Fürther Klinikum auslegen und Hebammen zukommen lassen", sagt der Leiter der Abfallwirtschaft.

Beantragen können Fürther die Förderung allerdings bereits. Auf E-Mail-Anfrage unter abf@fuerth.de schickt die städtische Abfallwirtschaft Interessenten dazu entsprechende Formulare im pdf-Format zu. Neben der Geburtsurkunde des Kindes muss die Windelrechnung vorgelegt werden. Kaiser: "Die ersten Zuschussanträge sind schon eingegangen."

Erst im Mai hatte der städtische Umweltausschuss den schon im November 2018 eingebrachten Antrag der Grünen einstimmig beschlossen. Fürth gehört nun zum Kreis von knapp 40 Städten und Landkreisen in Deutschland, die Zuschüsse für Mehrwegwindeln gewähren.

Die Regierung von Mittelfranken als Aufsichtsbehörde hat Fürth auf Anfrage versichert: "Tatsächlich legen die Vorschriften die Annahme nahe, dass die Förderung von Mehrwegwindeln durch eine aus dem Gebührenhaushalt finanzierte Prämie – entgegen den sonstigen Regeln des Gebührenrechts – als Maßnahme zur Abfallvermeidung nicht unzulässig wäre."

Gestoppt hat die Regierung der Oberpfalz hingegen vor Jahren einen Vorstoß des Landkreises Tirschenreuth, der Eltern Neugeborener 24 Gratis-Müllsäcke zum Entsorgen von Einwegwindeln zukommen lassen wollte. Vergangenes Jahr erst zeichnete der Fürther Serviceclub Soroptimist die Arbeit einer Steiner Gymnasiastin aus, die einen Vergleich der Saugfähigkeit von Ein- und Mehrwegwindeln angestellt hatte.

Ein Rekordversuch

In die Schlagzeilen wollte Fürth schon vor fünf Jahren mit Mehrwegwindeln kommen. Damals beteiligten sich 18 Mütter in einem Mutter-Kind-Café am Bahnhofplatz an einem weltweiten Rekordversuch im Wickeln. Um zum Erfolg zu kommen, wären 25 Teilnehmerinnen nötig gewesen. Weltweit wurden an 324 Schauplätzen über 8000 Babys gewickelt. Eine Anleitung zum Wickeln gab es vor Ort gratis. Für die Frauen stand damals schon fest, dass kein Weg mehr an Stoffwindeln vorbeiführt.

Sie seien nicht nur umweltfreundlich, sondern auch schick und billig. Die Wickelpraxis scheint jedenfalls auch für Männer kein Problem zu sein: "Es geht viel einfacher, als ich anfangs gedacht habe", urteilt Philipp Steffen als Vater einer neunmonatigen Tochter über die Handhabung.

Dazu benötige man eine wasserdichte Windelhose, Stoffwindeln und saugfähige Zellstoffeinlagen. 500 bis 1000 Euro könne man damit, bezogen auf die gesamte Wickelphase, gegenüber Einwegwindeln sparen. Und mit einer guten Waschmaschine sei auch die Ökobilanz klar im grünen Bereich.

Mehrwegwindeln gibt es in hiesigen Fachgeschäften, im Onlinehandel, aber auch schon in großen Drogeriemärkten.

Volker Dittmar

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