18°

Freitag, 19.07.2019

|

Steiner Keimzelle spaltet weiterhin die Bürger

In Stein wünschen sich immer mehr Bürger eine Rückkehr zum Dialog. - 10.06.2019 17:43 Uhr

Sogar Rehe werden auf dem für die Keimzelle geplanten Gelände gesichtet, Gegner wollen es auch als Rückzugsort für Tiere erhalten. Die Befürworter hingegen sprechen von einem „ökologisch, sozial und pädagogisch wertvollen Projekt“. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Ganz Stein protestiert gegen die Keimzelle, das Naturprojekt im Wiesengrund unterhalb der Deutenbacher Straße? Nein, weit gefehlt. Dietmar Dorn und mindestens 350 seiner Mitstreiter begrüßen das Vorhaben der Stadt, dort einen naturnahen Erholungsraum einzurichten.

Auf fünf Seiten hat Dorn aufgeschrieben, warum ein Bürgerbegehren gegen die Steiner Keimzelle ökologisch, sozial und politisch kein Fortschritt ist. Er wünscht sich die Rückkehr zur Sachlichkeit – und nicht den "bürgerlichen Ausnahmezustand", zu dem der Aufreger aus seiner Sicht geworden ist.

Dabei sind Dorn und seine Unterstützer gar nicht weit weg von den Kritikern. Blühwiesen und Baumpflanzungen – beide Parteien haben nichts dagegen. Das Wegenetz in dem Areal abzuspecken, das könnte sich Dietmar Dorn vorstellen, und auch die Kritiker der Keimzelle wünschen sich das. Bei den geplanten Gemüsebeeten gibt es unterschiedliche Positionen, aber sie scheinen nicht unüberwindbar.

Was Dorn während seiner Gespräche mit Nachbarn beobachtet hat: Viele sind immer noch kaum informiert über das Projekt. Dazu habe auch der ursprünglich verwendete Begriff "Urban Gardening" beigetragen. Tatsächlich ist die Idee eines urbanen Gärtnerns eine ganz andere. Dort werden in Innenstädten auf versiegelten Flächen Hochbeete aufgestellt, in denen Menschen Gemüse und Kräuter ziehen – nicht zu verwechseln mit Kleingärten.

In Stein sind jedoch nur zu pachtende Beete geplant, mit denen Interessierte ein Jahr lang ausprobieren können, ob ihnen das Gärteln liegt; darüber hinaus können sie ihren Kindern zeigen, woher Salat oder Kohlrabi kommen. "Es handelt sich im Ansatz um ein ökologisch, sozial und pädagogisch wertvolles Projekt", ist Dorn überzeugt. Es werde die Stadt bereichern. Er unterstützt daher das Vorhaben und ist der Ansicht: Wenn alle guten Willens sind, werde daraus Gedeihliches entstehen.

"Mit der Stadt im Reinen"

Dorn gelangte durch einen anderen Konflikt zwischen Bürgern und Stadtverwaltung zur Überzeugung, dass das Problem auch ohne Bürgerbegehren lösbar sei. Er war die maßgebliche Stimme, als es um den Erhalt des Deutenbacher Weihers ging. Das geplante Baugebiet hätte auf das kleine Gewässer kaum Rücksicht genommen, erst nach erheblichem Widerstand wurde der Teich gerettet.

Jetzt wird daneben ein Spielplatz gebaut, für den sich die Stadt wegen seiner Originalität rühmt – auch das war ein Anliegen des Deutenbachers. "Ich hatte Konflikte, aber ich bin mit der Stadt wieder im Reinen", sagt Dorn im Rückblick.

Doch beim Vorhaben Keimzelle sieht es aktuell nicht danach aus, als ob guter Wille genügt. An diesem Mittwoch wird die Bürgerinitiative gegen die Keimzelle ihre Unterschriften für ein Bürgerbegehren im Rathaus übergeben.

Dietmar Dorn möchte dazustoßen – um zu demonstrieren, dass es in der Faberstadt auch andere Ansichten gibt, und um seine gesammelten Unterschriften zu überreichen. "Die kategorische Stopp-Haltung behindert die Stadt und die Verwaltung und vergiftet das gemeindliche Leben", findet er.  

BEATE DIETZ

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Fürth, Stein