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Samstag, 17.08.2019

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Spider-Murphy-Musical kommt ins Fürther Stadttheater

Gründungsmitglied Günther Sigl spricht über die Show - Vorstellungen vom 17. bis 20. Juli - 16.07.2019 15:50 Uhr

Szene aus dem Musical: Vom 17. bis 20. Juli ist es im Fürther Stadttheater zu sehen. © Sebastian Buff


„Ich hab alles erlebt“: Günther Sigl (72), Mitbegründer der „Spiders“. © Foto: Crocodile Music


Die Rosi hat ein Telefon. Doch unter 32168 hob nie jemand ab – mal abgesehen von der Spider Murphy Band. Seit 1981 wurde ihre Top-Single mehr als sagenhafte 750.000 Mal verkauft, ein Hit, der bis heute auf viele textsichere Mitsänger trifft. Dabei, sagt Günther Sigl, Texter, Komponist und Stimme der Super-Nummer, stand der Titel zunächst unter keinem guten Stern: "Skandal im Sperrbezirk" wurde erst mal nicht im Radio gespielt.

"Es war halt ein ungewöhnliches Thema." Da hat Sigl recht. Beim FN-Gespräch erinnert sich der 72-Jährige, dass Dieter Thomas Heck auch in der ZDF-Hitparade anfangs nichts davon hören wollte. Die Zeit schamhafter Diskretion ist lange vorbei. Rosi regt keinen mehr auf. Mehr Songs von der bayerischen Erfolgsband gibt es aber ab kommenden Mittwoch in Fürth zu hören. Dann gastiert die gefeierte Produktion "A Spider Murphy Story" des Landestheaters Coburg als Veranstaltung von NürnbergMusik im Stadttheater.

Das Musical spielt in den Fünfzigern irgendwo in der Provinz und erzählt von ein paar Jugendlichen, die den Mief der Kleinstadt hinter sich lassen wollen. Vor allem aber gibt es jede Menge original Spider- Murphy-Titel zu hören. Natürlich hat sich Günther Sigl das Spektakel längst angeschaut. Er freut sich: "Ich find’s toll, dass da nicht nur die Hits, sondern auch unbekanntere Lieder, B-Seiten von Singles, kommen."

Sigl war 15, als er seine erste Gitarre bekam. Seither macht er Musik: "Damals war ja die Beat-Zeit." 1977 schlägt die Stunde von Spider Murphy, Sigl ist eines der Gründungsmitglieder. Den Namen leiht man sich bei einem großen Kollegen: "Elvis Presley singt in dem Song ,Jailhouse Rock’ ,Spider Murphy played the Tenor Saxophone‘", erzählt der Frontmann lachend. "Das hat für uns gepasst."

Aus ihm wurde ein ziemlich solider Rocker

Als der große Rummel losgeht, hatte Sigl bereits brav eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolviert und war 35 Jahre alt. "Gott sei Dank", sagt er. Auch deshalb sei er ein ziemlich solider Rocker gewesen. Geraucht habe er nie, Alkohol trinkt er nicht. "Als ich ganz jung war, hatt’ ich einen Vollrausch und dachte, ich sterb’. Mir war so schlecht. Danach hab‘ ich das einfach gelassen."

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Ein bisschen kokett klingt’s, wenn er meint, er gehe ja jetzt "auf die 80 zu". Selbstverständlich "spuit" er nach wie vor und begeistert sein Publikum mit den "Spiders" und mit seinem Solo-Projekt (Günther Sigl & Band). Im Rückblick findet er es fast schon erstaunlich, dass der Erfolg damals ausgerechnet mit bayerischem Rock’n’Roll kam. "In München gab doch der Disco-Sound den Ton an, das war die Zeit, als Giorgio Moroder hier mit Donna Summer Hits produzierte. Da dachte keiner daran, deutsche Texte zu singen."

"Die wollen alle ein bissl die Welt retten"

Das übernehmen später die Helden der Neuen Deutschen Welle. Die "Spiders" gehören eigentlich nicht dazu, aber sind doch mittendrin. Heute gehen Sigl in der aktuellen Musik "der Spaß und der Humor etwas ab". Er hat das Gefühl: "Die wollen alle ein bissl die Welt retten. Dieser Weg wird ein schwerer sein." Dass die Spider-Songs mittlerweile den Status von Volksliedern erreicht haben, will er so nicht ganz stehen lassen: "Na ja, Evergreens vielleicht", lenkt der ewige Rock’n’Roller ein.

Gerade wurde eine TV-Dokumentation über die Spider Murphy Band präsentiert. Sigl hat längst schon jede Menge Ehrungen und Auszeichnungen erhalten. Wie fühlt er sich damit? "Na, ich schau’ jetzt morgens nicht in den Spiegel und sag ,Hallo Legende‘ zu mir. Das bleibt alles ganz normal. Ich sag zu mir höchstens: ,Alt bist geworden.’" Sicher ist er sich trotzdem, dass heute seine beste Zeit ist. "Ich hab’ alles erlebt, und wenn ich auf die Bühne geh’, bin ich nicht mehr so aufgeregt. So kann’s weitergehen."

"A Spider Murphy Story": Stadttheater, 17. bis 20. Juli, jeweils 20 Uhr. Karten in der FN-Geschäftsstelle (Schwabacher Straße 106, Tel. 2 16 27 77) und an der Theaterkasse. 

Sabine Rempe

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