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Montag, 26.08.2019

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Roßtal will Anreize für Radler schaffen

Schnellwege, Ladestationen und mehr Sicherheit sollen in ein Konzept einfließen - 14.02.2019 15:00 Uhr

Mehr Menschen sollten vom Auto aufs Rad umsteigen — das ist auch in Roßtal das Ziel der Kommune. © Archivfoto: Stefan Hippel


Das ganze Ausmaß der Diskrepanz wird deutlich, als Thiemo Graf die Ergebnisse einer Befragung von Deutschen und Dänen gegenüberstellt. Weshalb sie Rad fahren, wurde gefragt. Die Deutschen tun es, weil es gesund, günstig und umweltfreundlich ist. Kopenhagener tun es, weil es schneller, einfacher und bequemer ist. "Es geht hier um Anreize", schlussfolgert Graf daraus, "Anreize, die wir setzen müssen."

Graf ist Inhaber des Instituts für innovative Städte (INS), auf deren Internetseite er sich auf dem Fahrrad zeigt. Den 50 Roßtalern, die an diesem Abend in die Aula der Mittelschule gekommen sind, stellt er ein Projekt vor, an dem das INS bereits seit Sommer vergangenen Jahres arbeitet – im Auftrag der Marktgemeinde. Die will fahrradfreundlicher werden, und zwar massiv. Nachdem das INS zunächst den Ist-Zustand erfasst hat, sind nun die Bürger gefragt, sowohl an diesem Abend als auch online: Ab sofort und bis Ende März kann man über die Internetseite der Marktgemeinde (www.rosstal.de) seine Wünsche und Ideen formulieren. Beispielsweise auf einer Karte einzeichnen, wo man sich einen Radweg wünscht.

Nicht jeder kommt rein

Zu Gast ist auch Matthias Dießl, heute weniger als Landrat, sondern vielmehr als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern (AGFK). "Wir nehmen nicht jeden in diese Arbeitsgemeinschaft auf", sagt er. Ein Radverkehrskonzept wie das, was in Roßtal entsteht, könne jedoch für die Mitgliedschaft sprechen.

Das INS hat beispielsweise festgestellt, dass die bestehenden Radwege im Gemeindegebiet oft an den Ortseingängen enden. Notwendig für die erwähnten Anreize, um mehr Menschen aufs Fahrrad zu bringen, seien aber nicht nur durchgängige Wege. Vielmehr müsse man ein Wegesystem schaffen mit Hauptrouten und Zufahrten dazu. Ein Pendant zu Autobahnen und Kreisstraßen sozusagen. In drei Arbeitsgruppen (AG) fixieren die Besucher schon an diesem Abend erste Ideen.

Eine befasst sich mit den Bedürfnissen für den Alltag, insbesondere für Pendler. Hier wird etwa ein Schnellweg nach Nürnberg gewünscht, Radabstellanlagen an Bahnhöfen oder Sicherheitsmaßnahmen wie bessere Beleuchtung.

Eine AG sinniert über Wünsche, die Familien und Kinder an Radwege haben, einer lautet ebenfalls: Sicherheit. Auch Ruhezonen, Verkehrsberuhigung und eine gewisse Übersichtlichkeit der Wege werden hier genannt. In vielen Dingen überschneiden sich die Ideen der Arbeitsgemeinschaften.

Die dritte AG soll über zukünftige Anforderungen an Radwege nachdenken. Hier werden etwa Ladestationen für E-Bikes gewünscht, breitere Wege und getrennte Fahrspuren sowie Fahrradrastplätze mit Reparaturmöglichkeiten.

Graf selbst macht auf eine zukünftige Herausforderung aufmerksam, nämlich auf Gefahren auf Wegen, die sich Fußgänger und Radfahrer teilen – wenn Fußgänger mit 5 Kilometern pro Stunde unterwegs sind und E-Bikes mit 45.

Sämtliche Anregungen der Bürger will das INS in einem Konzept niederschreiben, das in etwa einem halben Jahr den Marktgemeinderäten vorgelegt werden soll, die dann das letzte Wort haben. Bis die ersten Umbaumaßnahmen erfolgen, werden laut Graf noch mindestens drei Jahre vergehen, die gesamte Umsetzung könne bis zu 15 Jahren dauern. 

Martin Schülbe

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