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Mittwoch, 23.10.2019

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Roßtal schröpft die Rücklagen um eine Million Euro

Aktueller Haushalt der Marktgemeinde muss viele Investitionen abdecken - 20.03.2019 16:00 Uhr

Nach Jahrzehnten des Leerstandes packt Roßtal das Baderhaus an. In Teilen weit über 300 Jahre alt, soll das denkmalgeschützte Gebäude nach der Generalsanierung die Sing- und Musikschule beherbergen. © Archivfoto: Hans-Joachim Winckler


Es klingt fast ein wenig abwertend, wenn Richard Witt seine eigenen Vorhersagen als "Kaffeesatzleserei auf höchstem Niveau" bezeichnet. Vorhersagen gehören aber zum Alltag eines Kämmerers, und als solcher hat er schließlich Erfahrung. Für die kassiert er regelmäßig das Lob der Roßtaler Marktgemeinderäte, so auch bei der Verabschiedung des Haushaltes im vergangenen Jahr.

Tatsächlich will Witt heuer eine Million Euro mehr aus den Rücklagen verwenden als 2018, nämlich 2,3 Millionen. Anderthalb Millionen verbleiben im Topf, so der Kämmerer bei der Präsentation seiner Haushaltsplanung im Haupt- und Finanzausschuss: "Vollständig wollte ich die Rücklagen nicht plündern." Zugegeben, anstehende Investitionen sind leichter vorauszusagen als etwa die Steuereinnahmen. Ob er mit seinen Schätzungen richtig liegt, wird Witt erst bei der Abrechnung im Frühjahr 2020 erfahren. Bei der konjunkturabhängigen Gewerbesteuer rechnet er mit einem Plus von etwa 200 000 Euro gegenüber dem Vorjahr, insgesamt soll die Steuer 2,2 Millionen in die Kasse spülen.

Deutlich mehr bringt der Anteil der Gemeinde an der Einkommenssteuer, nämlich 6,88 Millionen Euro, drei Prozent "plus x" gegenüber dem Vorjahr. Bei der Grundsteuer B wird knapp eine Million Euro erwartet.

4,5 Mio. Kreisumlage

Ausgeben wird die Marktgemeinde im Verwaltungshaushalt, der die laufenden Ausgaben von Personal bis Versicherungen umfasst, fast 22 Millionen Euro, das ist eine knappe Million mehr als im Vorjahr. Darin enthalten ist auch die Kreisumlage. Roßtal muss an den Landkreis für dessen Aufgaben 4,5 Millionen Euro überweisen.

Der Vermögenshaushalt, der die Investitionen beinhaltet, umfasst heuer 9,16 Millionen Euro, etwa 300 000 Euro mehr als 2018. Um das zu finanzieren, wird der Kämmerer 2,4 Millionen aus dem Verwaltungs- in den Vermögenshaushalt überführen. Die größten Positionen aus dem investiven Teil des Haushalts  sind hier aufgeführt.

An Krediten, um alle Projekte zu finanzieren, sind fast 3,4 Millionen Euro nötig. Da gleichzeitig aber Darlehen getilgt werden, beläuft sich die Netto-Neuverschuldung auf 1,9 Millionen Euro. Sollten alle Pläne realisiert werden, liegt die Schuldensumme voraussichtlich zum Jahresende bei fast 12,65 Millionen Euro.

In der Ausschusssitzung gibt sich Witt noch relativ wortkarg, verspricht jedoch für die Verabschiedung des Haushalts in der Marktgemeinderatssitzung – sie ist am 26. März geplant – die üblichen deutlichen Worte. "Die werden diesmal vielleicht noch deutlicher ausfallen als im vergangenen Jahr", kündigte der Kämmerer an, der nämlich auf zukünftige Ausgaben hinweisen muss.

Beispielsweise stehe die Schule vor einer Generalsanierung, bei der es unter anderem um Brandschutz und Inklusion gehen werde. "Die wird mindestens sieben Millionen Euro kosten", sagt Witt und weist vorsichtshalber darauf hin, dass auch das nur eine Vorhersage ist: "Eine reine Schätzung."

Martin Schülbe

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