Samstag, 14.12.2019

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Roßtal: Grüner Widerstand gegen Gewerbegebiet

Bürgerentscheid soll geplante Dimensionen des Projekts bei Buchschwabach verhindern - 01.03.2019 11:00 Uhr

Ein Gewerbegebiet gibt es bereits in Buchschwabach, es soll jetzt aber deutlich vergrößert werden. Bei den Grünen stößt der dafür beschlossene Flächenverbrauch auf Ablehnung. © Horst Linke


Durch den Betrieb werden fünf bis zehn Prozent mehr Lastwagen in der Ortsdurchfahrt unterwegs sein – so die Schätzung des Unternehmens dataform dialogservices, das die Erweiterung plant. Diese Zahlen hat die Geschäftsführung bei der jüngsten Bürgerversammlung zum Thema selbst genannt.

"Manipulation und Gehirnwäsche" sei der Vortrag der Firmenvertreter gewesen, fand eine Roßtaler Bürgerin bei der Veranstaltung der Grünen. In ihrer Ablehnung war sie an diesem Abend nicht allein. Sarah Friedrich-Bernhardt etwa, Buchschwabacherin und als Sprecherin im Grünen-Orts- und Kreisverband aktiv, zweifelt ebenfalls stark an den Zahlen und betont: "Jeder Lkw zusätzlich ist schon einer zu viel."

Seit kurzem sammelt sie nun gemeinsam mit Unterstützern Unterschriften für einen Bürgerentscheid. Damit soll der Grundsatzbeschluss des Marktgemeinderats zur Erweiterung, der in der jüngsten Sitzung fiel, rückgängig gemacht werden.

Nicht kampflos aufgeben

Die Fläche westlich des Buchschwabacher Ortskerns, auf der stolze 60 000 Quadratmeter mit Hallen bebaut werden sollen, wolle sie nicht kampflos aufgeben. Wie viele Roßtaler bereits für einen Bürgerentscheid unterschrieben haben, könne sie aktuell nicht sagen. Doch allein am vergangenen Sonntag haben sich ihren Angaben zufolge 77 Menschen in die Liste eingetragen.

Nach dem erfolgreichen bayernweiten Volksbegehren "Rettet die Bienen" soll nun also lokal eine weitere Entscheidung im Sinne von Grünen und Bund Naturschutz fallen. Denn: "Diese Erweiterung stellt das komplette Gegenteil von allem dar, was wir gutheißen", so die Fürther Landtagsabgeordnete Barbara Fuchs. Ihr Fraktionsvorsitzender Ludwig Hartmann machte den Versammelten mit einer Reihe von Beispielen Mut, bei denen es gelungen sei, mittels Bürgerentscheid große Gewerbeansiedlungen zu verhindern.

In Bad Tölz und Schliersee haben sich die Bürger demnach einer weiteren Versiegelung von Ackerland widersetzt, in Karlskron bei Ingolstadt habe schon die Ankündigung, einen Bürgerentscheid anzustreben, genügt, um vorhandene Pläne zu stoppen.

Es gehe dabei keineswegs um eine fundamentale Ablehnung von Gewerbe- oder Baugebieten, beteuert Hartmann: "Wenn die Bevölkerung wächst, dann brauchen wir auch neue Flächen."

Vollkommen aus dem Ruder

In Bayern sei der Flächenverbrauch in den zurückliegenden Jahren jedoch vollkommen aus dem Ruder gelaufen. Obwohl der Freistaat nur 20 Prozent der Bundesfläche ausmacht, gingen 50 Prozent der deutschlandweit versiegelten Areale auf das Konto Bayerns, klagt Hartmann. Gewerbegebiete sollten stattdessen mehrgeschossig bebaut werden, um die Ressource Boden zu schonen, so sein Vorschlag bei der Veranstaltung.

Im Fall Buchschwabach stellt sich Sarah Friedrich-Bernhardt eine kleinteiligere Bebauung des Gewerbegebiets für ortsansässige Betriebe vor. Keine Option sei es, ein riesiges Areal einem einzigen Unternehmen zu überlassen, bei dem das Verhältnis zwischen der Zahl der Arbeitsplätze und der versiegelten Fläche sehr ungünstig sei.

"Und wenn es dann einmal bankrott gehen sollte, hätten wir eine riesige Industriebrache", warnte die Vertreterin der örtlichen Grünen.

Armin Leberzammer

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