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Sonntag, 18.08.2019

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Neubauten: HLG-Anwohner sind in Aufruhr

Am Montag lädt die Stadt zum Info-Gespräch ein - 21.07.2019 10:00 Uhr

Zwei Neubauten (orange) sollen das Gebäude aus den 70er Jahren ersetzen. Für den Block mit der römischen Ziffer V müsste die alte Turnhalle weichen. Lila dargestellt ist die angedachte Sechsfachhalle an der Ecke von Sigmund-Nathan- und Jakobinenstraße. © Skizze: Felix Jonas Architekten GmbH


Stadtparkcafé, 18.30 Uhr. Zwölf Menschen haben sich verabredet, die sich zum Teil noch gar nicht kennen. Trotzdem verbindet sie etwas. Sie alle wohnen im Umfeld des Helene-Lange-Gymnasiums und sie alle sind in Sorge wegen der enormen Baumaßnahme, die die Stadt auf dem Schulgelände anstrebt.

Wie berichtet, soll der sogenannte HLG-Neubau aus den 70er Jahren nun doch nicht saniert werden. Stattdessen werden er und die benachbarte Turnhalle wohl abgerissen und durch zwei neue Gebäude sowie zwei aufeinander gestapelte Dreifachsporthallen ersetzt. Da in mehreren Abschnitten gearbeitet wird, rechnet das Rathaus mit einer Bauzeit von mindestens sechs Jahren, die Kosten taxiert man auf 90 Millionen Euro.

Was die dort lebenden Menschen zutiefst verärgert: Zwar hatte die Stadt Fürth vor gut zwei Wochen die Medien und abends auch die Eltern der HLG-Schüler von den neuen Plänen in Kenntnis gesetzt, nicht aber die Anwohner. Informationen tragen diese seitdem aus Zeitungsartikeln zusammen oder aus E-Mails, die ihnen Verantwortliche aus dem Rathaus beantworten. Über allem steht die Frage: Hätte uns die Stadt denn nicht längst informieren müssen?

Um sich eine lautere Stimme zu geben, sind die Anwohner dabei, sich zu vernetzen – über Mundpropaganda und eine Nachbarschaftsplattform im Internet. Einige sammeln Unterschriften, andere haben eine Petition auf www.petitionen.com erstellt. Dort fordern sie zum einen, dass keine Entscheidungen über ihre Köpfe hinweg getroffen werden, zum anderen erwarten sie, dass das Rathaus ihnen ebenso Rede und Antwort steht wie den HLG-Eltern. Am Freitagnachmittag hatten 43 Menschen die Petition unterschrieben.

Die Zeit drängt, am Mittwoch, das wissen die Anwohner, wird der Stadtrat einen Beschluss zu den Architektenplänen fassen. Was sie nicht wissen, ist, welche Tragweite diese Entscheidung hat. Entsprechend groß sind die Verunsicherung und auch der Ärger. Können wir danach noch auf das Volumen des Bauvorhabens Einfluss nehmen? "Oder dürfen wir dann nur noch mitreden, ob sich vielleicht wilder Wein an der Fassade hochrankt?", fragt Oliver Niklas, der in der Sigmund-Nathan-Straße lebt und aus seiner Wohnung auf das jahrzehntealte Schulgelände schaut. Es wird sein Gesicht in den kommenden Jahren komplett verändern.

Die Anwohner hätten dazu einiges zu sagen. Die einen fürchten um den Baumbestand oder kritisieren die "irrsinnigen Dimensionen" des Projekts, das entlang der Schule "gassenartige Straßenschluchten" produzieren werde. Andere treibt die doppelte Dreifachturnhalle um. Weil Vereine sie in den Abendstunden nutzen dürfen, erwarten manche mehr Lärm und mehr Verkehr in den "ohnehin schon engen Straßen". Matthias Fifka aus der Jakobinenstraße fasst zusammen: "Es geht nicht darum, einen Neubau zu verhindern, denn Fürth braucht moderne Bildungs- und Sporteinrichtungen." Die Planung müsse aber "in Einklang mit der Natur und den Anwohnern geschehen".

Die Stadt hat inzwischen reagiert. Wie Bürgermeister und Schulreferent Markus Braun am Freitag auf FN-Anfrage sagte, lädt er am Montag, 17 Uhr, zu einem Anwohnergespräch ins Technische Rathaus in der Hirschenstraße ein. Braun betont, dabei handle es sich um ein Entgegenkommen, es gebe in dieser Phase des Planungsprozesses noch keine Verpflichtung, die Anwohner einzubeziehen. Das werde "formell erst zwingend", wenn eine Baugenehmigung anstehe. Was man der Öffentlichkeit präsentiert hat, sei aber nur das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie, die ermitteln sollte, "ob und wie sich der erhöhte Raumbedarf des Gymnasiums auf dem Areal abbilden lässt". Vier Varianten kamen dabei heraus. Am Mittwoch entscheidet der Stadtrat, für welche von ihnen der Architekt einen Entwurf ausarbeiten soll. Schul- und Baureferat bevorzugen Variante vier, sie beinhaltet die Sechsfachhalle.

Johanna Deffner, ebenfalls in der Sigmund-Nathan-Straße zuhause, wertet das für Montag angesetzte Gespräch als einen ersten Erfolg für die Anwohner. Nun sei es wichtig, dass auch möglichst viele von ihnen zu dem Termin erscheinen. 

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