Donnerstag, 19.09.2019

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Mehr Bäume für Oberasbach könnten schon helfen

Hans Lischerong, ehemaliger Stadtgärtner, vermisst den absoluten Einsatz gegen den Klimawandel - 22.08.2019 16:00 Uhr

Hans Lischerongs Rezept gegen den Klimawandel: Wer ein Grundstück besitzt, sollte einen Baum oder wenigstens einen Strauch pflanzen. Die Stadt müsste Vorreiter sein. © Hans-Joachim Winckler


Hans Lischerong, ehemaliger Oberasbacher Gärtnermeister,  nimmt das interessiert zur Kenntnis und hat einen ganz einfachen Vorschlag. Jeder Mensch sollte einmal in seinem Leben einen Baum pflanzen. Mit gutem Beispiel, so sagt er im FN-Interview,  muss dabei die Politik vorangehen, findet er – auch die Städte und Gemeinden im Landkreis Fürth.

 

Brasilien holzt in einem Monat auf einer Fläche so groß wie das Saarland den Regenwald ab. In Sibirien vernichten Brände drei Millionen Hektar Wald. Warum sollen Oberasbacher und Zirndorfer da Bäume pflanzen, Herr Lischerong?

Wir würden damit den Klimawandel natürlich nicht stoppen, aber dafür sorgen, das Kleinklima in unserer Stadt zu verbessern. In Oberasbach bekämen wir so 18 000 Bäume. Und man muss sich vor Augen halten: Die Bäume, die wir heute pflanzen, entfalten erst in 40 bis 50 Jahren nachhaltig ihren großen Nutzen. Sie filtern Feinstaub und Stickoxide aus der Luft und produzieren Sauerstoff. Das tun wir jetzt für unsere Kinder und Enkel.

 

Tut Oberasbach nicht genug?

Die Stadt sagt, sie pflanzt Bäume. Ich sage immer: Sie pflanzt Bäumchen. Natürlich muss es nicht immer ein teurer Großbaum sein. Aber im Straßenbereich sollte er schon sieben bis zehn Jahre alt sein, in einer Grünanlage kann es dagegen ruhig ein kleineres, zwei bis drei Jahre altes Exemplar sein.

 

In Fürth oder Zirndorf gibt es eine Baumschutzverordnung, über die derzeit viel diskutiert wird. Sind diese Städte dadurch grüner als Oberasbach?

Jein. Ich glaube die drei Kommunen liegen auf einer Linie. In Oberasbach gab es von 1985 bis 1992 ebenfalls eine Baumschutzverordnung, die der Stadtrat gekippt hat. Es hieß, die Bürger würden damit gegängelt. Die Entscheidung fiel mit 12 gegen 11 Stimmen ganz knapp. Aber ich meine, Fürth, Zirndorf oder auch Nürnberg machen eben manches besser.

 

Was denn?

Oberasbach geht nicht immer vorbildlich mit seinen Bäumen um. In den vergangenen Jahren sind etwa 20 Großbäume – etwa 30 bis 40 Jahren alt – an den Straßen gefällt worden, in der Regel Platanen. Wurzeln in den Gehwegen, die das Pflaster heben, Laub in den Vorgärten oder Parkbuchten, die es braucht. Das waren die Argumente, dann kommt der Baum weg. Die anderen haben die gleichen Problembäume, aber sie wissen, wie man sie schützt und erhält. Sie werden verjüngt, nicht gefällt.

 

Fürth hat ein Grünflächenamt, Zirndorf eine Stadtgärtnerei.

Nachdem ich in Rente gegangen bin wurde das Gärtnerwesen dem Bauhof unterstellt, um ein paar Euro zu sparen. Damit hat das Drama seinen Lauf genommen. Natürlich bemühen sich alle. Aber der Bauhofleiter ist Kfz-Mechaniker und sein Stellvertreter Schlosser. Der Bäcker sagt doch dem Metzger auch nicht, wie er die Wurst zu machen hat. Für eine Stadt von der Größenordnung Oberasbachs mit ihren umfangreichen Grünanlagen ist es ein Armutszeugnis, keine eigene Fachabteilung zu haben, die sich um die Planung, Anlage und Pflege des Grüns kümmert. Das wäre, gerade in diesen Zeiten, dringend notwendig.

 

Und eine Baumschutzverordnung?

Es ist nicht so, dass die Bürger plötzlich mehr Bäume fällen wollten, als sie weg war. Aber ich meine ein solches Regelwerk sollte dennoch her, damit nicht jeder sagen kann: Den Baum habe ich gepflanzt, also darf ich ihn auch wegmachen. Man könnte Bäume ab 80 Zentimetern Stammumfang schützen, wertvollere Arten wie Eiche, Linde, Buche und Ahorn ab 60 Zentimetern. Immerhin brauchen sie 20 Jahre, bis sie diese Dimension erreichen. Als es die Verordnung noch gab, haben wir immer versucht, einvernehmliche Lösungen zu finden. Und ich denke, in den meisten Fällen ist das gelungen.

 

Der Stadtrat hat Sie vor vier Jahren damit beauftragt, mögliche Standorte für Bäume in Oberasbach zu finden. Was ist daraus geworden?

Ich habe etwa 200 Stellen benannt, meist für Straßenbäume. Aber ich glaube, es ist kein Dutzend gepflanzt worden. Gut manchmal liegen da Versorgungsleitungen, aber oft darf eben auch kein Autostellplatz geopfert werden. Nur, unsere Enkelkinder werden uns einmal nicht an der Zahl der Parkbuchten messen, die wir ihnen hinterlassen, sondern an einer intakten Umwelt.

 

Allein kann die Politik es nicht richten, die Bürger müssen mit ins Boot. Warum unterschreiben Tausende für das Volksbegehren Artenvielfalt wollen aber keinen Baum vor dem Haus?

Grün schon gerne, aber bitte beim anderen. Pflanz’ doch bei Dir vor der Tür einen Baum, hat mir ein Oberasbacher mal gesagt. Das habe ich dann als Stadtgärtner natürlich gleich gemacht.

 

Ein Wort noch zu den seit einiger Zeit sehr populären asiatischen Steingärten. Manche Kommunen wollen sie per Bebauungsplan verbieten. Was halten Sie davon?

Eine gute Idee. In Oberasbach gibt es auch einige – trostlos. Schuld ist aber auch die falsche Beratung durch Experten. Steingärten sind nicht pflegeleicht, sie sauber zu halten, erfordert sehr viel Arbeit. Allerdings legt die Stadt auf eigenen Flächen im Zentrum selbst solche Steinwüsten an.

 

Zusammengefasst: Was ist in Oberasbach zu tun?

Die Stadt müsste als schnelle Maßnahme in den nächsten fünf bis zehn Jahren 1000 Bäume pflanzen und das Grün wieder in die Hände von Profis geben. Wer ein großes Grundstück hat, kann durchaus Linden oder Buchen pflanzen, Vogelbeere oder Blutpflaume brauchen weniger Platz. Bei Sträuchern können es Felsenbirne oder Kornelkirsche sein Die Baumschutzverordnung nicht zu vergessen. Allerdings glaube ich, ich bin da ein einsamer Rufer in der Wüste.

Zur Person: Hans Lischerong (85) war Stadtgartenmeister in Oberasbach. Mit am Ende sieben festen Mitarbeitern und einigen Aushilfen kümmerte sich der gebürtige Donauschwabe 30 Jahre lang um das grüne Erscheinungsbild der zweitgrößten Kommune im Landkreis Fürth. Seit 1996 in Rente, ist er nach wie vor Oberasbachs ökologisches Gewissen. Ein Baumfreund, dem in den Zeiten des Klimawandels die zögerliche Haltung der Politik nicht einleuchten mag – und das nicht nur in seiner Heimatstadt.

  

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