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Katja Holstein: Die freundliche Einpeitscherin beim TV Fürth 1860

Die Kapitänin ist unumstrittene Führungsfigur bei den Drittliga-Volleyballerinnen - 26.12.2019 21:00 Uhr

Treibt ihr Team an: Katja Holstein. © Hans-Joachim Winckler


Katja Holstein steht am Netz und lacht. Gemeinsam mit ihren Mitspielerinnen klatscht sie in die Hände, "Fürth führt" feuern sie sich an. Als ihre Kollegin zum Aufschlag ansetzt, verschwindet das Lachen, Holsteins Miene wird konzentriert. Aber nur kurz. Dann wirkt die Spielführerin der Drittliga-Volleyballerinnen des TV Fürth 1860 schon wieder gut gelaunt. Holstein ist ehrgeizig, das spürt man, wenn man mit ihr spricht. Aber verbissen wirkt sie nie.

An diesem Sonntagnachmittag ist der VC DJK München-Ost Herrsching zu Gast in der Julius-Hirsch-Halle. Es ist das letzte Spiel vor der Weihnachtspause. Beide Teams sind Tabellennachbarn, jeder Satz ist eng umkämpft. Doch die Fürtherinnen gewinnen jeden: 30:28, 25:22 und schließlich 25:23. "Es war die beste Revanche, die es geben kann", sagt Trainer Matthias Lompa. Im Hinspiel hatten die Münchnerinnen den TV 1860 auseinandergenommen. Nun liegen die Fürtherinnen auf dem zweiten Tabellenplatz.

Nicht auf ihrer Stamm-Position

Sportlich stehen an diesem Nachmittag andere etwas stärker im Vordergrund als die Kapitänin. Die kluge Zuspielerin Lea Willius zum Beispiel, die nach der Partie zur wertvollsten Akteurin ihres Teams gewählt wird. Oder Juliane Flessa, die vor allem im zweiten Satz einen Angriff nach dem anderen erfolgreich abschließt.

Katja Holstein hadert dagegen während des Spiels ein bisschen mit sich und ihren Aufschlägen. "Nimm beim Standardaufschlag jemanden anderen rein", habe sie zwischenzeitlich zu ihm gesagt, erzählt Co-Trainer Stefan Fürst. Platzhirsch-Attitüden sind ihr fremd. Doch es ist niemand anderes da. Also stellt Holstein um, auf einen Sprungaufschlag. Und der funktioniert. "Das ist sportliche Qualität", sagt Fürst: "Wenn junge Spielerinnen das sehen, ist das toll."

Dabei spielt die 29-Jährige momentan nicht auf ihrem Stammplatz außen, sondern als Mittelblockerin. Dort fehlen dem TV Spielerinnen, eine ist verletzt, eine schwanger. "Das ist eigentlich die letzte Position, die ich gerne spielen würde. Aber ich habe gesagt, dass ich es für das Team gerne mache", sagt Holstein.

"Springen war nicht mein Ding"

Auch auf dem Feld gut gelaunt: Katja Holstein, Spielführerin des TV Fürth 1860. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Sie kommt aus einer Leichtathletik-Familie, hat das anfangs in ihrer Heimatstadt Altdorf auch parallel noch trainiert. "Aber Springen war nicht mein Ding. Auch wenn das als Volleyballerin komisch klingt", sagt sie – mit einem Schmunzeln. Knapp zwölf Jahre hat sie beim TV Altdorf – dem überlegenen aktuellen Tabellenführer der 3. Liga – gespielt, kam über Feucht zum VfL Nürnberg. Und war noch weit davon entfernt, eine Führungsspielerin zu sein.

"Als ich da mit 16 Jahren in der 2. Liga angefangen habe, war ich das schüchternste und kleinste Mädchen auf dem Feld überhaupt", erzählt sie. "Teilweise habe ich da sogar das Heulen angefangen, weil ich Angst hatte." Doch sie wächst mit ihren Aufgaben. Schon beim VfL, für den sie weitere zwölf Jahre spielt, wird sie Kapitänin. Als klar wird, dass es dort nicht weitergeht, ist Holstein eine der maßgeblichen Spielerinnen, die den Umzug des Teams zum TV 1860 vorantreiben. In Nürnberg fehlte es an freiwilligen Helfern, selbst die Brötchen mussten am Ende die Spielerinnen selbst schmieren.

Den Wechsel nach Fürth nie bereut

Bereut hat sie den Wechsel nie. "Es ist ein Verein, in dem man füreinander lebt. Das motiviert doch sehr", sagt Holstein. Aber natürlich packen die Spielerinnen auch in Fürth viel mit an. Als das Spiel gegen München vorbei ist, sieht man auch Holstein emsig umherhuschen, das Netz abbauen, Material einsammeln. "Katja ist eine wahnsinnig integrative Spielerin. Aber sie ist auch eine Mahnerin, wenn es mal klemmt. Sie traut sich, alles anzusprechen", sagt Fürst.

"Mein zweites Leben"

"Es ist mein zweites Leben neben dem Alltag", sagt Holstein, die in Nürnberg lebt. Aufhören, um nur noch ein bisschen in der Freizeit spielen, käme nicht infrage, egal wie viel Aufwand der Sport macht. "Man merkt leider, dass viele Sportarten aussterben, weil alle mit ihrem Alltag beschäftigt sind", sagt sie: "Ich versuche es denen, die noch die Zeit haben, so einfach wie möglich zu machen. Mir macht Koordinieren auch noch Spaß." In ihrem anderen, dem ersten Leben arbeitet sie in einer Werbeagentur als Entwicklerin und sitzt oft am Schreibtisch. "Da bin ich froh, wenn ich in meiner Freizeit rumrennen kann."

Für den TV 1860 sind Spielerinnen wie sie ein Glücksfall. Oder, wie es Trainer Lompa ausdrückt: "Ein Goldtopf."

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