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Kärwabuden: Cadolzburg bremst

Noch ist unklar, wann Schausteller nach Fürther Vorbild ihr Angebot präsentieren dürfen - 04.06.2020 11:47 Uhr

Auf der Kleinen Freiheit können die Fürther seit kurzem einen Hauch von Kirchweih genießen. In Cadolzburg steht der Gemeinderat einem solchen Angebot der Schausteller zwar positiv gegenüber, die Politiker wollen aber erst noch abwarten.

© Foto: Hans-Joachim Winckler


Letztlich gab es Einigkeit bei nur einer Gegenstimme: Fast alle wollen ein Angebot mit "kirchweihähnlichem Charakter", so wie es sich der Bayerische Landesverband der Marktkaufleute und Schausteller gewünscht hatte. Aber: Freuen können sich die Schausteller noch nicht. Denn der Beschluss wird demnach nur umgesetzt, "wenn die gesetzlichen Vorgaben es zulassen zu einem späteren Zeitpunkt". Damit bleiben zwei Fragen offen: Ist das Aufstellen von zwei Fahrgeschäften und drei Imbissbuden an zentralen Orten im Gemeindegebiet nach den aktuell geltenden Regelungen der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung erlaubt? Und wann ist der spätere Zeitpunkt?

Die Schausteller hatten sich ursprünglich die Zeitspanne vom 12. bis 15. Juni gewünscht, wenn auf dem Höhbuck die Cadolzburger Kirchweih stattgefunden hätte. Der Gemeinderat hatte sie im April abgesagt. Die Verwaltung schlug in ihrer Vorlage nun fünf Tage vom 22. bis 26. Juli vor. Dieser Termin erschien Bürgermeister Bernd Obst aber noch zu früh. Man solle lieber "später neu bewerten", sagte er. Ähnlich formulierte es CSU/FWG-Sprecherin Barbara Krämer.

Die Vertreter der SPD freuten sich hingegen über den Antrag. "Einen Test unter der Woche im Juli" fand Michael Bischoff gut. Parteikollege Johannes Strobl schlug vor, das Angebot in den Ferien zu wiederholen, wenn Schülerinnen und Schüler noch mehr Zeit hätten.

Bei der Frage, ob die gesetzlichen Regeln das Aufstellen von Buden erlauben, mussten der Gemeinderat und die Verwaltung der Kommune passen. Bei der Auslegung der aktuellen Vorgaben der Staatsregierung wird nun wohl das Landratsamt zurate gezogen. Die Stadt Fürth hatte zumindest Stände mit kulinarischen "Kärwa-Spezialitäten" erlaubt: Just am Tag der Sitzung in Cadolzburg hatten, wie berichtet, Buden am Paradiesbrunnen und am Bahnhofsplatz der Stadt geöffnet.

Wer in Cadolzburg auf welche Antwort aus dem Landratsamt hofft, war deutlich. Bürgermeister Obst und seine CSU/FWG-Fraktion wollen nicht, SPD/BfC, PWG/FW und Grüne dagegen möchten mindestens Imbissbuden aufstellen lassen.

Hildegard Besendörfer (CSU/FWG) befürchtet einen "Menschenauflauf". So lange es staatlich verpflichtende Kontaktbeschränkungen gebe, tue er sich schwer, den Buden seine Zustimmung zu geben, sagte Andreas Fingerhut (CSU/FWG), der letztlich als einziger gegen den Kompromiss stimmte.

Denn: Die Regeln müssten überwacht werden, und da sehe er die Gemeinde in der Pflicht.

 

Keine Fahrgeschäfte

 

"Die Verantwortung liegt bei den Betreibern", entgegnete Johannes Strobl. Das sei bei Biergärten und To-go-Angeboten auch so. Die Schausteller hätten ihrem Antrag ein Hygienekonzept beigelegt, erinnerte er. Die Sprecher der befürwortenden Fraktionen zeigten sich kompromissbereit, auch wenn sie Fahrgeschäfte erst einmal nicht erlauben wollten. Imbissbuden seien dagegen kein Problem. "Das ist nichts anderes als der Wagen der Fischbraterei am Rathaus oder ein Café mit Mitnahmeangebot", sagte der zweite Bürgermeister Georg Krauß (PWG/FW).

Auch die Grünen signalisierten Zustimmung zu dem Kompromiss, um nicht alleine da zu stehen, wie es Sprecher Bernd Löschner formulierte. Gleichzeitig wünschte er sich eine örtliche Ausweitung des Angebots. "Wir sollten prüfen, ob Stände auch in Egersdorf, Steinbach und Wachendorf stehen könnten."

Zuvor hatte Bürgermeister Obst dem Antrag des Schaustellerverbands entsprechend Standorte im Hauptort ins Spiel gebracht: Den Markt- und Rathausplatz sowie den Sparkassen-Parkplatz. Sicher ist für ihn, dass auf dem Höhbuck in diesem Jahr keine Buden stehen werden. Er wolle "keine Ersatzkärwa" mit der Gefahr, dass sich viele Leute treffen. "Mir ist es zu heikel", sagte er. Das Ansinnen der Schausteller fand der Rathauschef aber verständlich: "Manche kämpfen tatsächlich ums Überleben."

Martin Kypta

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