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Gewerbeansiedlung: Verhärtete Fronten

Dataform dialogservices suchte Gespräch mit BN und Grünen, die beharren auf ein Bürgervotum - 15.05.2019 21:00 Uhr

Ein Gewerbegebiet gibt es bereits in Buchschwabach, es soll jetzt aber deutlich vergrößert werden. Bei den Grünen stößt der dafür beschlossene Flächenverbrauch auf Ablehnung. © Horst Linke


Die Kritiker der Ansiedlungspläne von dataform dialogservices im Gewerbegebiet Buchschwabach schienen verstummt. Tatsächlich aber hatte das Direktmarketing-, Onlinehandel- und Logistikunternehmen mit Sitz in Ammerndorf in dieser Zeit versucht, sie für das Vorhaben zu gewinnen. Mit wenig Erfolg. Die Fronten sind verhärtet.

Wie dataform, das derzeit an drei verschiedenen Standorten angesiedelt ist und diese am Ortsrand von Buchschwabach bündeln möchte, mitteilt, haben sich Firmenleitung und Kritiker an einen Tisch gesetzt. Im direkten Gespräch und moderiert von der Grünen-Landtagsabgeordneten Barbara Fuchs aus Fürth haben sie teils konträre Positionen und Fakten abgeglichen. Einem zweiten, eigentlich fest vereinbarten Gesprächstermin am vergangenen Freitag seien Bund-Naturschutz- und Grünen-Vertreter aus Roßtal, die seit Februar Unterschriften für einen Bürgerentscheid gegen die Ansiedlung sammeln, jedoch ferngeblieben.

Während Gesellschafter Mathias Mendel und Geschäftsführer Walter Dinkelmeyer auf einen "konstruktiven Austausch, in dem viele Missverständnisse ausgeräumt werden konnten", zurückblicken, spricht Knut Schalldach, Vorsitzender des BN Roßtal, von "lediglich kosmetischen Änderungen", die das Unternehmen beim ersten Treffen zugestanden habe. Auf zentrale Forderungen wie der nach einer Mitarbeiter-Tiefgarage sei dataform nicht eingegangen.

Versickerungsfähiger Belag

Mendel hält mit einem von vielen ökologischen Aspekten der Planung dagegen: Die Parkplätze bekämen versickerungsfähigen Belag. "Ich habe noch nie ein grüneres Projekt geplant als das in Buchschwabach. Dürfen wir das so bauen, wird es ein ökologisches Vorzeigeprojekt für die ganze Region", meint er.

Im Einzelnen: Von der Gesamtfläche von 120 000 Quadratmetern würden lediglich 89 000 Quadratmeter versiegelt. Auf 60 000 Quadratmetern Dachfläche werde eine große Photovoltaikanlage installiert. 30 000 Quadratmeter zusätzlich erworbene Ackerfläche werde in ein Biotop zur Wasserrückhaltung und Intensivbegrünung umgewandelt, womit dataform einen unversiegelten Grünflächenanteil von 35 Prozent erreichen würde. "Das findet sich in keinem anderen Gewerbegebiet im Kreis Fürth", so Mendel.

Doch BN und Grüne halten an ihrem Plan fest und wollen per Bürgervotum "die Bevölkerung über die Ansiedlung entscheiden lassen", wie Schalldach auf Anfrage erklärt. Am Donnerstag, 23. Mai, will die Bürgerinitiative die Unterschriftenlisten um 17 Uhr bei Bürgermeister Johann Völkl im Rathaus vorbeibringen. Aktuell sei die Marke von 800 erforderlichen Wahlberechtigten mit etwa 950 Unterstützern bereits erreicht. "Darunter sind auch solche, die nicht unbedingt gegen dataform sind, sondern die Meinung vertreten, dass diese Entscheidung die Bürger direkt treffen sollten", sagt Schalldach.

Abseits aller Diskussionen wie etwa über das tatsächliche spätere Verkehrsaufkommen, "was ohnehin alles auf Mutmaßungen beruht", bleibe die "Hauptproblematik der massiven Versiegelung". Selbst wenn ökologische Ausgleichsmaßnahmen im Detail toll seien, "ist es letztlich nicht anders, als wenn man eine riesige Umgehung baut, die man seitlich mit ein paar Blümchen ausschmückt. An den 8,9 Hektar Fläche für Hallen, die dann eben weg sind, ändert das nichts", so Schalldach.

Mendel sorgt sich derweil weniger um den Ausgang des Bürgerentscheids an sich — selbst die Buchschwabacher seien sich uneins in Sachen Gewerbegebiet —, als um die zeitliche Verzögerung: Große Teile der Kunden könnten aus Platzgründen nicht mehr gehalten werden. Der Standort auf dem AEG-Gelände in Nürnberg, wo das Unternehmen 18 000 Quadratmeter Fläche in seiner ertragreichsten Sparte als Dienstleister des Onlinehandels (Fulfillment) bewirtschaftet, stehe nur noch maximal zwei Jahre zur Verfügung, dort sei Wohnbebauung vorgesehen.

"Wir werden für den Standort Buchschwabach kämpfen, schließlich haben wir Verantwortung für über 200 Mitarbeiter. Und mehr an Ökologie anbieten als bisher können wir nicht", so Mendel.

Sabine Dietz

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