Mittwoch, 20.11.2019

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Fürths Schreiner bieten keine Möbel von der Stange

Bei den Schreiner-Tagen zeigte sich das Traditionshandwerk von seiner besten Seite - 21.10.2019 11:00 Uhr

Passend zum Veranstaltungsort tauchte hinter einem vom Schreiner gefertigten Fenster, das Obermeister Heinz Hufnagel öffnete, das Konterfei von Ex-Bundeskanzler Ludwig Erhard auf.


Man wolle mit der kleinen Schau die gesamte Bandbreite dieses Handwerks zeigen, sagt Heinz Hufnagel, Obermeister der Schreiner-Innung für Fürth Stadt und Land. Deswegen stellen sich jedes Jahr rund zehn Betriebe aus Anlass der Schreiner-Tage vor. Jede Firma ist in einem anderen Fachgebiet besonders versiert.

So standen im Foyer des Zentrums an der Ludwig-Erhard-Straße unter anderem eine Dusche und ein Kleiderschrank sowie eine Fensterreihe; ein Betrieb präsentierte Zeichentechnik, und einer hatte sogar das Ludwig-Erhard-Zentrum nachgebaut – in Form eines Humidors, eines Behältnisses zur Aufbewahrung von Zigarren. Ex-Kanzler Erhard, bekanntlich Zeit seines Lebens leidenschaftlicher Zigarrenraucher, wäre vermutlich äußerst angetan gewesen.

Für Hufnagel selbst lief es richtig gut: Während der Eröffnung der zehnten Schreiner-Tage erhielt er gleich drei Auszeichnungen: eine für "außergewöhnliche Verdienste um das Schreinerhandwerk", eine für 25 Jahre Mitarbeit in der Handwerksorganisation und zu guter Letzt die Bayerische Ehrenamtskarte.

Handwerkskammerpräsident Thomas Pirner sieht den Zweck der Veranstaltung beileibe nicht nur in der Kundenakquise. Ziel sei es auch, junge Menschen für den Beruf zu gewinnen. Denn: "Den Fachkräftemangel bekommen auch wir zu spüren", sagt Pirner. Es werde immer schwieriger, gute Lehrlinge zu finden.

Auch Hermann Popp kennt dieses Problem. Allerdings profitiert sein seit 96 Jahren bestehender Familienbetrieb von den eigenen Sprösslingen: Junior Andreas Popp präsentierte gemeinsam mit seinem Vater stolz einen Waschtisch aus Eiche.

Nicht Möbel von der Stange zu fertigen – das mache für ihn die Faszination des Berufs aus, so Andreas Popp. Man könne das Ergebnis der eigenen harten und filigranen Arbeit sehen – jedes Stück sei ein Unikat. "Eigentlich gab es für mich nie eine andere Option", sagt der Nachwuchs-Schreiner.

Innungen sollen fusionieren

Doch auch der Traditionsberuf muss sich weiterentwickeln, muss sich den modernen Zeiten anpassen. Die Schreiner wollen sich untereinander vernetzen, sagt Hufnagel. Die Ausstellung stelle eine gute Gelegenheit zum Austausch dar.

Nächstes Jahr wollen die Innungen aus Fürth und Nürnberg über einen Zusammenschluss abstimmen. Hufnagel geht von einer Vereinigung im Herbst 2020 aus. Einen kleinen Vorgeschmack darauf bekamen die Fürther bereits beim Erntedank-Festzug der Michaelis-Kirchweih: Dort marschierten die hiesigen Schreiner erstmals gemeinsam mit den Nürnberger Kollegen durch die Stadt.

Konkret würde die Fusion bedeuten: Die Fürther übernehmen die Geschäftsführung aus Nürnberg mit, die Innung wählt einen neuen Vorstand – oder aber fusioniert die beiden alten, das stehe derzeit noch nicht fest. Auch einige Veranstaltungen werde man zusammen organisieren.

Das Motto lautet: gemeinsam in die Zukunft blicken, statt sich von Massenanfertigungen und der zunehmenden Dezimierung der Betriebe einschüchtern zu lassen.

ISABEL POGNER

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