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Fürther S-Bahn: Langes Warten auf die Korridorstudie

Zwist behindert Untersuchung zu besseren Verbindungen ins Umland - 20.07.2018 08:46 Uhr

Eine bessere S-Bahn-Anbindung wünscht sich auch die westliche Metropolregion. Doch eine Studie dazu verzögert sich immer weiter. © Archivfoto: Hans-Joachim Winckler


Für Klaus Meier, Bürgermeister der Stadt Neustadt/Aisch, ist die Sache eigentlich ganz klar: "Drei Züge die Stunde müssten gewährleistet sein." Der SPD-Politiker fordert für seine Stadt bessere Zugverbindungen in Richtung Nürnberg. Bislang fahren aus Neustadt jeweils stündlich ein Expresszug und eine Regionalbahn. Letztere soll ab 2021 in eine S-Bahn umgewandelt werden, so sieht es die staatliche Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) vor, die den Nahverkehr auf Bayerns Schienen bestellt. Dabei soll es allerdings beim Stundentakt bleiben.

Meier ist mit seinem Ansinnen nicht allein, er steht stellvertretend für viele seiner Amtskollegen aus den Landkreisen Fürth und Neustadt/Bad Windsheim. Sie pochen seit Jahren auf einen ausgeweiteten Bahnanschluss.

Ergebnisoffene Prüfung

Wie mehr Züge auf der ohnehin überlasteten Bahnstrecke Nürnberg– Würzburg fahren könnten, müsste in einer Untersuchung ermittelt werden. Schon 2013 gab es eine solche "Korridorstudie Sektor West". Deren Ergebnisse sind jedoch veraltet, da nun der Bau eines dritten Gleises zwischen Siegelsdorf und Fürth in den Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2030 als "vordringlicher Bedarf" aufgenommen wurde. Das ändert die Rahmenbedingungen. Eine Neuauflage der Studie müsste her. Bestandteil wären die Linien Nürnberg–Würzburg, Siegelsdorf–Markt Erlbach und Fürth–Cadolzburg.

Doch es gibt einen Haken – den Fürther Verschwenk. Wie mehrfach berichtet, will die Bahn eine S-Bahn-Trasse nach Erlangen durchs Knoblauchsland bauen, die Stadt Fürth ist dagegen und möchte die Gleise lieber entlang der Bestandstrasse verlaufen lassen. Das Bundesverwaltungsgericht hatte im vergangenen November die Pläne der DB für nicht vollziehbar erklärt. Deshalb soll nun im dritten Quartal 2018 eine "ergebnisoffene Prüfung beider Alternativen" durchgeführt werden, heißt es in einem internen Schreiben aus dem Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr.

Kommt der Güterzugtunnel?

Ebenfalls ungeklärt ist die Sachlage beim Bau eines Güterzugtunnels zur unterirdischen Querung der Stadt Fürth. Das Bundesverkehrsministerium prüft derzeit, ob diese Maßnahme nachträglich als "vordringlicher Bedarf" in den BVWP aufgenommen werden kann, ist aus Landtagskreisen zu vernehmen. Und weiter: Erst wenn bei beiden Maßnahmen Sicherheit bestehe, wolle der Freistaat die "Korridorstudie Sektor West" neu in Auftrag geben.

Klaus Meier, Bürgermeister der Stadt Neustadt/Aisch, fordert für seine Stadt bessere Zugverbindungen in Richtung Nürnberg. © Andreas Riedel


Diese Haltung ist nicht überraschend, fußt sie doch auf einem 2017 von den Grünen initiierten Landtagsbeschluss, die Studie aufzunehmen, sobald die "relevanten Randbedingungen" feststünden. Nötig ist das, weil sowohl Tunnel als auch ein potenzieller S-Bahn-Schwenk Einfluss auf das Fahrplangefüge zwischen Nürnberg und Fürth nähmen – also auf jenen Abschnitt, den auch Züge aus der westlichen Metropolregion in Richtung Nürnberg befahren.

Start ist nicht abzusehen

Nach Informationen der Nürnberger Zeitung zweifelt die Staatsregierung aber an einer schnellen Lösung und damit an der baldigen Aufnahme der "Korridorstudie Sektor West". Deren Start sei "nicht abzusehen", heißt es in einem Schreiben.

Das sei "zum Haareraufen", zeigt sich Markus Ganserer, der mobilitätspolitische Sprecher der Grünen im Landtag, frustriert. Ihn ärgert die Haltung der DB, trotz Gerichtsurteil den Fürther Verschwenk noch nicht endgültig aufgeben zu wollen. Das Verfahren schwebe "wie ein Damoklesschwert über der Region", klagt Ganserer.

Auch der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) sieht die Hängepartie problematisch. "Jegliche Verzögerung ist schädlich", befindet Manfred Rupp, Pressesprecher des Verbundes. Er hoffe zwar auf eine baldige Lösung – doch welche Absichten die DB aktuell hege, darüber habe der VGN "keinerlei Informationen". 

Johannes Hirschlach

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