Mittwoch, 13.11.2019

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Fürther Freiheit: Viel Kritik an der neuen Gestaltung

Nutzer zeigen sich wenig begeistert von der Optik und dem Verlust von Stellplätzen - 08.11.2019 16:30 Uhr

Seit rund acht Wochen stehen neben Sitzgelegenheiten auch Pflanzkübel auf einem Teil der Freiheit. Doch was eigentlich mehr Aufenthaltsqualität hätte bringen sollen, erregt etliche Gemüter. © Hans-Joachim Winckler


Sie ist die größte innerstädtische Freifläche – und sie präsentiert sich reichlich trist: Die Fürther Freiheit ist eine Asphaltwüste, von Autos zugestellt; Aufenthaltsqualität hat sie nicht. Das sollte sich ändern, ein bisschen zumindest. Im Frühjahr beschloss der Stadtrat deshalb, dass rund 1000 Quadratmeter zwischen Wöhrl und Brezen-Kolb zu einer "Multifunktionsfläche" werden.

Seit September nun stehen 18 Pflanzkübel auf dem Areal, rund vier Wochen später wurden die schlangenförmigen grünen Sitzgelegenheiten angeliefert, die zum Verweilen einladen sollen. Viele allerdings fremdeln offenbar mit der Neugestaltung. Seit Dienstag fragen die FN auf ihrer Facebook-Seite, wie sie ankommt — eine äußerst lebhafte Debatte kam in Gang: Knapp 400 Kommentare gingen bis Donnerstagabend ein.

Ein großer Teil davon war dem Thema Parkplätze gewidmet. Zu wenig davon, so ist immer wieder zu lesen, gebe es in der Innenstadt. Manche behaupten, inzwischen gänzlich auf Einkäufe in Fürth zu verzichten und auf den Online-Handel oder andere Innenstädte auszuweichen – wo man sein Auto nach ihrem Empfinden leichter abstellen kann.

Christine Lippert ist der Zwist über den öffentlichen Raum wohlbekannt. Auf FN-Anfrage verweist die Baureferentin aber auf alternative Stellflächen in der Innenstadt. Etwa entlang der Hornschuchpromenade. Dort, so habe eine Parkraumanalyse ergeben, fänden sich tagsüber immer wieder freie Flächen.

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Allerdings, räumt Lippert ein, sei der Weg in die Innenstadt von dort aus recht weit. Zumal sich rund um die Freiheit einige Ärzte und Physio-Praxen befinden, die, so beklagen manche, ohne einen nahegelegenen Parkplatz und schlecht zu Fuß, kaum erreichbar sind.

Dafür hat Lippert Verständnis. Abhilfe könnte ihrer Meinung nach der öffentliche Nahverkehr schaffen. Man arbeite momentan an mehr Verlässlichkeit im Busverkehr. Etwa, indem Busbeschleunigungsstreifen angelegt oder Ampelschaltungen so angepasst werden, dass die Fahrzeuge schneller vorankommen. "Wenn ich weiß, dass mein Bus pünktlich kommt, fahre ich damit auch eher mal zu einem Termin," glaubt Lippert.

Nur vier fallen weg

Neuer Parkraum ist aber auch in Sicht. Wenn 2021 das Flair ins Ex-City-Center einzieht, soll es in der Tiefgarage mehr Stellpätze geben, die zudem noch geräumiger ausfallen werden als bisher. Die Baureferentin betont aber auch, dass durch die Umgestaltung der Freiheit dort gerade einmal vier Parkplätze weggefallen seien. Auf der Fläche, die nun Bänke und Pflanzkübel einnehmen, hätten viele zwar ihre Autos abgestellt — offiziell vorgesehen sei das aber nie gewesen.

Für gemischte Reaktionen hatte vor kurzem die Aussage von OB Thomas Jung gesorgt, wonach die Stadt die Freiheit langfristig autofrei machen möchte. Die CSU schrie empört auf, auch die IHK zeigte sich beunruhigt. Die Händler und Gastronomen rund um die Freiheit seien in Sorge.

Das zweite große Thema, das die Facebook-Nutzer beschäftigt, ist die Optik. Vor allem mit den Sitzgelegenheiten sind viele nicht einverstanden. Sie monieren dass sie aus Plastik sind, keine Lehnen haben und für ältere Menschen zu niedrig ausfallen. Lippert zeigt sich durchaus aufgeschlossen für Anregungen, sie möchte daraus auch Lehren für künftige Projekte ziehen.

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"Wir wollen ja schließlich, dass der Platz genutzt wird und wir ihn nicht einfach nur blockieren." Sie könnte sich vorstellen, dass die Kaffeebar im Wöhrl ihren Außenbereich vergrößert und so mehr Menschen anzieht. Auch über eine mobile Skateranlage habe man nachgedacht.

Die schlangenförmigen Bänke habe man hauptsächlich deshalb ausgewählt, weil sie leicht zu transportieren sind, wenn der Platz für Veranstaltungen geräumt werden muss. Das ist bereits heute der Fall, denn diesen Samstag nimmt der Stoffmarkt die Freiheit in Beschlag.

Die Bänke werden dann – wie auch vor dem Weihnachtsmarkt – eingelagert, die Pflanzkübel wechseln auf den Bahnhofplatz. Im Frühjahr sollen sie zurückkommen.

Gwendolyn Kuhn

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