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Dienstag, 20.08.2019

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Für Lind war das Gasthaus Dreh- und Angelpunkt

36 Jahre lang führte Heinz Podszuck die "Linder Grube". Dieser Tage wird er 90 - 09.07.2019 13:00 Uhr

Hinter der Theke steht Heinz Podszuck nur noch in Ausnahmefällen. © Gebert


Anton Gebert, mit 68 Jahren selbst fast schon ein Linder Urgestein, ist in der Zeit in dem Zirndorfer Ortsteil aufgewachsen, als die Gaststätte unter Podszucks Regie zur Kommunikationszentrale des Orts wurde. Zeitgleich ist Podszucks Werdegang Zeugnis der perfekt gelungenen Integration eines "Zugereisten" in die Dorfgemeinschaft.

Obwohl kein gebürtiger Linder, hatten die Leute gehörig Respekt vor ihm, galt er doch als geübter Boxer, berichtet Gebert. In Ostpreußen geboren, kam Podszuck als Flüchtling nach Zirndorf. Nachdem er seine Betty im Geismannsaal in Fürth kennengelernt hatte, heiratete er in deren Elternhaus – das "Gasthaus Linder Grube" in Lind – ein. Als gelernter Kaufmann eignete er sich das Handwerk des Metzgers an, bevor er 1958 das Gasthaus von seinen Schwiegerleuten übernahm.

Ein Glücksfall für die Linder, wie Gebert findet – denn das bescherte ihnen zum einen die Wurstspezialität der "Langen Linder", die es auch als geräucherte Bratwust-Fassung gab. Und zum anderen manche Anekdote mit einem "echten Original", so Gebert. Ein Original, das auch mal eine zweite Kirchweih feierte, wenn der eigene Kärwabaum vor der Haustür abhanden kam — und die Kosten für den Ersatzbaum dem Dieb, dem Berufskollegen aus Anwanden, auch noch in Rechnung stellte.

"Bis zur Eingemeindung nach Zirndorf 1972 hatten wir hier nichts, da hat sich das gesamte gesellschaftliche Leben im Gasthaus abgespielt", erinnert Gebert an die Rolle des Gastwirts. Unter dessen Dach traf man sich zum Karteln, Sonntagnachmittag setzten sich die entweder den Fußballern in Wintersdorf oder in Großweismannsdorf anhängenden Linder nach dem Lokalderby bei Podszuck wieder an einen Tisch.

Und wenn jemand dringend telefonieren musste, wusste er sich bei den Podszucks auch an einer guten Adresse. Denn das Gasthaus hatte eines von gerade mal drei Telefonen und fungierte als öffentliche Fernsprechzentrale – selbst nachts konnten die fünf Bauern am Ort die Wirtsleute aus den Federn holen, wenn der Tierarzt dringend im Stall gebraucht wurde.

Mangels Haustürglocke geschah das in der Regel mit ans Fenster geworfenen Kieselsteinen. Umgekehrt überbrachte Podszuck telefonisch bei ihm eingegangene, wichtige Nachrichten an die Nachbarschaft zuverlässig – in dringenden Fällen ebenfalls nachts.

Von 1958 bis 1994 hat Podszuck senior das Gasthaus mit seiner im vergangenen Jahr verstorbenen Ehefrau Betty geführt, bevor er es an Sohn Andreas übergab und sich aufs Altenteil zurückzog. Manchmal sieht man ihn noch mit am Stammtisch sitzen. An der Theke steht er nur noch in Ausnahmefällen – zum Beispiel für das FN-Foto. 

Sabine Dietz

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