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Fränkisches Nutella: Jetzt helfen Hühner auf der Nussplantage

800 Tiere statt Insektizide: Der Stieglerhof in Gonnersdorf hat Zuwachs bekommen - 18.04.2019 18:00 Uhr

Martin Stiegler hat eines seiner nützlichen Hühner im Arm: Es und seine 799 Artgenossen sollen künftig dafür sorgen, dass die Nussplantage vom Haselnussbohrer verschont bleibt. Eier legen sollen die Hennen natürlich auch. © Petra Fiedler


Es ist das perfekte Idyll: blauer Himmel, frisches Grün. Unter den Haselnussstauden ein Hühnervolk, das scharrt und pickt und herumstolziert.

Martin Stiegler, der 27-jährige Jungbauer, ist der eigentliche Herr der Hühner in diesem landwirtschaftlichen Doppelgespann mit Vater Fritz. "Die Hühner sind da, weil sie ein Teil des biologischen Kreislaufs unserer Nüsse sind", verrät Stiegler junior. Die Nüsse landen am Ende unter anderem im Nussaufstrich, mit dem die Stieglers Nutella ein wenig Konkurrenz machen. Weil bei Bionüssen keine Chemie zum Einsatz kommt, müssen die Hühner jene Arbeit leisten, die im konventionellen Anbau die Insektizide übernehmen. Die 800-köpfige Schar bevölkert deshalb Teile der Nussplantage.

Der Schädling Haselnussbohrer ist gefürchtet. Für seinen Nachwuchs ist so eine Nuss eine kalorienreiche Speisekammer. Der Käfer überwintert im Boden. Für die Hennen ist das Insekt jetzt ein gefundenes Fressen. Entdecken sie ihn, verschwindet er ruck, zuck in den Schnäbeln. Als Dank für die eiweißreichen Leckerbissen hinterlassen die Hühner ihren Kot. "Das ist nicht weniger als wertvoller Dünger", betont Martin Stiegler.

Fuchs und Bussard

Sieglinde, Fritz und Martin Stiegler könnten stundenlang von ihren Beobachtungen erzählen: Wie sich die Hähne aufplustern und sich kampfbereit geben, wenn sie den Flugschatten von Bussard oder Habicht wahrnehmen etwa. Oder wie sich die Schar bei Dämmerung ohne Anlocken an ihrem Schlafplatz einfindet.

Denn tatsächlich sind Greifvögel und Fuchs gefürchtet auf einem Hühnerhof. Beide Arten haben Federvieh auf ihrem Speiseplan. Ein Leben in Freiheit ist für ein Huhn gefährlich und Verluste wollen die Stieglers vermeiden. Auf jeden Angriff reagieren sie. Sie haben Stress und legen weniger Eier. Weniger Eier bedeuten weniger Einnahmen.

Jugenderinnerungen

Seinem Bekenntnis zum Haushuhn mit seinem liebenswerten Wesen folgen sogleich Geschichten, wie Fritz Stiegler als Bub schweren Masthühnern das Schwimmen beibringen wollte. Die Erlebnispädagogik auf dem Bauernhof endete mit der Rettung der Vögel, weil: "Die sind untergegangen wie ein Stein und wären umgehend ertrunken."

Es bedarf vielleicht solcher Erlebnisse, die einem die Verletzlichkeit eines Huhns nahebringen. Denn während aberwitzig viele Millionen Legehennen trotz leicht verbesserten Platzangebots immer noch im Käfig ein geschundenes Leben fristen, logieren die Stiegler’schen Hühner in einem fahrbaren Hotel mit Veranda, Futterband, Wasserspender und direktem Zugang ins Freie.

Die Familie steht ohne Einschränkung zu ihren neuen Mitbewohnern, auch wenn sich die Haselnussernte dadurch verkompliziert – die Nüsse dürfen nicht auf den Boden fallen und vom Kot verschmutzt werden. "Bio" hat eben seinen Preis und nicht alle Verbraucher sind bereit, ihn zu zahlen, auch bei den Eiern.

Zwischen Käfig und Freilauf

Da sind Fritz und Martin Stiegler bei der Zahl zwölf, oder genau gesagt 11,9 angekommen. Denn so viele Cent kostet das billigste Ei beim Discounter. 45 Cent kostet ein Ei bei den Gonnersdorfern am Automaten.

Doch zwischen zwölf und 45 liegen Welten, was die Umweltverträglichkeit und das Tierwohl angeht. Das herrliche Leben auf den Nussplantagen ist nicht zu vergleichen mit der Lebenswirklichkeit eines Huhns in der Agrarindustrie.

Es herrscht selbst hierzulande immer noch qualvolle Enge bei Tieren, die ihr Leben in der sogenannten Kleingruppenhaltung auf Gitterrosten und bei genau getaktetem Kunstlicht fristen. Eierproduktion für den Billigmarkt ist ein Hightech-Prozess. So produzierte Eier wandern anonym in Nudel, Fertiggericht oder Kuchen.

Fritz Stiegler treiben diese Tatsachen um. "Der Verbraucher hat es in der Hand", meint er, wenn man mit ihm darüber philosophiert, wie sich derartige Zustände ändern ließen. Weniger vom Richtigen, vom Hochwertigen essen, entnimmt man seinen Worten, das wäre ein Lösungsansatz.

 

Petra Fiedler

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