Mittwoch, 20.11.2019

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"fränggisch fäschn": Dialekt-Klamotten aus Veitsbronn

Jeannette Daschner entwirft nachhaltige Mode mit heimischen Sprüchen - 02.09.2019 17:56 Uhr

Himmel – Herrgodd – Sagrament: Auch fluchen lässt es sich auf Fränkisch ganz wunderbar, wie dieses T-Shirt beweist. Und so a "Seidla" davor, danach oder dazu ist natürlich etwas ganz Feines. © privat


Manche tragen ihr Herz auf der Zunge. Andere lassen ihr T-Shirt sprechen. Bassd scho kann man da denken, jeder wie er mag. Aber wie perfekt ist es denn, wenn beides zusammenkommt und das Hemd auf den ersten Blick zeigt: Hier kommt ein Franke zu Wort.

"Allmäächd! Is des Leem schee!" Das ist doch mal eine Ansage. Sie ziert ein T-Shirt, dass Jeannette Daschner vor sich liegen hat. Der gutgelaunte Spruch passt prima zu der zierlichen Frau mit den blonden Haaren. Die hat heute aber ein Shirt mit dem Hinweis "Franggn" an. Auch richtig.

Die 31-Jährige, die in Veitsbronn groß wurde und mittlerweile in Fürth lebt, ist stolz darauf, aus Franken zu stammen. Ihr passt es gar nicht, dass "es heute schwierig ist, Dialekt zu sprechen, weil man beinahe automatisch in die Schublade mit der Aufschrift ,dumm und ungebildet‘ gesteckt wird". Genauso wenig gefällt ihr, dass viele Kinder und Jugendliche sich inzwischen entschieden besser auf Denglisch als im Dialekt ausdrücken können.

Kernige Sprüche

Jeannette Daschner wurde aktiv und gründete "fränggisch fäschn". Ihr Mode-Label ist seit Mai 2018 auf dem Markt und bringt zusammen, was ihr am Herzen liegt: Nachhaltige Mode und kernige Sprüche, natürlich auf "fränggisch". Damit hat sie eine Marktlücke entdeckt. Denn Hemden etwa mit bayerischen Mundart-Aufdrucken gibt es schon länger, doch Fränkisch war bislang Fehlanzeige.

Den Start ihres Unternehmens hat die junge Frau, die Betriebswirtschaft studiert hat und hauptberuflich als Senior-Marketing-Manager in einem großen Unternehmen in Nürnberg arbeitet, gut geplant. Sie informierte sich unter anderem über mögliche Käufer ("Es gibt rund vier Millionen Franken"), gestaltete eine attraktive Homepage und entwarf schicke Designs für ihre Modelle, die es für Boum, Madli und Waggerla gibt.

"Moggeln is a Lifestyle"

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Da finden sich jetzt Tops für "Brinzessla" oder Baby-Bodys für "Fregger". Oder wie wär’s für Ihn mit dem Aufdruck: "get inked oder die naggerd?" Was Fränklisch (Fränkisch-Englisch) ist und nichts anderes heißt als: "Lass‘ dich tätowieren oder stirb nackt." Ein klares Bekenntnis gibt auch ab, wer sich für ein T-Shirt mit dem schönen Spruch "Moggeln is a Lifestyle" entscheidet. Wie es sich am schönsten moggelt, kann die Chefin wunderbar erklären: "Das ist, wenn man sich zum Beispiel an einem verregneten Sonntagnachmittag auf der Couch in eine Decke einmümmelt und ganz entspannt vor sich hin döst."

Als sie im Juli mit ihrer "fränggisch fäschn" auf der Bio-Erleben in Nürnberg einen Stand aufschlug, hatte sie sogar internationale Kundschaft. "Eine Frau bat, dass ich ihr die Aufdrucke ins Englische übersetze." Nicht ganz einfach. Auch über die korrekte Schreibweise des Fränggischen kann man ins Grübeln kommen. "Ab und zu bekomme ich Mails, in denen ein Ausdruck moniert wird."

Kleidung aus Bio-Baumwolle

Eigentlich kein Wunder bei einem so lebendigen Dialekt, der nicht selten von Ort zu Ort ein bisschen anders klingt. Eine Erfahrung, die sie mit einem "Kärwa"-Shirt machte, das sie nicht mehr anbietet: "Manche sagen Kerwa, einige Kirwa..."

"Moggeln is a Lifestyle" steht auf dem Pullover, den Jeannette Daschner trägt. © privat


Jeannette Daschner, die von ihren Freunden Nedde genannt wird – mit weichem "d" natürlich – hat ihren Anspruch auf Nachhaltigkeit und faire Mode verwirklicht. "Es war mir von Anfang an wichtig, dass die T-Shirts, Hoodies und Baby-Bodys aus Bio-Baumwolle sind." Sie arbeitet mit Merchandise-Textilhändlern zusammen, die sehr gute Qualität liefern: "Sonst fühlt man sich in den Sachen einfach nicht wohl." Bedruckt wird jede Bestellung sofort in einem Fürther Unternehmen ("Ich kann jede Hemd-Größe jederzeit anbieten"), die letzte Hand legt dann Daschners Mutter in Veitsbronn an, die die unverwechselbaren und ebenfalls selbst entworfenen Label-Etiketten aufnäht und beim Versand der "Bäggle" hilft: "Ohne Plastikmüll und ohne überflüssige Verpackungen." Bei den Eltern in Veitsbronn hat sie ihr Lager, ein Büro braucht sie für ihr "fränggisch fäschn" nicht. "Wo ich meinen Laptop aufstelle, kann ich arbeiten."

Tolle Unterstützung

Auch wenn alle wesentlichen Aufgaben bei ihr liegen, die Jung-Unternehmerin kann sich auf Unterstützung verlassen: "Ich habe tolle Freunde und einen Freund, die sich alle bis tief in die Nacht mit mir über neue Designs austauschen und zu Shootings für die Homepage bereit sind", freut sie sich. Immer wieder sei sie überwältigt von der Hilfe, die ihr aus diesem Kreis entgegengebracht wird.

Mit dem Erfolg ihres Unternehmens ist Jeannette Daschner nach mehr als einem Jahr zufrieden. "Es ist für mich allein schon ein Gewinn, dass ich so viel positive Resonanz bekomme."

Noch eines gefällt ihr sehr: "Ich lerne hierbei intensiv für die Aufgaben, die ich in meinem Hauptberuf übernehme – Marketing ist nämlich meine Leidenschaft." Wie es weitergeht? Sie strahlt: "Ich habe ganz viele Pläne."

Sabine Rempe

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