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Ein OB als SPD-Chef? Jung ist skeptisch

Vom Vorschlag eines Genossen hält der Fürther OB wenig - 25.06.2019 11:00 Uhr

OB Thomas Jung reagiert wenig euphorisch auf die Sätze von Martin Dulig, dem Ostbeauftragten der SPD. © Horst Linke


Ein paar Sätze, die Martin Dulig in einem Interview mit der Welt sagte, haben sich am Montag im ganzen Land verbreitet: "Mir fallen schon einige Leute in den Städten und Ländern ein, die ich für fähig halte. Die kennt man vielleicht in Berlin noch nicht. Aber das lässt sich ändern."

Er fände es gut, so der Ostbeauftragte der SPD weiter, wenn "einer unserer erfolgreichen Oberbürgermeister die Herausforderung annimmt". Die Rede war vom Parteivorsitz, der zu vergeben ist.

Einer, der sich angesprochen fühlen darf, ist Fürths OB Thomas Jung, dessen Namen man inzwischen in Berlin sogar ein bisschen kennen könnte. Im Februar wurde er zeitgleich in einer Story des Nachrichtenmagazins Focus und im "Bericht aus Berlin" der ARD als leuchtendes Beispiel dafür vorgestellt, wie SPD-Vertreter gegen den Trend ihrer Partei Politik machen können, die bei vielen Wählern ankommt.

Dass Jung auf dem Radar der Medien war, hat wiederum nicht nur mit seinen bemerkenswerten Ergebnissen bei Kommunalwahlen zu tun, sondern auch mit Andrea Nahles: Im Sommer 2018 hatte er bei einem Besuch der damaligen SPD-Chefin in der Kleeblattstadt die "Armutszuwanderung" aus Osteuropa beklagt. Er bezog sich auf Schlepper, die Menschen aus Bulgarien und Rumänien herholen, sie beengt in heruntergekommenen Wohnungen unterbringen und zu Aufstockern machen.

Im November dann hatte er sich im Gespräch mit dem Berliner Tagesspiegel kritisch über Nahles selbst geäußert. Ein Jung-Zitat wurde zur Schlagzeile: "Andrea Nahles kann nicht begeistern."

Duligs Vorstoß jedoch stößt beim Fürther OB auf Skepsis. Er würde sich lieber ein nachhaltiges Interesse an den Erfahrungen der Kommunalpolitiker wünschen als den Ruf gleich an die Spitze, sagte er den FN. Zeitlich, so Jung, wäre es überdies schwierig, als amtierender Rathaus-Chef auch Parteivorsitzender zu sein.

"Das wäre ein Armutszeugnis"

Wenig kann er auch dem Vorschlag von Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann abgewinnen, an der Abstimmung über Vorsitz und Kanzlerkandidatur interessierte Nicht-Mitglieder zu beteiligen. Hier, so Oppermanns Argument, komme es ja darauf an, Leute auszuwählen, die nicht nur Mitglieder überzeugen. Jung dazu: "Das wäre schon ein Armutszeugnis, wenn es sich eine Partei nicht mehr zutrauen würde, jemanden aus eigener Kraft zu nominieren, der auch Chancen hat, in der Bevölkerung anzukommen."

Duligs Auffassung, dass die SPD "etwas ausgebrannt" sei, was ihr Spitzenpersonal betrifft, teilt Jung nicht. Für größere Aufgaben infrage kämen etwa Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sowie ihre Amtskollegen Malu Dreyer (Rheinland-Pfalz) und Stephan Weil (Niedersachsen) – ebenso wie Familienministerin Franziska Giffey. Schon als Bürgermeisterin in Berlin-Neukölln sei sie "sehr erfrischend" gewesen: "Für mich ist sie in Berlin ein Lichtblick."

  

Claudia Ziob

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