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Donnerstag, 20.06.2019

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Der Steiner Kampf um den Rednitzgrund

Geplantes Naturprojekt "Keimzelle" ist nicht überall willkommen - 08.05.2019 06:00 Uhr

Mit Schildern an der Einmündung Hauptstraße/Deutenbacher Straße und an der Gerasmühler Straße wirbt die Stadt Stein für ihr Projekt Keimzelle im Rednitzgrund. Im Stadtrat beschlossen sind die Pläne allerdings noch nicht. Gleich nebenan (nicht im Bild) informieren die Gegner des Vorhabens. © Hans-Joachim Winckler


Wenn in Stein unterschiedliche Meinungen über kommunale Projekte aufeinanderprallen, dann wird gern mit harten Bandagen gekämpft. Das war so im Vorfeld der Entscheidung über das Einkaufszentrum Forum und bei der Umwandlung der Schule in Oberweihersbuch in einen Hort. Nun geht es um die neue Keimzelle im Rednitzgrund. Der Stadt könnte in diesem Zusammenhang ein Bürgerbegehren bevorstehen.

Denn: Das geplante Naturprojekt mit Weinberg, Gemüsebeeten und Blühwiesen, das zwischenzeitlich von städtischer Seite auch "Natur plus" oder "Natur für alle" genannt wird, ist keineswegs bei allen Steinern willkommen.

Die Bürgerfragestunde vor der Stadtratssitzung nutzten zwei Kritiker auch, um ihre Verwunderung über die Vorgehensweise der Stadt kundzutun. Einen Dialog auf Augenhöhe, der bislang zwischen Gegnern und Verwaltung nicht stattfand, gab es auch in diesem Forum nicht. Wie in Bürgerfragestunden üblich, erhielten die Fragesteller knappe Antworten des Bürgermeisters.

Noch fehlt für die Keimzelle der rechtlich bindende Bebauungsplan, noch ist das Verfahren nicht abgeschlossen, sind die Bedenken und Einsprüche der Bürger nicht gewürdigt. 300 Menschen, so die Auskunft von Bürgermeister Kurt Krömer im Stadtrat, haben Einwendungen vorgebracht. Er schätzt jedoch, dass 280 Schreiben lediglich unterschriebene Kopien sind. Bleiben 20, wie er in öffentlicher Sitzung äußerte, bei denen die Verwaltung erläutern muss, wie sie Abhilfe schaffen will.

Doch wie kann es sein, fragte ein BI-Sprecher, dass in einem so "frühen Stadium" – und damit zitierte er Bauamtsleiter Wolfgang Schaffrien – bereits Informationstafeln der Stadt zum Thema Keimzelle einbetoniert werden? Oder eine aufwendige Infobroschüre das Vorhaben als beschlossen darstelle?

Krömer erwiderte, dass die Einwendungen der Bürger im Juni im Bauausschuss behandelt würden. Bei Bedarf könnten die Infotafeln geändert werden. Die Stadt macht intensiv Werbung für ein Vorhaben, von dem alle etwas haben sollen: die Pächter der Gemüsebeete, die Naturliebhaber oder die Kinder im grünen Klassenzimmer. Und das alles auf 30 000 Quadratmetern für geschätzte 300 000 Euro, in die europäische Leadermittel eingerechnet sind.

Den Gegnern wird grundsätzlich unterstellt, sie handelten aus eigennützigen Motiven. Tatsächlich wohnt ein Teil der Mitglieder der Bürgerinitiative in Nachbarschaft zum Rednitzgrund.

Großer Freizeitdruck

Die Kritiker fürchten eine Überfrachtung des Geländes. Vor allem der Wegebau, die Stege und die Zugänge nähmen mehr Natur weg, als sie aufzuwerten. Den Gemüseanbau sehen sie mit großer Skepsis, denn sie gehen davon aus, dass dies dem Rednitzgrund schadet, der schon jetzt großem Freizeitdruck ausgesetzt sei. Ein Rückzugsgebiet für Wildtiere werde vernichtet. Außerdem vermuten Skeptiker, dass die Kosten ausufern.

Sie wollen sich aber nicht als bloße Neinsager verstanden wissen, sondern gerne mitreden – denn gegen Blühwiese statt Maisanbau oder neue Bäume hätten sie nichts. Außerhalb des formalen Bebauungsplanverfahrens sei ihnen aber keine Möglichkeit eingeräumt worden, ihre Position darzustellen.

In einer Presseerklärung betont einer der Sprecher der Bürgerinitiative Pro Rednitzgrund, Gerd Herbst, dass ihm und seinen Mitstreitern an einer sachlichen Auseinandersetzung gelegen sei. "Aber unser erster Bürgermeister bringt eine völlig unangebrachte Schärfe in die Debatte."

Beispielsweise habe Krömer den Vorgarten eines Kritikers fotografiert und das Bild "mit bösen Kommentaren" auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht, moniert die BI – und stellt die Frage: "Muss der Bürgermeister unbedingt in die unterste politische Schublade greifen?"

"Wer eine andere Meinung als der Bürgermeister vertritt, ist kein Feind, sondern ein Mitbürger, der sich für die Gemeinschaft einsetzt", heißt es in der Erklärung. Inzwischen hat die BI begonnen, Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen das Projekt zu sammeln. Bis Ende Juli soll die nötige Anzahl zusammengekommen sein. 

Beate Dietz

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