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Mittwoch, 23.10.2019

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Dataform: Eine ganze Belegschaft atmet auf

Nach dem Bürgerentscheid zeigt sich der Geschäftsführer "unendlich erleichtert" - 10.09.2019 18:45 Uhr

„Für uns und unsere 220 Mitarbeiter stand jede Menge auf dem Spiel, wir sind den Roßtalern sehr dankbar“: Geschäftsführer Walter Dinkelmeyer. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Herr Dinkelmeyer, wie ist jetzt Ihre Gefühlslage?

Walter Dinkelmeyer: Ich bin unendlich erleichtert. Ich habe natürlich gehofft, hätte aber eher noch mit einer Entscheidung Spitz auf Knopf gerechnet. Dass das Ergebnis des Bürgerentscheids mit 79 Prozent derart deutlich zu unseren Gunsten ausfiel, das hat mich überwältigt, dafür sind wir den Roßtalern sehr dankbar. Daran hätte keiner geglaubt. Das war auch in den Mienen der Menschen zu lesen, die am Sonntagabend im Rathaus waren, als das Ergebnis bekannt gegeben wurde. Und ich habe nicht nur eine Nacht nicht geschlafen, sondern etliche. Es ging für uns um sehr viel, es hängen jede Menge Arbeitsplätze und Menschen mit dran.

 

Wie war die Stimmung in der Belegschaft?

Dinkelmeyer: Sie war einfach toll, mich haben an unserem Sitz in Ammerndorf strahlende Gesichter begrüßt. Teils haben die Beschäftigten applaudiert. So würde ich gern jeden Tag auf der Arbeit begrüßt werden.

 

Wie geht es jetzt weiter?

Dinkelmeyer: Das Grundgerüst der Planung für Buchschwabach steht, jetzt geht es noch um viele Details. Wir haben bereits diese Woche weitere Termine mit unseren Planern vereinbart. Einen gleichwertigen Plan B hätten wir nicht gehabt, wir hätten vielleicht die eine oder andere kleinere Halle gefunden, aber das wäre alles nur provisorisch gewesen. Unserem Problem der auf drei Standorte verteilten Bereiche wäre wir nicht beigekommen. Doch Ersatz für den Standort in Nürnbergs Muggenhofer Straße brauchen wir auf jeden Fall. Dort sollen in drei Jahren die Bagger anrollen, um ein Wohngebiet entstehen zu lassen. Die Kündigung kann uns jederzeit ins Haus flattern. Unser Ziel, uns europaweit als eines der drei Top-Unternehmen im Dialogmarketing aufzustellen, hätte sich dann erledigt. Der Bereich Fullfillment, also die Dienstleistung für Online-Händler, der wächst sowieso ganz von selbst.

Bürgerentscheid: Roßtal stellt sich hinter Dataform-Pläne

Wie sieht Ihr Zeithorizont aus?

Dinkelmeyer: Die Planungen gehen nun auf Hochtouren weiter. Ursprünglich hätten wir gedacht, Anfang nächsten Jahres mit dem Bau in Buchschwabach beginnen zu können. Seit Ende Mai aber stand nun alles auf ,Stopp‘. Abhängig davon, wie schnell das Bauleitverfahren jetzt läuft, gehe ich von einem Baustart in April oder Mai 2020 aus. An der ökologischen Gesamtkonzeption werden weder der zeitliche Verzug von fast vier Monaten noch der Bürgerentscheid etwas ändern, das können die Bürger in den öffentlichen Beteiligungsphasen der nächsten Monate verfolgen. Bei der Bauzeit rechnen die Architekten mit 12 bis 14 Monaten, so dass wir im Frühsommer 2021 einziehen können.

Dataform-Pläne: Vor dem Bürgerentscheid war Roßtal gespalten

Per Pressemitteilung hat Knut Schalldach, BN-Vorsitzender und Sprecher der Bürgerinitiative, die die Ansiedlung von dataform verhindern wollte, noch am Abend des Bürgerentscheids den BN als Partner bei der Planung und Gestaltung von Ausgleichsflächen und Biotopen angedient. Werden Sie auf dieses Angebot zurückkommen?

Dinkelmeyer: Da werden wir natürlich nicht Nein sagen, aber diese Gesprächsbereitschaft hatten wir auch schon vor den Entscheiden signalisiert, nur wurden die Gespräche einseitig von der BI abgebrochen. Wir lassen den Kontakt gern wieder aufleben, wenn von dieser Seite Ideen kommen. Wenn wir gleich miteinander geredet hätten, hätten sich alle Beteiligten — zwei Bürgerinitiativen, die Gemeinde und auch wir — einen Haufen Geld sparen können, dann hätte es die Entscheide gar nicht gebraucht.

Interview: Sabine Dietz

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