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Bessere Chancen: Tausend Leih-iPads für Fürther Schüler

Mittelfristig könnte es weitere Phasen des Homeschoolings geben - 07.07.2020 06:00 Uhr

Muss es ein Apple-Gerät sein? Ja, meint die Stadtspitze, es lasse sich leicht bedienen und gut kontrollieren. Allerdings kauft man nicht das neueste Modell.

© Foto: Julian Stratenschulte/dpa


Mit 550 Millionen Euro wollen Bund und Länder in der Corona-Pandemie dafür sorgen, dass auch Schüler aus sozial schwachen Familien die nötige Technik fürs Lernen zuhause an die Hand bekommen. Der Blick richtet sich dabei schon aufs kommende Schuljahr.


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Ein Sofortprogramm sieht die Anschaffung so genannter mobiler Endgeräte vor, über die Lehrer auch dann Wissen vermitteln und abfragen können, wenn sie ihre Schüler nicht im Klassenzimmer vor sich haben. Für Fürth sind nach einer Mitteilung des Kultusministeriums an die Stadt knapp 785 000 Euro vorgesehen. Davon sollen nun nach einem einstimmigen Beschluss des Stadtrats mindestens tausend iPads angeschafft werden.

Wie Bürgermeister und Schulreferent Markus Braun auf Nachfrage sagte, sollen die Geräte möglichst rasch gekauft werden. Ziel sei eine Verteilung noch vor Beginn des neuen Schuljahrs im September. Hintergrund ist, dass die Corona-Pandemie den Unterricht auf den Kopf gestellt hat. Flächendeckend werden zurzeit Lerninhalte teils im Klassenzimmer, teils online vermittelt.

Im September will man zwar zum Normalunterricht zurückkehren. Doch ist zu erwarten, dass Corona-Infektionen immer wieder (Teil-)Schließungen von Schulen nach sich ziehen. Auch Kultusminister Michael Piazolo kommt zu dem Schuss, man müsse sich "mittelfristig auf eine Kombination aus Präsenzunterricht und Phasen des häuslichen Lernens einstellen". Die technische Ausstattung durch Bund (500 Millionen Euro) und Länder (50 Millionen Euro) habe das Ziel, keine Schüler "zu verlieren".

Die Schulen entscheidet, wer Geräte bekommt

Profitieren werden laut Braun an den fast 40 Fürther Schulen (private Einrichtungen inklusive) mit ihren 12.000 bis 13.000 Schülern vor allem jene Jungen und Mädchen, die Anspruch auf Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket haben, deren Familien also Arbeitslosengeld II und/oder Wohngeld beziehen. Die Schulen sind nun aufgefordert, ihren konkreten Bedarf geltend zu machen. Welchem Kind am Ende ein iPad geliehen wird, entscheiden laut Braun die Schulen.

Dass sich die Stadt für ein Apple-Produkt entschieden hat, löst offenbar nicht überall Begeisterung aus. Stefan Herbst, Fachberater für Digitalisierung an Fürther Schulen, erklärt, viele Schulen hätten Windows-Tablets bevorzugt. Der Grund: Mit iPads arbeite bisher nur eine einzige Schule in der Stadt, die wenigsten Lehrkräfte seien im Umgang damit geschult, die Betreuung der Kinder und Jugendlichen im Homeschooling sei somit nicht gesichert. Den "Medienbruch" nennt Herbst die "bittere Pille". Ansonsten begrüßt er es, dass so technisch eine hundertprozentige Erreichbarkeit der Schüler hergestellt werden soll.

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Bürgermeister Braun hingegen verweist auf die Vorteile des iPads, das nicht nur als virensicher gilt, sondern auch als weitgehend selbsterklärend. Die einfache Bedienung sei von Vorteil gerade für sozial benachteiligte Kinder – und die, nicht die Lehrer, sollten ja rasch selbständig damit zurechtkommen. Die Städte Nürnberg, Erlangen und Schwabach wollen laut Braun ebenfalls iPads anschaffen. Er erwartet einen "sorgsamen Umgang" mit den Geräten und betont: "Wir haben uns bewusst nicht für das allerneueste, sondern für ein bewährtes und langlebiges Modell entschieden."

Das Gerät kann nicht zur Spielkonsole werden

In einem beschleunigten Verfahren wird das Fürther Kontingent nun geordert. Braun hofft, dass es zu keinen Engpässen kommt, "weil ja jetzt alle mit den Bundesmitteln auf diese Geräte zugreifen". Im Übrigen sollen die iPads so präpariert werden, dass man sie nicht als Spielkonsole, sondern nur zum Lernen verwenden kann. Heißt: Die Kinder können keine Software aus dem App Store auf den Leihgeräten installieren.


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Mit der Wartung will die Stadt einen Dienstleister beauftragen. Die Firma soll die Anwender auch in einem gewissen Umfang unterstützen oder, sofern nötig, verschwundene Geräte orten können. Für diesen Service wurden pro Monat 5000 Euro einkalkuliert.

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