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Bank zieht ein: Traditionsgeschäft Schnatzky schließt

Nach über 20 Jahren macht das Hifi-Geschäft auf der Fürther Freiheit zu - 02.07.2020 21:00 Uhr

Firmengründer Ingomar Schnatzky (re.) mit seiner Tochter Stefanie Beyer. Sein Mitarbeiter Bernd Kerkamm (li.) wird den Reparaturservice weiterführen.

© Foto: Florian Burghardt


Manch einem wird es im Vorbeigehen schon aufgefallen sein: Seit Anfang Juni bleiben die Türen des TV- und HiFi-Geschäfts Schnatzky an der Fürther Freiheit geschlossen. Schilder mit der Aufschrift "Räumungsverkauf" hängen in den Schaufenstern. Darunter die Info, dass man sich telefonisch melden soll, wenn man eines der Ausstellungsstücke erwerben möchte.

Verschwindet der Name Schnatzky aus dem Fürther Elektrofachhandel? Immerhin ist das Unternehmen seit stolzen 54 Jahren in der Kleeblattstadt zuhause. "Wir sind nicht pleite oder so", sagt Gründer Ingomar Schnatzky (79) auf FN-Nachfrage. Auch mit der Corona-Krise habe der aktuelle Räumungsverkauf nichts zu tun.

Fakt ist aber, dass er mit seinem Geschäft nach 21 Jahren die Räume an der Fürther Freiheit verlassen muss. Der Grund dafür: Die Flessabank, der das Gebäude gehöre, habe Eigenbedarf angemeldet und wolle mit ihrer Filiale aus der gegenüberliegenden Friedrichstraße herüberwechseln, so Schnatzky.

Das habe schon im Herbst vergangenen Jahres festgestanden. Eigentlich hatte er schon einen Nachfolger gefunden, doch der sei ihm dann durch die hereinbrechende Krise abgesprungen.

Es folgte, aufgrund der Corona-Pandemie, die behördlich angeordnete Schließung und so blieb ihm am Ende nur der Abverkauf. Einen neuen Laden eröffnen wolle er selbst mit bald 80 Jahren lieber nicht mehr, erklärt Schnatzky – und klingt dabei fast schon entschuldigend.

Los ging es 1966

Bereits im Jahr 1966 hatte er zusammen mit einem jungen Kollegen losgelegt, damals mit einer Radio- und TV-Werkstatt in der Ludwigstraße. Der treue Kundenstamm kaufte später auch neue Geräte in seinem Laden in der Hirschenstraße. Allein an Fernsehern seien über die Jahrzehnte viele tausend Geräte über seinen Ladentisch gegangen, schätzt Schnatzky.

Sein Geheimnis: Er habe niemals Ramsch verkauft und zudem Service und Beratung immer groß geschrieben. "Teilweise sind ältere Menschen weinend zu mir in den Laden gekommen, weil sie mit ihrem modernen Gerät nicht zurechtgekommen sind. Mit einem Lächeln sind sie dann wieder herausspaziert und mir als Kunden oft bis zuletzt treu geblieben", erzählt Schnatzky stolz. Ihnen allen ist er ganz besonders dankbar.

Der Reparaturservice besteht fort

Wenigstens auf den Reparaturservice mit seinem Namen müssen die Kunden in Zukunft nicht verzichten. Schnatzkys Mitarbeiter Bernd Kerkamm wird die Werkstatt zusammen mit seinem Team weiterführen. Ihn erreicht man unter der bisherigen Telefonnummer des Geschäfts und er regelt auch den Abverkauf der Ware. Der wird schätzungsweise noch den ganzen Sommer über laufen.

Auch einen Fachhandel mit Namen Schnatzky soll es in Fürth unter Kerkamms Leitung über kurz oder lang wieder geben. Hier wolle man aber noch den weiteren Verlauf der Krise abwarten, ehe man sich für neue Räume entscheide. Die müssen dann auch dem Firmengründer selbst gefallen, denn so ganz los kommt er von seinem Lebenswerk dann doch nicht.

"Fast täglich rufen mich Kunden an und fragen, ob wir aufhören und warum. Im September werde ich 80. Ich hoffe, dass bis dahin jeder Bescheid weiß", meint Schnatzky und lacht.

Florian Burghardt

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