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Mittwoch, 22.05.2019

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Alarmsystem warnt vor dem Starkregen

Vorbildlich: In Veitsbronn schlagen installierte Sensoren bei Wetterextremen frühzeitig an - 19.02.2019 16:00 Uhr

Gullydeckel, die dem enormen Wasserdruck von unten nicht mehr standhalten, sind bei Starkregen keine Seltenheit. © Archivfoto: News 5/Winter


Es regnet an diesem Abend, als die Gemeinde und das von ihr beauftragte Unternehmen Spekter das neue FAS vorstellen – aber man ist weit entfernt von einem Starkregen. Dass es auch anders kommen kann, hatte zuletzt das Unwetter von Fronleichnam 2018 gezeigt: Allein in Veitsbronn standen sechs Keller unter Wasser. Viele der rund zwei Dutzend in die Zenngrundhalle gekommenen Bürger dürften sich noch lebhaft daran erinnern.

Falls nicht, hat Matthias Falk von der Firma Spekter Bilder, Videos und Diagramme zu diesem und anderen Starkregenereignissen mitgebracht – hier der die Außentreppe herabströmende Wasserfall, dort das Schlüsselloch einer Tür im Keller, aus dem ein Wasserstrahl schießt. Die Botschaft ist klar: Immer häufiger regnet es innerhalb kürzester Zeit besonders heftig, entsprechende Schäden sind die Folge. Zudem kann Starkregen, wie es Falk formuliert, "lokal sehr begrenzt" auftreten.

Genau deshalb hat seine Firma die aktuell sechs Radarsensoren des Veitsbronner FAS an verschiedenen Orten aufgestellt. Sie messen etwa bei Raindorf, auf dem Bauhofdach, in der Nähe des ASV-Sportplatzes sowie an der Seukendorfer Straße, wie viel es gerade regnet.

Echtzeit-Übertragung

In Echtzeit übertragen die Sensoren ihre Daten ans FAS, das in Sekundenschnelle berechnet, ob es brenzlig werden könnte – und das für jedes "Gewässereinzugsgebiet" (Falk) einzeln. Damit sind die Seitentäler und -hänge der Zenn gemeint, ebenfalls sechs an der Zahl.

Angenommen, das FAS erkennt eine Gefahr, wie funktioniert die Alarmierung? Es gibt drei Warnstufen: "Rückstaugefahr" bedeutet, dass Überlastungen der Kanäle möglich sind. Eine Stufe höher ist eine "Überflutungsgefahr" durch Fließgewässer gegeben. Und wenn gar "Sturzflutgefahr" ausgerufen wird, kann es richtig gefährlich werden. Falk empfiehlt dann, obere Stockwerke oder höher gelegenes Gelände aufzusuchen, um sich in Sicherheit zu bringen.

Bei den Menschen kommt der Alarm wahlweise per Mail oder SMS an. Oder als automatischer Anruf, bei dem es laut Falk so lange klingelt, "bis jemand hingeht". Eine Verknüpfung mit Smart-Home-Systemen ist ebenfalls denkbar, um zum Beispiel Schutzklappen automatisch auszufahren. Vorab ist eine kostenlose Registrierung unter www.starkregenalarm.de/veitsbronn nötig.

Vorreiterrolle im Landkreis

Nach Adelsdorf im Landkreis Erlangen-Höchstadt ist Veitsbronn erst die zweite Gemeinde in der Region, die ihr FAS für die Bevölkerung zugänglich macht. Bürgermeister Marco Kistner (CSU) freut sich über die "Vorreiterrolle", die seine Kommune damit einnimmt.

Funktionsfähig ist der Warndienst, der auch die Verwaltung und Rettungskräfte informiert, übrigens schon seit 2017. In Zukunft soll sein Sensorennetz noch "deutlich dichter werden", kündigte Kistner auf Nachfrage eines Bürgers an. Geplant ist zudem, die Wasserstände von Flüssen und in der Kanalisation zu messen – teils mit batteriebetriebenen Sensoren, deren Akkus fünf Jahre durchhalten.

20 000 Euro hat das Frühalarmsystem bislang gekostet, wobei es Zuschüsse vom Freistaat Bayern gab. Gleiches gilt für die 100 000 Euro, die Veitsbronn für eine dreidimensionale Gefahrenkarte veranschlagt, die gerade erstellt wird. Unter anderem soll sie zeigen, wie sich "wild abfließendes Wasser" bei Starkregen seinen Weg bahnt, sagt Falk.

Auch Hinweise aus der Bevölkerung, wo in den letzten Jahren Keller vollgelaufen sind, werden integriert. Auf Basis der Karte könnten dann bauliche Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Für den Fall, dass es mal wieder stärker regnet als an diesem Abend. 

Max Söllner

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