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Fränkische Grüne fordern Badetag nur für Transgender

Partei sieht in Einrichtungen "enormes Diskriminierungs- und Exklusionsrisiko" - 07.07.2020 19:50 Uhr

Erst vor wenigen Wochen starteten Nürnbergs Freibädern wegen der Corona-Pandemie in die Saison.

© Michael Matejka


Mann und Frau. 2020 ist das sogenannte binäre Geschlechtsmodell noch tief in unserer Gesellschaft verankert. Der Gesetzgeber hat bereits 2018 mit dem dritten Geschlecht eine dritte Option geschaffen. Doch im Alltag stoßen divers- und transgeschlechtliche Menschen häufig an Grenzen. Gerade im Sport, argumentieren die Grünen in Nürnberg, Fürth und Erlangen jetzt, gebe es erhebliche Probleme. Der Nürnberger Stadtrat Uwe Scherzer spricht von einem "enormen Diskriminierungs- und Exklusionsrisiko". 

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Die Grünen haben jetzt einen Ort ausfindig gemacht, an dem die Diskriminierung besonders akut sei: das Schwimmbad. Gerade dort seien die Umkleiden und Toiletten strikt nach Mann und Frau getrennt - und genau das sorge bei Trans- und Intergender für Angst. 

Grüne haben bereits einen konkreten Termin

"Ausgewiesene Bademöglichkeiten speziell für trans*- oder intergeschlechtliche Menschen sucht man auch in der Metropolregion Nürnberg bisher vergebens", heißt es in einer Pressemitteilung. Das gelte konkret für die Einrichtungen in Nürnberg, Fürth und Erlangen - und genau hier setzen sich die Grünen für einen Tag ein, an dem die Bäder für den Rest der Bevölkerung geschlossen bleiben. 

"Wir wollen damit auf die gesellschaftliche Ausgrenzung der Betroffenen aufmerksam machen", sagt etwa Carla Ober, die für die Partei im Erlanger Stadtrat sitzt. Als konkreten Termin nennen die Grünen den 31. März 2021, den "Transgender Day of Visibility". Bei einem einzigen Tag, heißt es in einer Pressemittelung, solle es aber nicht unbedingt bleiben. "Bei entsprechender Nachfrage können sich die Grünen gut ein regelmäßiges Angebot vorstellen."

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Vorbild, so die Partei, sei die Stadt Köln. Dort bietet das Genoveva-Bad am jeweils vierten Freitag im Monat ein sogenanntes "Trans-Inter-Schwimmen" an. Zutritt bekommen alle Menschen, "die sich selbst als trans* und/oder inter* verorten sowie alle nichtbinären, genderqueeren, transsexuellen Menschen, die sich nicht als trans* bezeichnen, alle Menschen, die sich ihres Geschlechts unsicher sind und jene, die keine Lust auf Geschlechterschubladen haben", heißt es auf der Homepage. 


Was ist eigentlich Transgender? Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes beschreibt es so: ""Trans* ist ein Oberbegriff, der verschiedene Menschen bezeichnet, die sich nicht beziehungsweise nicht nur mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren. Dazu zählen beispielsweise auch Menschen, die geschlechtsangleichende Behandlungen anstreben. Trans* Menschen sind beispielsweise Mann-zu-Frau Transsexuelle oder Frau-zu-Mann Transsexuelle, aber auch Menschen, die sich geschlechtlich nicht verorten lassen (möchten). Das Sternchen in der Bezeichnung soll Raum für verschiedene Geschlechter und Identitäten lassen, wie beispielsweise transsexuell, trans* Mann, trans* Frau, transident, Transgender,…" Mehr dazu lesen Sie hier. 

tl

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