Donnerstag, 19.09.2019

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Wwoofing in Waischenfeld: Welt zu Gast auf eigenem Hof

Aus Naturverbundenheit entwickelte sich trendiger Tourismuszweig - 19.08.2019 19:00 Uhr

Das freiwillige Arbeiten auf Ökohöfen wird in der Fränkischen Schweiz immer beliebter. Weitverbreitet ist der Trend der „World Wide Opportunities on Organic Farms“, kurz „Wwoofing“ in Neuseeland und Australien. Auf ihrem Natur-Permakultur-Erlebnishof Pantherra in Waischenfeld bietet auch Anke Kurr-Brosig „Wwoofing“ an, also Arbeit auf dem Hof gegen Kost und Logis. © Foto: Annika Falk-Claußen


Wer zum Backpacking nach Neuseeland oder Australien geht, macht gerne mal einige Wochen Station auf einem Biohof, hilft bei der Weinernte oder in einem Pferdebetrieb.

Anke Kurr-Brosig hat einen kleinen Nebenerwerbshof mit 3,4 Hektar Weide in Waischenfeld und hatte vor einigen Jahren die Idee, dass sie sich bei der Arbeit mit Ziegen, Schafen, Hühnern und Gänsen Unterstützung holen könnte. "Ich habe eine Ausbildung zur Natur- und Landschaftspflegerin gemacht und da haben mir andere vom "Wwoofing" erzählt", sagt die 56-Jährige, die in ihrer Ausbildung Stationen bei einer Ziegenwirtin und einen Kurs in Schaf- und Ziegenhaltung gemacht hat.

Vor zweieinhalb Jahren hat sie einen alten Bauernhof in Nankendorf gepachtet, der zuvor anderthalb Jahre leer stand. Im Stall, in dem früher Schweine und Kühe standen, überwintern jetzt ihre 22 Ziegen und drei Schafe. Von Mai bis Oktober beweidet Anke Kurr-Brosig mit ihren Ziegen das Gebiet rund um den "Steinernen Beutel". "Die Ziegen verbeißen Schlehen und Brombeeren, so dass die Büsche nicht hoch wachsen", erklärt die gelernte Gärtnerin die Landschaftspflege.

Im Zelt oder in der Hängematte

Nicht nur bei der Arbeit mit den Tieren, auch bei Aufgaben wie Hochbeete oder Holz-Unterstand bauen und Zäune aufstellen, helfen ihr die "Wwoofer", die für Kost und Logis arbeiten. "Anfangs hatte ich für drei Tage Leute da, jetzt habe ich als Minimum zehn Tage festgelegt, weil man sie erst mal einarbeiten muss", sagt die Waischenfelderin, bei der manche Gäste schon mal drei Monate bleiben. Geschlafen wird im alten Bauernhaus, im Zelt, Wohnmobil oder in der Hängematte.

Die Natur- und Wildnispädagogin schätzt den Informationsaustausch mit ihren Gästen, die meistens ökologisch fortgebildet sind. "Man lernt immer dazu, es waren schon Künstler da, Akademiker, Lehrer, Studenten, Tänzer und Lebenskünstler", so Anke Kurr-Brosig, die sich besonders an das Philosophieren mit einem 21-jährigen Franzosen auf Englisch erinnert. Begegnungen, die man nicht mehr vergisst.

Die Gäste entscheiden sich für diese Art des Aufenthalts, da sie Land und Leute anders kennen lernen wollen, aber auch die ökologische Lebensweise und den Kontakt zu Tieren lieben. Mehrere Franzosen, Finninnen und "Wwoofer" aus dem ganzen Bundesgebiet hat sie bereits auf ihrem Natur-Erlebnis-Ziegenhof Pantherra begrüßt.

Naturstein-Backofen geplant

"Ich gucke immer, welches Wissen die einzelnen Leute mitbringen, wie selbstständig sie sind und welche Aufgaben anfallen." Kein Tag sei wie der andere.

Eines ihrer nächsten Projekte: der Bau eines mobilen Hühnerstalls und Lehm-Backofens mit Naturstein, in dem sie Brot backen möchte. Neue "Wwoofer" haben sich für die nächste Zeit angemeldet. So richtig planbar sei der Einsatz aber nicht, jeder bringe nämlich andere Talente mit.

Wwoof ist ein weltweites Netzwerk, das von der Idee getragen wird, Menschen zusammenzubringen, die einen naturverbundenen Lebensstil auf dem Land führen – oder aktiv kennenlernen wollen. Sue Coppard hat die Bewegung in den 70er Jahren in Großbritannien gegründet.

Um herauszufinden, wie man seine eigenen Lebensmittel herstellt, was es bedeutet, von einer kleinen Landwirtschaft zu leben oder um die Selbstversorgung als Lebensstil auszuprobieren, besuchen "Wwoofer" ökologische Bauern- und Selbstversorgerhöfe, wo sie in den Alltag der Familie oder Hofgemeinschaft integriert werden. In Deutschland gibt es insgesamt mehr als 500 angemeldete Höfe.

InfoWeitere Infos unter www.wwoof.de 

ANNIKA FALK-CLAUSSEN

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