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Donnerstag, 20.02.2020

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Weniger Regen: Woher kommt das Wasser für Forchheim?

Stadtwerke Forchheim suchen Kooperationspartner - 27.01.2020 06:00 Uhr

Immer ausreichend Trinkwasser zu haben, in stets guter Qualität, ist ein Privileg. Das wird einem aber oft erst bewusst, wenn es in Gefahr gerät. Die zunehmende Trockenheit infolge abnehmender Niederschläge, vor allem in Nordbayern, stellt auch die lokalen und regionalen Wasserversorger vor die Frage, wie sie die bisherige Versorgungssicherheit noch aufrecht erhalten können. Vielleicht durch Verbünde? © Foto: colourbox.de


Dahinter steht die Überlegung: Was passiert mit der lokalen Trinkwasserversorgung in Zeiten von immer weniger Niederschlägen? Wie sicher liefern die 50 Wasserversorgungsanlagen zwischen Haid und Wüstenstein, zwischen Drügendorf und Dormitz das kostbare Lebensmittel?

Im August 2019 berichteten wir erstmals über das Thema. Damals zeigten gleich die Stadtwerke Ebermannstadt und der Wasserzweckverband der Eggolsheimer Gruppe dem Nachbarn die kalte Schulter: kein Interesse, wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, wir brauchen keinen wie auch immer gearteten Anschluss an Forchheim.

Doch Christian Sponsel lässt sich nicht so leicht abschütteln: "Wir haben 23 Wasserzweckverbände angeschrieben, von 19 kamen Rückmeldungen, aber nur drei Absagen – das finde ich eigentlich gar nicht so schlecht." Seit September tourt der Stadtwerke-Chef durch Gemeinderäte und Zweckverbände und erläutert, worum es ihm geht. Zunächst nämlich darum, eine Art Bestandsaufnahme der regionalen und lokalen Wasserversorgung zu machen. Dafür möchte er eine Studie erstellen lassen, für die es Fördergeld gibt.

Alles auf den Prüfstand

Sponsel: "Dabei muss jedes Thema rund um die Wassergewinnung auf den Prüfstand: die Brunnen, die Quellen, wie viel wurde in den letzten Jahren gemessen, nimmt die Tendenz ab oder zu, wie sehen die Notfallkonzepte im Falle des Versiegens aus? Wenn ich nur einen Brunnen habe und der ist defekt – was ist der Plan B? Welche Aufbaukoordination habe ich, welche Wasserrechtsbescheide liegen vor, müssen sie bald erneuert werden? Wie sieht die Rohrbruchstatistik aus und führe ich überhaupt eine?" Sponsel könnte aus dem Stand wahrscheinlich noch 20 Kriterien aufzählen, die Gegenstand einer Studie sein könnten.

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Über allem steht als Überschrift der Punkt "Versorgungssicherheit". Das betrifft nicht zuletzt Forchheim selbst. Zwar bietet das Wasserschutzgebiet Zweng für die Stadt auf absehbare Zeit genug Trinkwasser. Aber: Ein einziger Zwischenfall reicht, eine Verunreinigung oder ein größerer technischer Defekt, und Forchheim sitzt auf dem Trockenen. Denn die Zweng ist das einzige Wassergewinnungsgebiet der Stadt.

Auch deswegen spielt das Thema Verbundlösung mit den Nachbargemeinden sowie der Gemeinden und Zweckverbände untereinander eine Rolle: "Wir sind zurzeit mit Pinzberg und der Ehrenbürggruppe am Verhandeln, haben ihnen ein Angebot vorgelegt", so Sponsel.

Die lokalen Wasserversorger sollen zwar "aus unserer Sicht kleinstrukturiert und überlebensfähig bleiben". Trotzdem soll mit der Studie, die den Ist-Zustand abbilden würde und Vorschläge für sinnvolle Kooperationen und Modernisierungen machen könnte, ein Schritt in Richtung einer gemeinsamen Zukunft gemacht werden. Die Förderung beträgt 50 000 Euro. Momentan, so Sponsel, versucht er in Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt, das ihn unterstützt, herauszufinden, ob der Landkreis in mehrere Fördergebiete aufgeteilt werden könnte. So kämen mehr Teile des Kreises in den Genuss der Fördersumme. Zweites, kniffliges Thema: Wie können Vorleistungen der einzelnen Versorger "eingepreist" werden, ohne die Förderung zu gefährden?

Bitte um einen Beschluss

Einige Gemeinderäte und Zweckverbände zeigten sich auf Sponsels Tour interessiert, wollten aber noch keine Zusage für finanzielle Beteiligungen abgeben. Deswegen wollen die Stadtwerke nun "bis zum Sommer" in Zusammenarbeit mit Ingenieurbüros für die möglichen Kooperationspartner ein Konzept erstellen, inklusive Circa-Kosten. Im Herbst will es Christian Sponsel dann bei einer Bürgermeister-Klausur vorstellen, "mit der Bitte um einen Beschluss".

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Beim Thema eigene Trinkwasserversorgung ist ein sensibles Vorgehen nötig. Kaum ein anderes Lebensmittel ist geeigneter, Gefühle auszulösen. Deswegen sagt Christian Sponsel, er dürfe zu dem Thema gerne mit den Worten "vorsichtig optimistisch" zitiert werden. Momentan investieren die Forchheimer Stadtwerke in den Bau eines neuen Wasserwerks im Schutzgebiet Zweng.

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