Sonntag, 20.10.2019

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Rodungen in Franken: Anzeige wegen gefällter Obstbäume

Landesbund für Vogelschutz beklagt die Gefährdung hochbedrohter Arten - 13.05.2019 17:18 Uhr

Rodungen in der Fränkischen Schweiz

So hat sich ein Apfelbaumfeld am Walberla verändert.

© LBV

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Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) hat bei der Staatsanwaltschaft Bamberg Strafanzeige gegen Unbekannt wegen "illegaler Obstbaumfällungen" gestellt. Das steht im Zusammenhang mit dem Volksbegehren "Rettet die Bienen!". Wie berichtet, sieht das Begehren vor, extensiv genutzte Streubostbestände unter den Schutz als Biotop zu stellen.

Landwirte befürchten strengere Auflagen und in Folge einen Wertverlust ihrer Grundstücke. Der LBV spricht von "erschreckenden Rodungen einiger weniger Landwirte in der Fränkischen Schweiz". Einige tausend Obstbäume seien illegal während der Brutzeit gefällt worden, so der LBV. Es handle sich dabei um eine "mutwillige Zerstörung wertvoller Biotope".

Politik soll aufklären

LBV-Vorsitzender Norbert Schäffer fordert den Bayerischen Bauernverband auf, "sofort alle seine Mitglieder anzuweisen, jegliche Obstbaumfällungen in der Brutzeit zu unterlassen". Der LBV kritisiert auch den oberfränkischen Bauernverband (BBV)-Bezirkspräsidenten Hermann Greif und fordert ihn wie die Politik auf, für Aufklärung zu sorgen.

Die Nutzung und Pflege der Streuobstwiesen werde im Gesetzentwurf des Volksbegehrens ausdrücklich gewünscht und sei weiterhin zulässig. Die Ausgangslage, an der der BBV am Runden Tisch in München mitgearbeitet habe, sei völlig klar. "Somit ist es auch die Verantwortung des BBV, seine Mitglieder richtig zu informieren", so Schäffer.

Hochbedrohte Tierarten in Gefahr

Doch den Rodungen fallen nicht nur die Bäume selbst und die Bienen zum Opfer: In den vergangenen Jahrzehnten ist laut LBV in Bayern der größte Teil der Streuobstwiesen verloren gegangen. Gründe dafür warem meist der Bau von Wohn- und Gewerbegebieten oder eine intensivere landwirtschaftliche Nutzung, wie die Überführung von Äckern.

Nach einer aktuellen Hochrechnung der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) stehen derzeit nur noch geschätzte 5,6 Millionen Streuobstbäume in Bayern. 1965 waren es zum Vergleich noch rund 20 Millionen.

Streuobstwiesen sind der Lebensraum von über 5000 Pflanzen- und Tierarten, darunter auch einiger hochbedrohten Vögel. So leben der Wiedehopf, Wendehals und Steinkauz dort. Sie zählen damit zu den artenreichsten Lebensräumen Europas, die durch die Rodungen nun immer mehr verschwinden und die ohnehin schon gefährdeten Tiere noch mehr bedrohen.

Was sind Streuobstwiesen?

Eine Streuobstwiese kennzeichnet sich laut Experten durch verstreut stehende hochstämmige Obstbäume mit einem Kronenansatz ab 1,5 bis 1,8 Metern, die auf Wiesen, Weiden oder Mähweiden stehen. Vor Jahrzehnten prägten Streuobstäcker das hiesige Landschaftsbild. Den Acker unter den Obstbäumen hatten Landwirte bewirtschaftet.

Bei extensiv genutzten Streuobstbeständen verzichtet der Landwirt weitestgehend auf Pestizide, mäht weniger häufig und bietet Insekten so einen Nahrungs- und Lebensraum.

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pas, mch

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