29°

Mittwoch, 19.06.2019

|

Katharinenspital: Der Schlüssel zum Erfolg?

Politik, Verwaltung, Geistlichkeit und Stadtrat haben das neue Katharinenspital offiziell in Betrieb genommen. - 19.05.2019 10:00 Uhr

Oberbürgermeister Uwe Kirschstein erhält aus der Hand von Architekt Thomas Krügel (re.) den symbolischen Schlüssel zum Katharinenspital überreicht. © Foto: Roland Huber


Schließlich fiel die Entscheidung für Abriss und Neubau. Ein Schritt, der in Forchheims Öffentlichkeit für starke Unruhe sorgte. Denn das Katharinenspital der Vereinigten Pfründnerstiftungen, so sagte Pfarrer Enno Weidt bei der Segnung, ist nicht irgendein Altenheim an irgendeinem Ort: "Es ist ein traditionsreicher Standort im Zentrum der Stadt, wo die ältere Generation auch hingehört." Die "Sehnsucht nach einem Zuhause", ergänzte Dekan Martin Emge von der katholischen Seite, sei im Menschen "tief verwurzelt".

"Der Mensch war hier wichtig"

Bilderstrecke zum Thema

Das Forchheimer Katharinenspital im Wandel der Zeit

Das altehrwürdige Forchheimer Katharinenspital hat schon viel erlebt. Die Bilder des Werdegangs der Gebäudeanlage im Wandel der Zeit.


Ob sich die Bewohner hier auch wirklich "beheimaten" könnten? "Daheim sein braucht Zeit — und noch ein bisschen mehr." Daher betete Emge mit allen Honoratioren aus Stadtverwaltung, Stiftung, Firmen, Rotem Kreuz und Stadtrat dafür, dass "der Geist Gottes" mit einziehen möge. Ein Geist, sagte Emge, der für Achtsamkeit, Rücksichtnahme, Miteinander stehe, "wie ich ihn aus dem früheren Katharinenspital noch kenne, wo der Mensch sich noch wohlfühlen durfte, weil er hier wichtig war".

Bilderstrecke zum Thema

Menschliche Skelette am Katharinenspital werden ausgegraben

Vom wohl berühmtesten Archäologen der (Film)-Welt, Indiana Jones, stammt der Satz: "Um ein guter Archäologe zu werden, müssen Sie raus aus der Bibliothek." Dieser praktische Pragmatismus gilt derzeit auch in der Baugrube an der Bamberger Straße - wo ein Jahrhunderte alter Friedhof zu Tage gefördert wird.


Ein Kreuz an der Wand suchte Emge vergeblich, daher versprach er, eins mitzubringen, "als Geschenk der Pfarrei St. Martin". Von 55 Wohnungen mit einem bis drei Zimmern sind laut Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) "60 Prozent vermietet, weitere 25 Prozent reserviert, täglich finden Besichtigungen mit Interessenten statt". Weil Abriss und Neubau so teuer wurden, muss sich die Stiftung über den Mietpreis refinanzieren. Und der liegt zwischen 9,96 und 14,84 Euro Kaltmiete für den Quadratmeter, ein stolzer Preis. In Härtefällen kann ein Mietzuschuss gewährt werden.

Die Wohnungen sind zwischen 31 und 81 Quadratmeter groß und komplett barrierefrei. Diesen Punkt hob Kirschstein besonders hervor. Unlängst habe er einer Bewohnerin zum 90. Geburtstag gratuliert und sei von ihr für das schöne Haus geradezu mit Lob überschüttet worden.

Das hätte sicher auch sein Vorgänger Franz Stumpf (CSU) gerne gehört, der vor kurzem verstorben ist. Er hatte die Neubaupläne und die neue Konzeption (Wohnungen mit angeschlossener Pflegestation statt klassisches Altenheim) maßgeblich vorangetrieben und sich in der Öffentlichkeit dafür sehr stark kritisieren lassen müssen. Laut Architekt Krügel war in der Planungsphase sogar darüber nachgedacht worden, das alte Spital in mehreren Abschnitten zu sanieren und die Bewohner interimsweise in Containern unterzubringen an verschiedenen Standorten, "über die Stadt verteilt". Wie brisant die Situation für Stadt und Stiftung tatsächlich war, rief Krügel auch noch einmal in Erinnerung. Jahrelang hatte die staatliche Heimaufsicht gerügt, dass das Spital nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen entsprach, jahrelang hielt die Stadt die Aufseher hin: "Es drohte die Gefahr der Zwangsschließung." Statt dessen ist jetzt nach fünf Jahren ein modernes Haus mit einem modernen Konzept eingeweiht worden. Das allerdings nichts mehr mit der Pflege von Bedürftigen zu tun hat. 

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Forchheim