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In Niedermirsberg expandieren "Die Beerenbauern"

Mehr Platz für Marmelade: bis Weihnachten soll die Maschinerie laufen - 24.04.2019 06:30 Uhr

Angefangen haben Tom und Birgit Bertelshofer einst in einen 50 Quadratmeter großen Gartenhaus mit ihrer Marmeladen-Produktion. Mit dem aktuell geplanten Anbau wird die Küche auf 300 Quadratmeter erweitert, die gesamte Betriebsfläche wächst auf 2000 Quadratmeter. © Marquard Och


Kürzlich haben Birgit und Thomas Bertelshofer und der gleichberechtigte Mitgeschäftsführer Christian Batz mit den Stadtwerken Ebermannstadt einen 25 Jahre Liefervertrag für Erdgas aus der Pipeline abgeschlossen.

Eben im Büro Platz genommen, meldet ein Mitarbeiter den Ausfall eines Geräts in der Produktionskette – schon wieder das Gleiche; immer wenn es um Technik geht ist Thomas, genannt Tom, gefragt – der gelernte Maschinenbauingenieur aus Mantel in der Oberpfalz, der – berufen zum Bauern – den Job bei Schaeffler in Herzogenaurach nach 17 Jahren aufgegeben hat.

Die Aufgabenteilung ist somit klar: Christian Batz ist für die Verwaltung der Finanzen und das Controlling zuständig. Birgit Bertelshofer obliegt die Personal- und Produktionsplanung sowie die Auslieferung der Fruchtaufstriche. 1996 war die gebürtige Weidenerin noch als OP-Schwester in Herzogenaurach tätig – nebenbei kochte sie in der eigenen Küche die ersten Marmeladen ein – als 27-Jährige nahm die Bäuerin aus Leidenschaft in Triesdorf das Landwirtschaftsstudium auf.

"Köcheln" ab 2004

Ab 2004 „köchelten“ die Erdbeeren, Himbeeren und Johannisbeeren aus eigenem Anbau im 50 Quadratmeter Gartenhaus, 2012 entstand das Betriebsgebäude im Wiesengrund, das im Jahr 2015 erweitert wurde. Mit dem aktuell geplanten Anbau wird die Produktionsküche auf 300 Quadratmeter erweitert – die gesamte Betriebsfläche wächst dann auf 2000 Quadratmeter.

Größter „Energiefresser“ ist der Dampferzeuger; die augenblickliche Kochleistung von 150 Kilogramm Dampf pro Stunde steigt mit der neuen Anlage auf 400 Kilo.

Gründe, sich den Stadtwerken als Energielieferant zuzuwenden waren für die Beerenbauern, Kontinuität in die Belieferung zu bringen – bei saisonal unterschiedlichem Verbrauch nicht die rechtzeitige Bestellung von Flüssiggas zu verpassen – „außerdem ist es unsere Einstellung, möglichst regenerativ zu arbeiten, zumindest einen leichteren Zugang zur Energiequelle zu erhalten“, begründete Tom den für 25 Jahre abgeschlossenen Kontrakt.

Auch habe Stadtwerkeleiter Jürgen Fiedler mit der Übername eines Teils der Erschließungskosten Entgegenkommen gezeigt; mit der Verlegung der Gasleitung im Oktober bestehen bei der Versorgungsgesellschaft gute Aussichten, in Rüssenbach und Niedermirsberg weitere Anschlussnehmer zu finden.

Den Eigenanbau haben die Bertelshofers nahezu aufgegeben – der Bestand von Quittenbäumen auf einem Hektar und die Streuobstwiese dienen nicht mehr dem Erwerbsanbau. Vielmehr sieht Tom darin sein Steckenpferd, „dass ich noch a weng Bulldog fahr'n darf“.

Für die mittlerweile benötigten Rohstoffmengen gibt es in der Region keine Lieferanten – zumindest keine, die die beanspruchten „Demeter“-Regeln garantieren. Somit kommen die Mandarinen, Bitterorangen und Zitronen aus Sizilien. Beeren, Zwetschgen, Äpfel, Quitten, Mango und Rhabarber von zertifizierten Kleinbauern aus Indien; „alle Lieferanten sind uns aus jährlichen Familientreffen bekannt. Der persönliche Kontakt ist uns wichtig“, unterstreicht Birgit Bertelshofer, die von der Produktpalette sagt: „Der Renner an 365 Tagen im Jahr sind die Erdbeermarmeladen.“ Der Großteil der Beeren stammt aus der Türkei. „Wir handeln mit den Erzeugern nicht um ein ,Fufzgerla’, wenn die Ernte schlecht ausgefallen ist“, sagt Bertelshofer. Gegen Einflüsse von „Fremdstoffen“ sind die Waren bis zum Auspacken aus den Folien und Kartons geschützt.

In die Fruchtaufstriche könnten Pestizide aus der benachbarten Kirschbaumplantage gelangen, um diese Haftungsfrage geht es innerhalb des Bebauungsplanverfahrens vom Nachbarn vor dem Verwaltungsgericht München angestrengten Prozesses; zum Ausgang des Urteils sind Birgit und Tom Bertelshofer guter Dinge: Der Anlieger trägt die Beweislast, dass seine Spritzmittel den Produkten nicht schaden.

Ohnehin ist jedes Tagesergebnis einer „Abschmeckung“ von Birgit und Tom unterworfen, „da kann es vorkommen, dass eine ganze Charge – das sind 1000 Stück 200 Gramm Gläser – nicht in den Handel gelangt, weil sie unseren Qualitätsansprüchen nicht entspricht“, machen die Bertelshofer deutlich: „Wir sind nicht allein auf der Welt, wir tragen die Verantwortung für eine saubere Produktion.“ Zehn Festangestellte plus Azubi arbeiten in dem Betrieb, gearbeitet wird im Zwei-Schicht-Betrieb – für Reparatur und Wartung bleibt das Wochenende.

Toms Plan ist es, sich an den Weihnachtstagen „wegzusperren“, um die neue Maschinerie zum Laufen zu bringen. Ob dann noch Zeit für ein Hobby bleibt? In früheren Jahren war kein Fels in der Fränkischen vor den begeisterten Kletterern sicher – jetzt ist das Paar jede freie Stunde mit den Mountainbikes unterwegs.

Marquard Och

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