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Hallerndorf: In der Sanierung steckt Potenzial

Festplatz, Mehrgenerationenhaus und ein Jugendraum - Hallerndorfer diskutierten - 01.07.2019 14:00 Uhr

Auf den Tischen der Bürgerwerkstatt war für jeden Ortsteil von Hallerndorf ein eigener Plan aufgelegt. Diesmal waren viele Bürgerinnen und Bürger gekommen, die auch intensiv diskutierten. © Foto: Sylvia Hubele


Die Sanierungsgebiete der Städtebauförderung werden in der Regel mit den alten Ortskernen übereinstimmen, erklärte Thomas Wirth vom Landschaftsplanungsbüro arc.grün aus Kitzingen, welches das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) in Hallerndorf begleitet. Das hat für die Haus- und Grundbesitzer Folgen: Ist das Gebiet im Rahmen des ISEK festgelegt, hat die Gemeinde bei einem Verkauf das Vorkaufsrecht.

Bürgermeister Torsten Gunselmann entschärfte die zugleich aufkommenden Bedenken der Bürgerinnen und Bürger, die sich an diesem Samstag zahlreich an der Bürgerwerkstatt in der Sporthalle der Grund- und Mittelschule beteiligten: "Die Gemeinde ist kein Immobilienmakler", das Vorkaufsrecht werde nur dann in Anspruch genommen, wenn es der Allgemeinheit dient. Damit könnten Leerstandsvererbungen verhindert werden, erklärte Wirth und bat die Anwesenden gleichzeitig darum, erst den Beginn des ISEK-Verfahrens abzuwarten, bevor sie mit Gebäudesanierungen beginnen.

Fördermöglichkeiten bestehen im Rahmen des ISEK nicht nur für gemeindliche Liegenschaften und Ortsgestaltungen, sondern auch für private Wohn-, Betriebs- und Nebengebäude, erläuterte der Landschaftsarchitekt. Ziel ist es, typische Gebäude und Ansichten in den Ortskernen zu erhalten. Die Gemeinde selbst könne den Privatleuten zwar mit einem Zuschuss bei der Sanierung helfen, doch der Großteil der Förderung geschieht durch die steuerliche Abschreibung, ist sich Wirth sicher: "Wer baut, zahlt auch Steuern".

Er empfiehlt in jedem Fall eine steuerliche Beratung, da sich die konkreten Regelungen relativ schnell ändern. Da die Steuerersparnis allerdings nur innerhalb des Sanierungsgebietes gewährt wird, muss das in einem ordentlichen Verwaltungsakt festgelegt und entsprechend ausgewiesen werden, erläuterte er den weiteren Ablauf des Verfahrens. Da bei der konkreten Förderung vieles vom jeweiligen Einzelfall abhängt, wies der Landschaftsarchitekt auf die kostenfreie Sanierungsberatung der Allianz Regnitz-Aisch, aber auch auf andere Möglichkeiten der Beratung hin. Die entsprechend gültigen Regelungen werden noch in einem Infoblatt bekanntgegeben, versicherte Wirth.

Anschließend sammelten sich die Bewohner der einzelnen Ortsteile an den jeweiligen Tischen, auf denen die Pläne für ihren Ort bereit lagen. Sie diskutierten emsig, brachten ihre Ideen und Vorschläge aufs Papier und stellten sie anschließend vor:

In Schlammersdorf wünschen sie sich eine Bank im Ort, damit der öffentliche Raum mehr Aufenthalts- und Ruhemöglichkeiten bekäme. Sie waren sich einig, dass die Ministranten aus Schlammersdorf und Trailsdorf einen neuen Jugendraum brauchen und überlegten, ob sich ein solcher am Sportplatz verwirklichen ließe.

In Trailsdorf wäre ein zentraler Orts- und Festplatz schön, ebenso ein Bürgerraum im noch zu sanierenden alten Schulhaus.

In Willersdorf sollte trotz der Innenentwicklung auch ein neues Baugebiet ausgewiesen werden, wünschten sich die Bürger. Auch wenn es innerorts viele brachliegende Grundstücke gibt, werden sie nicht verkauft. Wer bauen wolle, müsste sonst wegziehen. Um die Parksituation am Gasthaus zu entschärfen, sollte der bereits vorhandene Platz am Ortsrand genutzt werden. "Das muss besser ausgeschildert werden", ist sich Wirth sicher, dass dieser von den Gästen dann leichter akzeptiert wird.

Für Hallerndorf wünschten sich die Bürger zwar ein Mehrgenerationenhaus, das aber "kein hässlicher Zweckbau" werden dürfe. Der Ortskern solle vom Verkehr entlastet werden und vielleicht könnten einige Plätze auch entsiegelt werden. Besonders die ortsbildprägenden Bäume wie die Linde am Rathaus müssten unbedingt erhalten bleiben.

Grundsätzlich richtet sich ein ISEK nach dem Willen der Bürger, betonte Wirth und bedankte sich für die vielen Ideen und Anregungen. Damit die Mitglieder des Gemeinderates genügend Zeit haben, um ausgiebig über jeden Ortsteil zu debattieren, schlug Bürgermeister Torsten Gunselmann eine Sondersitzung, besser noch eine Klausurtagung vor. Die Zusammenfassung wird den Bürgern dann später über eine Informationsveranstaltung bekannt gegeben, in der sie weitere eigene Ideen einbringen können. Erst daraus wird dann das Gesamtpaket des ISEK geschnürt. 

Hallerndorf. VON SYLVIA HUBELE

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