11°

Mittwoch, 16.10.2019

|

Gräfenberg: Sammler aus ganz Europa beim Steinklopfertag

Im Endress-Steinbruch auf der Suche nach versteinerten Tierchen - 19.05.2019 19:50 Uhr

Bunte Punkte in einem Meer aus Stein: Zahlreiche Fossiliensammler aus ganz Deutschland und sogar von weiterher kamen zum Steinklopfertag in den Steinbruch von Wolfgang Endress in Gräfenberg — und alle durften mit einigen Fundstücken wieder nach Hause fahren. © Petra Malbrich


Senkrechte Felswände, grünes Wasser, dazwischen ein paar sattgrüne Bäume. Hinter diesem imposanten Landschaftsbild verbirgt sich die Faszination der Ammoniten. Überall auf den Steinhügeln klettern Frauen, Männer und auch Kinder herum, suchen mit Hammer, Schaufel und Meißel nach den versteinerten Tierchen. Es ist ein Paradies für Sammler. "Hier hat sich eine richtige Sammlerszene etabliert", weiß Betriebsleiter Edmund Albert. Er selbst sammelt nicht, findet es aber beeindruckend. "Man kann sich nicht vorstellen, dass das Gestein früher lebendige Wesen waren", meint er.

Von diesen Tierchen sind viele angetan. Zum Beispiel Jens Schaller und sein Vater Wilfried aus Oberursel im Taunus. Sie sind schon fündig geworden. "Hier ist ein Fossiliengebiet. Die versteinerten Tierchen findet man hier besonders gut", meint Wilfried und holt einen kleinen Stein aus der Tasche. Die Form ähnelt einer Schnecke. Einen Tintenfisch nennt es Wilfried und zeigt, wo der Ammonit verletzt war und wo es mit den Fühlern weiter gegangen wäre, wenn sie noch sichtbar wären. Das Tierchen zählt zu den Ammoniten, einer ausgestorbenen Teilgruppe der Kopffüßer.

Nur wenige gewähren Eintritt

Neben den beiden Männern wird italienisch gesprochen. Wilfried weiß, dass auch Sammler aus dem Tessin und aus Osterreich da sind. Den Kennzeichen auf dem Parkplatz nach kamen die Ammonitensammler auch aus den Niederlanden, aus Berlin und aus vielen anderen Regionen Europas.

Für die Sammler wird es immer schwerer. Die Steinbrüche verwehren den Eintritt. Vor wenigen Tagen auch der Drügendorfer Steinbruch. Umso mehr danken sie Wolfgang Endress, dass er diese Steinklopfertage zwei Mal im Jahr ermöglicht.

Doch wenn es auch in anderen Steinbrüchen viele interessante Steine geben würde, so ist für den Gräfenberger Steinbruch vor allem eins besonders: Die Farbe grün auf den Ammoniten. Diese grüngefärbten Versteinerungen gibt es nur in Gräfenberg. Während des Versteinerungsprozesses gelangten wohl Spurenelemente hinein. Grün bedeutet Eisen.

Das besondere an den Fundstücken aus dem Gräfenberger Steinbruch ist die grüne Färbung, die es nur hier gibt.


Während die Männer ihre Funde im Rucksack verstauen, wird immer wieder geklopft. Irgendwo liegt ein großer Stein, auf dem der Umriss eines Ammoniten zu sehen ist. "Es ist das Negativ", erklärt Wilfried. Die meisten Sammler seien an dem Positiv, an dem Tierchen selbst, interessiert. Irgendjemand werde das Negativ schon nehmen, ein Kind freue sich sicherlich.

Die vielen Menschen fallen in dem riesigen Gelände nicht auf. Das Wetter passt, Sonnenschirme sind aufgespannt, manche ruhen sich dort ein paar Minuten aus. Die Kinder ziehen eine Brotzeit aus der Tasche, auch Hunde laufen herum, auf dem großen Männerspielplatz, wie Herbert das frisch aufgeschüttete Paradies nennt.

Erst seit März sucht und sammelt Herbert aus Pommersfelden Ammoniten. Dafür umso intensiver. "Mich hat plötzlich das Fieber gepackt", erzählt er. Grund dafür war ein Besuch im Steinbruch im Altmühltal. "Danach habe ich recherchiert und festgestellt, ich habe das Paradies vor der Haustüre", erzählt er. Jens Schaller nickt. Er selbst sammelt sei 40 Jahren und kommt eigentlich aus dem Mineralienbereich. Schon als Kind war er mit seinem Vater unterwegs. Der Mineralienbereich jedoch sei gerade ein "absteigender Ast". Nun möchte er seine Tochter heranführen. Dazu brauche man ein Erfolgserlebnis, erklärt Jens. Bei den Ammoniten im Gräfenberger Steinbruch ist das garantiert.

Auch die kleine Fanni ist fündig geworden. Mit ihrem Papa ist sie hier unterwegs. Die Faszination dafür hat sie zu Hause entdeckt. "Wir bauen gerade ein Haus", erzählt Fannis Vater. Im dafür von Endress angelieferten Schotter war ein Schneckenabdruck zu sehen. Diese Abdrücke sucht Fanni nun vor Ort.

Auch Karla ist schon zum zweiten Mal hier. Mit ihrer Mutter Carola trägt sie ihr Handwerkszeug im Eimer durch den Steinbruch. Die Funde aus dem vergangenen Jahr hat sie als Dekosteine in ihrem Garten verteilt.

Eine Muschel ganz besonderer Art haben Paul, Sebastian und Ben gefunden. Er kam extra aus München angereist, als er von seinem Gräfenberger und Dachstädter Freunden vom Steinklopfertag erfahren hat. Zufrieden mit ihren Funden machen sich auch diese Kinder wieder auf dem Heimweg, während andere Sammler mit Wagen, Eimer und Werkzeug einen Blick über das Sammlerparadies werfen und sich eine gute Stelle zum Graben suchen.

PETRA MALBRICH

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Gräfenberg