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Gegen den Bierdurst: Brandenburger gründet "Fränkische Nothilfe"

Süffiger Service: Ex-Nürnberger versorgt Berlin mit Bier aus der alten Heimat - 13.08.2019 16:24 Uhr

Den Kofferraum voll Bier: Helmut Goepfert (auf dem Bierfass sitzend) versorgt die Berliner mit oberfränkischem Gerstensaft. © Petra Malbrich


Das ungewöhnliche an der Fränkischen Nothilfe ist der Sitz in Brandenburg. Dorthin hat Helmut Goepfert 1992 seinen Wohnsitz von Nürnberg aus verlegt. Der Liebe wegen. Und trotzdem hat etwas gefehlt. "Das fränkische Bier hat gefehlt. Es gibt in Berlin und dem Umland kein vernünftiges Bier", sagt Goepfert. Also ist er zunächst in regelmäßigen Abständen ins Auto gestiegen, zur Mutter in die fränkische Heimat gefahren, hat sämtliche Brauereien seiner Lieblingsbiere abgeklappert und seinen Kofferraum mit gut zwölf Kästen dieser fränkischen Landbiere vollgeschlichtet.

Vier Biere gehören zu seinen Favoriten. Das ist das Penning-Zeißler aus Hetzelsdorf. "Das hat einen sehr runden Geschmack", schwärmt Goepfert. Doch manchmal müsse man Bier wechseln. So zählen auch das Held-Bier aus Oberailsfeld, wenn es ein Helles sein soll oder das Lindenbräu aus Gräfenberg, da es sehr süffig ist, zu seinen Lieblingsbieren. Das Bier von der Brauerei Friedmann landet der Parität wegen in Goepferts Kofferraum und das Löwenbräu aus Buttenheim, wenn er ein herbes Bier möchte. Oder einer der anderen "Mitglieder", die sich inzwischen seiner Nothilfe angeschlossen haben.

Denn nachdem er einige Male den Kofferraum für den Eigengenuss gefüllt hatte, beschloss er, ein Inserat zu schalten. "Fränkische Nothilfe" oder die Website landbierberlin.de" leiten dann zu Helmut Goepfert weiter.

"Einige Leute haben sich gemeldet", erzählt Goepfert. So zählt der Kreis der fränkischen Bierliebhaber zehn Männer und ein kleines Café in Berlin. "Für sie nehme ich Fässer mit", sagt der gebürtige Nürnberger, der inzwischen pensioniert ist. Die "Mitglieder" der Bierinitiative haben zum Teil fränkische Wurzeln und wollen ein Stück Heimat haben oder es sind Einheimische, die in der Fränkischen Schweiz ihren Urlaub verbracht hatten und das Bier lieben lernten. Auch ein wenig Urlaubsflair holen sie so zu sich ins Haus.

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Wenn Helmut Göpfert nun in die Nürnberger Heimat fährt, dann immer mit einer Liste an Bieren. Einfach ist das jedoch nicht. "Wenn jeder Sonderwünsche hat, ist es schwer umsetzbar", erzählt Goepfert, der die Brauereien abklappert, die auf seinem Weg zurück nach Brandenburg liegen.

"Vor Jahren war ich bei der Löwenbräu in Buttenheim um Bier zu kaufen. Ich ging ins Büro und stellte mich als ,Fränkische Nothilfe’ vor. Was kam, war der Griff zum Geldbeutel um zu spenden", erzählt Goepfert, der den Mitarbeiterinnen dann erklärte, was der Zweck dieser "Fränkischen Nothilfe" sei und dass er kein Geld wolle, sondern einen guten Preis für das Bier.

In Brandenburg fuhr er die Bestellungen dann aus oder sie wurden bei ihm abgeholt. Das ist dem geselligen Franken zu wenig. Er wünscht sich, dass es ein richtiges Kennenlernen gibt. "Man stellt den Grill auf, legt ein paar Bratwürste drauf und trinkt ein Bier dazu — ein fränkisches Bier", erzählt Goepfert von seinen Zukunftsvisionen.

Und zu dieser gehört auch ein Ausbau der Nothilfe. Mit einem größeren Auto will Goepfert künftig fränkisches Bier holen, um mehr Brandenburger und Berliner von der Einmaligkeit der Braukunst zu überzeugen. Doch bevor er das umsetzt, wandert er mit Kollegen aus Saudi Arabien auf dem "Fünf-Seidla-Steig". 

Bier aus Franken gesucht: Quizrunde Nr. 2

© Montage: Sabine Schmid

Erkennen Sie fränkische Landbiere am Wappen? Machen Sie den Test!

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Frage 1/10:

Hier sitzt es sich gut. Ein Prost auf welche Brauerei?

Die Brauerei Schleicher ist in der Gemeinde Itzgrund daheim, eingebettet in eine Hügellandschaft, links und rechts des Flüsschens Itz, zwischen Bamberg und Coburg. 1880 von Andreas Schleicher gegründet, hat sich die Brauerei in den vergangenen Jahren auch einen Namen für Nachhaltigkeit und gesunde Ernährung gemacht und ist inzwischen Forschungsstelle für Malz und innovative Getränke. So gibt es beispielsweise auch ein glutenfreies Demeter-Bier im Sortiment, das Schleicher "Natural". Aber warum ein Storchen-Pils? Ganz einfach: Seit vielen Jahren lebt und nistet auf dem Dach der Brauerei ein Storchenpaar, das inzwischen weit über Itzgrund bekannt ist.

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Frage 2/10:

Ritter mit Flügeln: Wer braut denn den?

Die Brauerei Gradl befindet sich in Leups, nördlich von Pegnitz, im Naturpark Fränkische Schweiz/Veldensteiner Forst. Seit 1683 im Familienbesitz, wird hier vor allem das eher dunkle Leupser Bier nach altem Rezept gebraut. Ein Pils gibt es auch, im Mai und zu Weihnachten wird auch ein kräftiger Bock ausgeschenkt.

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Frage 3/10:

Tierisch gut: Wer steckt hinter diesem Verschluss?

Exakt im Jahr 1900 begannen Josef und Maria Reh in Lohndorf, im Ellertal östlich von Bamberg, eine Metzgerei und einen Flaschenbierhandel zu führen. Ein Jahr später bauten sie schon ein Brauhaus, das Bier lagerten sie in einem nahen Felsenkeller am Waldrand. Gut 120 Jahre später wird hier in der vierten Generation erfolgreich gebraut, mit Bergquellwasser aus dem Ellertal.

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Frage 4/10:

Ein Hauch von Afrika: Wer kennt's?

Keller, Lager, Vollbier, Pils: Die Buttenheimer Löwenbräu ist ein Familienunternehmen, das seit 1880 von einer Generation an die nächste weitergegeben wird.

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Frage 5/10:

Ein stolzes Wappen! Wer braut hier seit 1467?

In Zentbechhofen (Höchstadt) wird seit über 550 Jahren gebraut. Vollbier, Landbier, Kellerbier, Hell und Hefeweizen hat Braumeister Timo Baier im Angebot.

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Frage 6/10:

Was sprudelt vor dieser Wehrmauer?

Ein Bier aus Altmühlfranken: Die Brauerei Ritter St. Georg ist in Nennslingen daheim, wenige Kilometer östlich von Weißenburg. Hopfen und Malz stammen aus der Region, das Wasser aus den Tiefen des Jura und der Fränkischen Alb. 1654 gründete der Bierbrauer Georg Engelhardt die Brauerei, 1778 kaufte sie ein Johann Daniel Gloßner, seitdem ist sie im Familienbesitz der Gloßners.

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Frage 7/10:

Seit 1678 an der Quelle: Wer ist's?

Oberlaleida-Obaladara! Eine Brauerei und eine Schankwirtschaft gibt es seit 1687 im Oberleinleitertal bei Heiligenstadt. Die Familie Ott übernahm 1822 das Anwesen Oberleinleiter Nr. 6, und schenkt dort unter anderem auch das süffige "Obaladara" aus. Bergquellwasser, Malzschrot, Hopfen und eine ganz leichte Karamelnote - das passt!

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Frage 8/10:

Hopfen, Malz und Brauwerkzeug: Wer ist's?

Nicht nur Wanderfreunde in der Fränkischen schätzen das "Hetzelsdorfer": Im Gasthaus Penning-Zeißler gegenüber der St. Matthäus-Kirche kehrt man meist länger ein als nur für eine Verschnaufpause. Das liegt auch am süffigen, dunkel-würzigen Bier, das hier in der Privatbrauerei Penning-Zeißler gebraut wird.

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Frage 9/10:

Ein Bier mit Aussicht: Welches ist's?

Die 1872 gegründete Privatbrauerei Schübel liegt im Herzen von Stadtsteinach im Landkreis Kulmbach, südlich der auf dem Verschluss abgebildeten Burgruine Nordeck. In der inzwischen schon fünften Generation wird das Familienunternehmen von Jürgen Münch und Andrea Schübel-Münch geleitet. Insbesondere das "A fränkisch" und das "Drachenseidla" sind auch im Raum Nürnberg keine Unbekannten mehr. Letzteres, ein unfiltriertes Kellerbier, wurde ursprünglich für den Georgimarkt in Presseck gebraut, wenn die Gemeinde im Zeichen des Drachen feiert.

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Frage 10/10:

Zwei gekrönte Löwen - und welche Brauerei?

Im wunderschönen Ahorntal, am Tor der Fränkischen Schweiz zu Bayreuth, begann im Jahr 1866 der Landwirt Bernhard Stöckel mit dem Bierbrauen - und das mit anhaltendem Erfolg. Die Stöckels integrierten über Jahrzehnte die Brauerei mit viel Erfindergeist in den Bauernhof in Hintergereuth, der heutige Brauereichef Georg Stöckel schenkt vor allem Pils, Helles Lager, Landbier und Premium Weisse aus.

© Montage: Sabine Schmid

Alle Neuigkeiten und Wissenswertes zum fränkischen Bier finden Sie in der Facebook-Gruppe "Wir lieben Bier aus Franken". 

Petra Malbrich E-Mail

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