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Samstag, 17.08.2019

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Fußballerin Lisa Ebert fährt zur U19-EM und verlässt Frankfurt

Junioren-Nationalspielerin aus Ebermannstadt für Turnier in Schottland nominiert - 12.07.2019 17:18 Uhr

Bei den seltenen Heimatbesuchen in den vergangenen drei Jahren sammelte Lisa Ebert (re.), im Bild auf dem Marktplatz Ebermannstadt mit Schulfreundin Lorena Mauser, Kraft für den aufreibenden Alltag im Fußballgeschäft. Nun will sich die 19-Jährige in Franken ein berufliches Standbein aufbauen. © Foto: Leo Hühnlein


Der Stein, der Lisa Ebert am Donnerstag vom Herzen kullerte, war bis in die fränkische Heimat nach Ebermannstadt zu hören. Final gab DFB-Trainerin Maren Meinert der Jung-Nationalspielerin im finalen Gespräch doch noch grünes Licht für die am Dienstag beginnende Europameisterschaft in Schottland.

Der zweitägige Lehrgang in Duisburg wäre für Ebert fast zum traurigsten Kapitel ihrer DFB-Karriere geworden. Eigentlich sollte sie und die anderen U19-Spielerinnen in der Sportschule Wedau nur noch am letzten Feinschliff für das Turnier feilen. Denn das Kader-Aufgebot war nach der Länderspielreise in die USA Mitte Juni bereits offiziell benannt. Unter den 18 Feldspielerinnen und zwei Torhüterinnen durfte sich auch die Fränkin für den Höhepunkt nach dem regulären Saisonende mit dem FFC Frankfurt fit halten. Diszipliniert spulte sie also ihr privates Aufbauprogramm mit Besuchen in einem Forchheimer Fitnessstudio und Ausdauerläufen ab. Ausgerechnet bei einer lockeren Ball-Übungseinheit knickte sie um und sah ihren Knöchel dick anschwellen.

Bangen nach Fehltritt

Bange Tage und Stunden in der Sportschule folgten, ehe Physiotherapeuten und Bundestrainerin den Daumen hoben. Im Flugzeug geht es von Köln-Bonn in die schottische Hauptstadt Edinburgh und weiter ins Quartier nach Glasgow. Die bequeme, maximal einstündige Anreise zu jedem Spielort steht im Gegensatz zu den Entbehrungen auf dem Karriereweg der 19-Jährigen.

Schon seit der U15 schlüpft Lisa Ebert regelmäßig ins Nationaltrikot: Bei der U19-EM 2018 stand die Ebermannstädterin gegen Dänemark auf dem Platz. © Foto: imago/Hartenfelser


Vor drei Jahren wagte sie den Sprung von der U17 des 1. FC Nürnberg zum Bundesligisten in die Mainmetropole. Seither bestritt die zur Innenverteidigerin umgeschulte einstige Mittelfeldstrategin 29 Partien (elf Tore) für die zweite Mannschaft in der 2. Bundesliga und elf Spiele (ein Tor) in der Bundesliga, kam jedoch in der Saison 2018/19 nur dreimal als Joker in der höchsten Spielklasse zum Einsatz. Umso wertvoller sind, abseits des Trainingsalltags in einer harten Konkurrenz, die wenigen Abstecher in die Heimat. "Da sammle ich Kraft. Auf die Wiedersehen mit meinen Eltern und Freunden freue ich mich immer schon lange vorher. Mehrtägige Besuche sind eigentlich nur an Weihnachten, Ostern und in der Sommerpause möglich", berichtet Ebert. Die unveränderte Verbundenheit ließ Ebert auf einem kurzen Zwischenstopp nach dem USA-Aufenthalt in Weingarts vorstellig werden, um ihre früheren Mitspieler aus der gemischten Jugendmannschaft des TSV Ebermannstadt in der Aufstiegs-Relegation zur Kreisliga anzufeuern. Dabei musste sie auch an den verstorbenen Zwillingsbruder des Abteilungsleiters Stefan Nützel denken. "Josef war mein Entdecker." Ihm würde Ebert, die wohl zunächst auf der Auswechselbank Platz nehmen wird, ihr nächstes Tor im Nationaltrikot widmen. In der Gruppe trifft Vorjahresfinalist Deutschland auf England, Belgien und Titelverteidiger Spanien. "Es geht jetzt wieder von vorne los und wir gehören auch wieder zum Kreis der Favoriten. Wir müssen uns vor keinem verstecken", sagt Ebert.

WM zeigte Strukturdefizite

Positiv bewertet sie auch die Entwicklung bei den Frauen, trotz der deutschen Viertelfinalniederlage bei der WM. "Unsere Elf hat guten Fußball gezeigt, der Frauenfußball ist allgemein attraktiver geworden und die USA sind die würdigen Siegerinnen." Im Gesamteindruck bleibe auch die durch ein provokantes DFB-Werbevideo verstärkte Debatte um Gleichberechtigung und Strukturdefizite im Gedächtnis. "Als normale Spielerin in der Bundesliga kann man vom Fußball eigentlich nicht leben. Aber man muss es", beschreibt Ebert das finanzielle Gefälle der Branche. So muss auch sie als Talent aus der zweiten Reihe nebenbei ein zweites Standbein aufbauen und begründet mit einem beginnenden Praktikum in Nürnberg ihre inzwischen bekanntgewordene sportliche Rückkehr zum Club. "Wenn man sich nicht zweigleisig orientiert, kann es ein böses Erwachen geben. Sportlich ist die Regionalliga zwar kein Fortschritt, aber ich bin erst 19 und kann mir neuen Schwung holen, wenn ich meine Ausbildung absolviert und dadurch mehr Sicherheiten habe." 

LEO HÜHNLEIN

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