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Forchheimer quält sich beim Challenge ohne Nahrung ins Ziel

Innenansichten des ambitionierten Altersklassenathleten Andreas Maiwald - 08.07.2019 22:07 Uhr

Kilometer 25 des Marathons: Wo sich andere mit Verpflegung versorgen, ringt Andreas Maiwald vom SSV Forchheim sitzend mit seinem aufgezehrten Körper. © Foto: Stephanie Maiwald


Bei mir gibt es kein normal" bedeutet für den gebürtigen Kulmbacher, die 30-km auf dem Rad ins Büro zum schweißtreibenden Zeitfahren zu machen und sich jeden Tag zu bewegen, egal zu welcher unchristlichen späten Uhrzeit. Während die meisten ambitionierten Triathleten ein wöchentliches Trainingspensum von 20 oder 25 Stunden abspulen, gelangt Andreas Maiwald "über Intensivität zur Tempo-Härte" und begnügt sich mit maximal zehn. Doch Sprint- und Olympische Distanz wie jüngst in Erding und Trebgast bei Einsätzen für die Mannschaften des SSV Forchheim, dem Maiwald auch nach dem Umzug gen Oberbayern treu bleibt, dienen nurmehr als Programm zum Anschwitzen. "Ich fühle mich umso wohler, je länger es dauert. Vielleicht ist es eine genetische Veranlagung."

Auf Augenhöhe mit Cameron Wurf

Beim Saisonhöhepunkt im mittelfränkischen Triathlon-Mekka schien sich die Einschätzung zunächst zu bewahrheiten. Obwohl der Auftrieb gebende Neoprenanzug Maiwalds technischen Vorteile gegenüber anderen Amateuren schmälerte, behauptete sich die Startnummer 284 im Feld der schnellsten Altersklassen-Starter, die als erstes nach den Profis in den Kanal an der Hilpolsteiner Lände stiegen, zum Auftakt weit vorne. Mit einer Schwimm-Zeit unter 55 Minuten über 3,8 km trennten den 42-Jährigen im Vergleich keine 20 Sekunden vom späteren Gesamt-Dritten Cameron Wurf.

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Auf dem Rad, seiner Paradedisziplin, schüttelte der Akteur des SSV Forchheim die morgendliche Frische ab, gab in gewohnter Manier Druck auf die Pedale. Dass die Watt-Leistung seiner Beine einmal im kroatischen Trainingslager die Kurbel zur Aufgabe zwang, sprach sich sogar bis zum Moderator der berüchtigten Biermeile von Eckersmühlen herum. Richtig schmunzeln konnte Andreas Maiwald jedoch schon auf der zweiten 90-km-Runde nicht mehr, weil sein verkrampfender Magen die Nahrungsaufnahme verweigerte. "Ich kann es mir nicht erklären, habe die gleichen Flüssig-Gels und Pulvermischungen wie sonst benutzt. Vielleicht hatte die Kälte etwas ausgelöst", konstatiert der 42-Jährige hinterher.

Als auch die letzten Energiereserven der vier Nutella-Semmeln vom bewährten Wettkampffrühstück aufgezehrt waren, rückte das ehrgeizig anvisierte Ziel von 9:18 Stunden freilich in weite Ferne und geriet der zweite Anstieg hinauf zum Solarer Berg zur Qual. "Es war so demütigend. Ich wäre am liebsten gestorben." Nachdem Maiwald schon einmal 2016 mit heftigen Rückenschmerzen vorzeitig vom Rad und ausgestiegen war, konnten ihn diesmal allein die Familienmitglieder um Ehefrau Stephanie am Streckenrand von einer Aufgabe abbringen. Die mühevoll bewältigten letzten 20 Radkilometer sollten nach knapp sechs Stunden Rennzeit allerdings lediglich den Anfang der gesamten Tortur markieren.

"Wenn der Körper völlig leer ist, stellst du dir die Frage nach dem Sinn. Es wurde ein unendlicher langer Spaziergang", berichtet Maiwald von mehr als zehn Pausen, bei denen ihn die Worte der Familie wieder vom Gras zurück auf den Marathon-Kurs trieben. Aufmunternder Applaus von wildfremden Menschen wie Streckenhelfern — "Diese bedingungslose Begeisterung gibt es nirgendwo anders" — oder einem bekannten Gesicht des ehemaligen Schwimm-Trainers Dirk Albert sorgte für den nötigen Vortrieb, um sich schließlich in 10:45:27 Stunden im Rother Stadtpark über die Ziel-Linie zu schleppen und schluchzend den Emotionen hinzugeben. "Die gemischten Gefühle reichen von herber Enttäuschung bis Stolz. Ich nehme die Erfahrung mit." Um dann sehr wahrscheinlich 2020 zum fünften Mal als Einzelstarter wiederzukommen. Ein Nein gibt es beim Challenge Roth nicht.

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