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Forchheim: Zuschuss macht Kita-Besuch billiger

Seit April zahlt der Freistaat 100 Euro pro Kind und Monat - 16.07.2019 06:00 Uhr

Was kostet der Kita-Besuch? Auf jeden Fall weniger als noch im März, denn seit April gibt es vom Freistaat einen monatlichen Zuschuss von 100 Euro pro Kind im Kindergarten. Für manche wird der Besuch damit kostenlos, aber nicht für alle. © Foto: Roland Huber


Eines muss vorweg genommen werden: Noch fließen die 100 Euro nicht allerorts. Denn der bayerische Landtag hat erst Mitte Mai den Doppelhaushalt für 2019/20 beschlossen – und damit die finanziellen Mittel für den Kindergartenzuschuss verspätet auf den Weg gebracht. Es gab zwar ein internes Schreiben an die Träger, die Regelung bereits umzusetzen, doch ist das verwaltungstechnisch nicht für alle machbar.

Verrechnet wird der Zuschuss intern, das heißt, ausschließlich über die Träger, die dann die Elternbeiträge entsprechend senken. Das bedeutet auch, dass Eltern keinen Aufwand haben. Ein Antrag ist nicht nötig.

Auch Stefan Loch, Geschäftsleiter der Marktgemeinde Eggolsheim, kennt das Schreiben aus München – und freut sich, sagen zu können. "Wir ziehen seit April von den Eltern, die unter 100 Euro pro Monat für die Betreuung im Kindergarten gezahlt haben, keine Beiträge mehr ein." Die Stadt Forchheim teilt mit, den Zuschuss erstmals mit der Juni-Abrechnung verrechnet zu haben.

Geld wird zurückerstattet

Verloren gehen sollen die 100 Euro monatlich nicht. Den Eltern, die nach wie vor ihre gewohnten Beiträge zahlen, soll das Geld rückwirkend bis April zurückerstattet werden.

Ob sie danach zu denjenigen gehören, deren Kinderbetreuung kostenfrei ist, das hängt zuallererst von der täglichen Buchungszeit im Kindergarten ab. Denn je weniger Stunden der Nachwuchs in der Einrichtung weilt, desto geringer fällt der Betrag aus, den Eltern am Monatsende zahlen müssen.

Eine Stichprobe unter Kindergärten unterschiedlicher Träger in verschiedenen Orten im Landkreis zeigt dabei: Wer sein Kind nur vormittags in den Kindergarten bringt und damit eine Betreuungszeit von maximal fünf Stunden täglich bucht, wird vielerorts in den Genuss einer kostenfreien Kinderbetreuung kommen. Das wäre zum Beispiel der Fall für Eltern, die ihren Nachwuchs von 8 bis 13 Uhr in der Kita spielen lassen.

Maximal sind zehn Stunden Betreuung pro Tag möglich – bei den meisten Einrichtungen zahlt man dann, nach Abzug des 100-Euro-Zuschusses, in der Regel nicht mehr als 50 Euro im Monat. Hinzu kommen oft noch Pauschalen für Essen, Getränke oder Spielen – unabhängig von den monatlichen Beiträgen.

"In unseren ländlichen Gemeinden sind die Kinderbetreuungskosten relativ gering", sagt deshalb auch Gerd Zimmer, Bürgermeister der Gemeinde Hausen, und spricht damit für viele seiner Kollegen im Landkreis. Dennoch zählt Hausen zu den Gemeinden, die in diesen Tagen über eine Erhöhung der Elternbeiträge nachdenken. "Die wird aber sehr gering ausfallen", beeilt er sich zu sagen. Hintergrund sei zum einen, dass die Beiträge 2013 zum letzten Mal erhöht wurden. Zum anderen seien eben die Kosten gestiegen.

Die Träger im Gemeindegebiet – neben der Kommune sind das die beiden katholischen Kirchengemeinden St. Wolfgang und St. Laurentius – haben sich daher zusammengesetzt und über ein gemeinsames Vorgehen verständigt. Im Juli soll der entsprechende Beschluss im Gemeinderat fallen.

Dabei wird über die Erhöhung der Beiträge momentan auch in anderen Kommunen im Landkreis gesprochen. In Egloffstein zum Beispiel wurde sie gerade beschlossen. Auch für den Kindergarten in Thuisbrunn hat die Stadt Gräfenberg als Träger sich dafür entschieden. Hintergrund ist in beiden Fällen ein Defizit, das sich vor allem aus den Lohnsteigerungen für das pädagogische Personal ergeben hat. Durch den staatlichen Zuschuss werde die Erhöhung den Eltern aber gar nicht weh tun, ist sich der Gräfenberger Stadtrat sicher. Für fünf Stunden Betreuung pro Tag zahlen die Eltern in Thuisbrunn ab September fünf Euro monatlich, für neun Stunden 45 Euro.

Fachkräftemangel schränkt ein

Auch in Hallerndorf stand das Thema kürzlich auf der Tagesordnung des Gemeinderates. Das Gremium entschied sich ebenfalls, die Beiträge ab September zu erhöhen. Ab sechs Stunden Betreuung pro Tag zahlen Eltern dann einen Beitrag von sieben Euro monatlich. Maximal können es bei der Buchung von neun Stunden 29 Euro monatlich sein. Grund für die Erhöhung ist hier vor allem die Sorge der Gemeinderäte, dass zu viele Eltern die Kostenfreiheit dazu nutzen könnten, für ihre Kinder mehr Betreuungsstunden zu buchen als bisher. Das Problem: "Dafür fehlt uns einfach das Personal", erklärt Hallerndorfs Bürgermeister Torsten Gunselmann. Denn: "Wie jeder andere Träger spüren auch wir den Fachkräftemangel."

Auch in Forchheim haben die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung bereits entsprechende Rückmeldungen von den Eltern bekommen. Das teilt Pressesprecherin Britta Kurth auf NN-Anfrage mit und schreibt: "Letztlich wird wohl der Personalbedarf durch höhere Buchungswünsche steigen. Da es derzeit äußerst schwierig ist, Personal zu finden, wird abzuwarten sein, inwieweit gewünschte Höherbuchungen auch realisierbar sind." Die Mehrheit der Stadträte entschied hier dennoch gegen höhere Gebühren.

Hallerndorfs Bürgermeister Torsten Gunselmann (FWG) hält die staatliche Zuzahlung gar nicht für den richtigen Weg. "Eltern mit wenig Einkommen sind jetzt schon von den Kindergartengebühren befreit, man hätte vielleicht die Freibeträge erhöhen können, so dass mehr davon profitieren", sagt er. Doch durch den pauschalen Zuschuss gehe viel Geld verloren, das an anderen Stellen seiner Meinung nach besser aufgehoben wäre – vor allem in der Ausbildung von Kinderpflegerinnen und -erzieherinnen. 

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