Mittwoch, 20.11.2019

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Forchheim: So geht es bei Infiana weiter

Grünes Licht: Folienfabrik wird von britischen Investor übernommen - 08.10.2019 06:00 Uhr

Die Folienfabrik, 1854 mit dem Kauf einer Mühle an der Wiesent zum Zwecke der Herstellung von Folien für die Spiegelproduktion gestartet, kann auf eine 165 Jahre lange und sehr wechselvolle Geschichte zurückblicken.


Die Briten von Pamplona Capital haben die Forchheimer Folienfabrik übernommen, indem sie knapp 93 Prozent der Anteile von der Deutschen Beteiligungs-AG gekauft haben. Die DBAG hatte 2014 ihrerseits diese Anteile gekauft, als sich der vorherige Besitzer Huhtamaki aus Finnland von dem Geschäftsfeld der Spezialfolien trennte. Pamplona Capital hat nun gleichzeitig aber auch die Firma Loparex mit Sitz im niederländischen Apeldoorn gekauft, den Weltmarktführer für beschichtete Trennpapiere. Loparex und Infiana sollen nun zu einer Firma verschmelzen.

Für den Standort Forchheim ändert sich dadurch erst einmal substanziell nichts, wie ein Sprecher gegenüber unserer Redaktion sagte: "Jetzt beginnt der Transformationsprozess." Das bedeutet: Zwei Firmen, die bisher in einem ähnlichen, teils identischen Geschäftsfeld tätig waren, müssen nun zusammenwachsen und dabei herausfinden, wie sie daraus den größtmöglichen Gewinn ziehen. Infiana Forchheim ist Spezialist für beschichtete Trennfolien im Gesundheits- und Hygienebereich, in der Bauindustrie und bei technischen Klebebändern sowie Spezialetiketten. Der Sprecher: "Vereinfacht gesagt: Loparex beschichtet hauptsächlich Papier, wir beschichten Folie. Zum Teil haben wir dieselben Kunden."

"In der Branche schon lange damit gerechnet"

Infiana-Geschäftsführer Peter Wahsner wird in einer Pressemitteilung so zitiert: "Mit dieser Fusion hat die Branche schon lange gerechnet. Die Geschäftsfelder ergänzen sich sehr gut in Bezug auf das Portfolio und die Geographie. Durch den Zusammenschluss entsteht eine wahrhaft globale Firma mit einem umfassenden Angebot für den Markt und die Kundenbedürfnisse."

Loparex hat viele Standorte, aber keiner ist so groß wie Forchheim, so der Sprecher. Auf dem Betriebsgelände an der Schönbornstraße sind derzeit 750 Menschen beschäftigt, im 2004 eröffneten US-Standort Malvern/Pennsylvania in der Nähe von Philadelphia weitere 120.

Wie werden eigentlich Folien hergestellt? In der Lehrwerkstatt wurde es 2016 den Besuchern erklärt. © Ralf Rödel


Ob der Firmenname sich ändert, zum Beispiel von Infiana zu Loparex, ist laut dem Sprecher noch offen: "Da gibt es derzeit verschiedene Diskussionen", aber noch ist nichts spruchreif. In Forchheim hatten 1854 die beiden Fürther Joseph Morgenstern und sein Neffe Moritz Frankenthal die Spiegelglas- und Folienfabrik gegründet. Anfang 1855 nahm sie ihren Betrieb auf. Produziert wurde allerdings kein Spiegelglas (dessen Fabrikation blieb im Morgensternschen Betrieb in Fürth), sondern die für die Spiegelproduktion benötigten Folien.

1861 begann die Expansion der Firma, als David Morgenstern, ein Bruder von Joseph, die Geschäftsführung übernahm. Am Vorabend des Ersten Weltkriegs sind 412 Mitarbeiter hier beschäftigt. 1938 verkaufen die jüdischen Besitzer ihre Firma an den niederländisch-britischen Konzern Unilever und wandern aufgrund der systematischen Entrechtung von Juden in Deutschland nach England aus. Die "Folienfabrik Fürth-Forchheim mbH" wurde 1951 umbenannt in "Folienfabrik Forchheim GmbH", als der Firmensitz nach Forchheim verlegt wurde. Noch immer war Unilever der Besitzer.

1972 erfolgte unter dessen Regie die Umbenennung in 4P-Folie Forchheim GmbH, bei der Veräußerung an die Van Leer-Gruppe 1992 blieb es dabei. Seinerzeit arbeiteten in Forchheim bis zu 1100 Beschäftigte. Ihre Zahl sank in den 1990er Jahren drastisch, als das Geschäft mit PVC einbrach und die Firma nahezu ruiniert war.

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Schließlich fusionierte Van Leer 1999 mit dem finnischen Verpackungskonzern Huhtamaki, die Umbenennung erfolgte 2001. Unter finnischer Ägide stieg der Folienhersteller in seinem Spezialbereich zum Weltmarktführer auf. 2009 wurde der in Forchheim ansässige Bereich "Silikonisierte Papiere" verkauft. Diese Bereich ist ähnlich jener Sparte, die über Loparex nun wieder Teil des Unternehmens wird. 2011 kaufte man einen Standort in Brasilien, der 2016 aber wieder veräußert wurde.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Huhtamaki sich schon von der Folienherstellung verabschiedet, um sich, wie es 2014 hieß, "auf die Produktion von Lebensmittelverpackungen zu konzentrieren".

Im Rahmen eines Management Buy Out übernahm der Investor Deutsche Beteiligungs-AG 92,7 Prozent der Anteile im Wert von 141 Millionen Euro. Management Buy Out bedeutet: Die Geschäftsführer übernehmen die Firma vom bisherigen Besitzer mit Hilfe von Investoren. Nun hält der Investor Pamplona Capital diesen Anteil und fusioniert den Weltmarktführer für Trennfolien mit dem Weltmarktführer für Trennpapiere, Loparex.

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