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Forchheim: Pfarrer verärgert über Strafzettel am Sonntag

An der Martinskirche verteilte Polizei Knöllchen an Falschparker - 23.10.2019 08:00 Uhr

Rund um die Martinskirche ist eine Fußgängerzone. Dort herrscht Parkverbot. © Roland Huber


"Immer wieder" komme das vor, beschwert sich Pfarrer Martin Emge, zuletzt wieder an diesem Sonntag. Das war nicht immer so. Mit der Stadt gilt eigentlich eine Art von Stillhalteabkommen: Der städtische Parküberwachungsdienst drückt während der Gottesdienste an Sams- und Sonntagen rund um die Stadtpfarrkirche sämtliche Augen zu und schreibt die Falschparker nicht auf.

Doch offenbar gefällt das nicht jedem, schreibt Martin Emge in einem offenen Brief an die Presse. In einem Gespräch mit dem zuständigen Polizisten sei ihm gesagt worden, "dass es Bürger gibt, die die Polizei zum Aufschreiben auffordern und sogar Beschwerdebriefe an übergeordnete Stellen schicken, so dass die Polizei praktisch gezwungen ist, aufzuschreiben".

Nun ist der Bereich rund um die Martinskirche sowieso ein besonderer innerstädtischer Raum. Geparkt werden darf hier eigentlich überhaupt nicht. Ein ansässiger Druckereibetrieb hat zugewiesene Parkplätze. Wer aufmerksam um die Kirche herumspaziert sieht dort auch immer städtische Dienstautos parken. Die aber, so beteuert die Stadtverwaltung auf Anfrage, haben alle eine "Sondergenehmigung". Schließlich sei hier eine Vielzahl von Ämtern angesiedelt. Der geregelte Betriebsablauf wäre nicht zu gewährleisten, wenn die Wagen weiter weg abgestellt werden müssten.

Pfarrer Emge hat sich zweimal schriftlich an die Stadt gewandt mit der Bitte, "zur Befriedung der Situation" beizutragen. Er betont ausdrücklich, dass sich der gesamte Umgriff der Martinskirche im Besitz der Kirchenstiftung befindet. Es sei für ihn "nicht nachvollziehbar", dass zwar "städtische Bedienstete hier täglich parken dürfen, Kirchenbesuchern aber das Parken nicht einmal während der Gottesdienstzeiten erlaubt wird".

Beide Briefe an die Stadt, berichtet Pfarrer Emge, blieben bisher unbeantwortet. Am 8. Mai hatte er ans Straßenverkehrsamt geschrieben, am 25. Juli direkt an den OB. Weil er bis heute nichts dazu hörte, wendet er sich nun an die Öffentlichkeit.

Die Stadtverwaltung und der Oberbürgermeister waschen ihre Hände allerdings in Unschuld. Er sei "regelmäßig im Gespräch" mit Pfarrer Emge, lässt Uwe Kirschstein (SPD) über die Pressestelle ausrichten. Mündlich habe der Dekan das Thema noch nicht angesprochen. Die beiden Briefe seien "noch in Bearbeitung". Und der Polizei, so die Auskunft, könne die Stadt "nicht vorschreiben, dass sie nicht aufschreiben soll".

Problem schnell beseitigen?

Nach Ansicht von Martin Emge, der sich dabei auf die Aussage des genannten Polizisten stützt, könne das Problem beseitigt werden, wenn das "an der Zufahrt zur Martinstraße stehende einschränkende Verkehrsschild durch einen ergänzenden Hinweis" (Parken zu Gottesdienstzeiten erlaubt) modifiziert werde.

Jochen Prinzkosky, Leiter der Polizeiinspektion Forchheim, bittet zunächst um Verständnis: Die rechtlichen Gegebenheiten seien relativ eindeutig, sagt er: "Wir haben hier eine Fußgängerzone. Da ist das Parken grundsätzlich nicht erlaubt." Es gäbe ja Parkplätze, etwa im Bereich Hornschuchallee oder Sattlertorstraße, sagt er. Dennoch könne er Pfarrer Emge verstehen. "Wir als Polizei gehen strikt nach Straßenverkehrsordnung vor. Parkverstöße werden also geahndet, egal ob das Sonntagfrüh ist oder Dienstagnachmittag", sagt er. Er will den offenen Brief aber zum Anlass nehmen, um das Gespräch mit Pfarrer Emge zu suchen und sich mit ihm zusammen nochmals an die Stadt zu wenden. Er zeigte sich zuversichtlich, dass es Wege gebe, wo das Parken sauber geregelt werden könnte. Aber: "Ein Gentlemen Agreement, das geht hier nicht."

ULRICH GRASER

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