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"Der Wald stirbt uns unter unseren Händen weg"

Revierleiterin Rita Satzger sieht den Anfang einer Katastrophe auf die Wälder in der Fränkischen Schweiz zukommen - 01.05.2019 08:48 Uhr

Der Blick in die Kronen unserer Wälder verheißt nichts Gutes, sagt Revierleiterin Rita Satzger. © Ralf Rödel


Die Situation in den Wäldern "ist mehr als angespannt". Nicht nur müssen die Bäume und ihre Kümmerer dieser Tage mit einem "massiven Borkenkäfer-Problem" zurecht kommen, sondern generell mit dem Klimawandel, der sich schon heute bemerkbar mache und für das Morgen eine "große Katastrophe mit sich bringen wird". Die Worte, die Revierleiterin Rita Satzger in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses des Stadtrates Ebermannstadt wählte, sind deutlich: "Wir stehen am Anfang einer großen Katastrophe, der Wald stirbt uns unter unseren Händen weg." Rita Satzger ist seit Juli 2016 für das Forstrevier Streitberg zuständig und damit für die Waldflächen im Bereich der Stadt Ebermannstadt und des Marktes Wiesenttal.

Extreme Wetterbedingungen

Extreme Wetterbedingungen der vergangenen Monate seien es, so Satzger, die dem Wald und ihren Mitarbeitern zu schaffen machen. Der vergangene Sommer mit seiner extremen Hitze und Trockenheit ging für Deutschland und Europa in die Annalen der Wettergeschichte ein. "Die Wasservorräte sind noch nicht einmal aufgefüllt und wir stecken heute schon wieder in einer Trockenphase."

Unter der Rinde einer Fichte breitet sich der Borkenkäfer unbemerkt aus und gräbt Gänge.


Ideale Bedingungen für Schädlinge wie den Borkenkäfer. Er macht es sich zwischen Rinde und Stamm von Fichten bequem. Um seine Ausbreitung einzugrenzen, müssen befallene Bäume gefällt werden, kommen auf einen Haufen, der mit Pestiziden behandelt wird, um dem Käfer den Garaus zu machen. Eine regelrechte Käfer-Invasion hat den Wald in Reuth im März heimgesucht. Das Holz ist zwar nicht wertlos, aber kommt es in Massen auf den Markt, sinkt der Holzpreis. Satzger spricht von einem "massiven Preiseinsturz".

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Unterm Strich bleibt vom Borkenkäferholz nicht viel übrig. Mit den Erlösen könne der Aufwand gerade so ausgeglichen werden, sagt Satzger. "Und der Holzpreis sinkt monatlich weiter in den Keller." Die Konsequenz: Der Einschlag, also das Fällen von Bäumen, wird, wo es möglich ist, aufgeschoben. "Nur was sein muss, wird gemacht."

Auch wenn die Stürme der vergangenen Saison längst durch die Wälder gezogen sind, umgeknickte Bäume liegen noch heute im Dickicht. Die Forstwirte kommen kaum mit der Arbeit nach, so Satzger, denn es mangelt an Personal. Derzeit könne sie in ihrem Revier auf zwei Mitarbeiter zurückgreifen. Entspannung bei den Dienstplänen und im Wald verspricht sich die Satzger von einer neuen Ausbildungsstelle zum Forstwirt ab September, die die Stadt bereits ausgeschrieben hat.

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Für das Jahr 2019 geht Satzger davon aus, dass wenigstens betriebswirtschaftlich alles im grünen Bereich bleibt. Um den Wald zu verjüngen, setzt Satzger auf möglichst wenig Neupflanzungen, sondern auf die Naturverjüngung und damit auf natürlich gewachsene Bäume. Dafür müsse der Waldboden ausgegrast werden, um den frischen Trieben eine Chance zum Wachsen zu geben.

Um junge Bäume vor hungrigen Wildtieren zu schützen, wird ein sogenannter Verbissschutz angebracht, als Holzzaun oder Plastikröhre. Davon, dass sich der Kunststoff von selbst auflöse, könne keine Rede sein, so NLE-Stadtrat Christian Kiehr. Er schlug vor, die privaten Waldbesitzer über ihre Pflicht zu informieren, das Plastik wieder abzubauen. Satzger will sich dem Thema annehmen, doch zuerst ist der Borkenkäfer an der Reihe. 

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