Mittwoch, 11.12.2019

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Bedeutender Mittelalter-Comic: Ausstellung in Gräfenberger Scheune

28 Farb-Federzeichnungen aus ehemaliger Donaueschinger Wigalois-Handschrift von 1420 - 07.07.2019 19:14 Uhr

Wolfgang Junga singt Mittelalter-Lieder passend zur Bilderschau. © Foto: Manfred Schwab


Auf dem Lehm-Boden der Gräfenberger Manfred-Meier-Scheune haben zahlreiche Gäste ein 600 Jahre altes kulturelles Erbe von internationalem Rang gefeiert. Unter dem Titel "Ein Comic aus dem Mittelalter" wurde dort eine Ausstellung mit 28 farbigen Federzeichnungen aus der ehemaligen Donaueschinger Wigalois-Handschrift von 1420 eröffnet.

Die lange verschollene Handschrift konnte erst vor wenigen Monaten für einen Millionenbetrag von der Badischen Landesbibliothek (BLB) erworben werden. Mitglieder des Kulturvereins Wirnt aus Gräfenberg waren zur Präsentation des Neuerwerbs nach Karlsruhe eingeladen worden und hatten mit der Direktion der Landesbibliothek die derzeitige Ausstellung im Rahmen des Gräfenberger Bürgerfestes vereinbart.

Der mittelhochdeutsche Artusroman ist bereits vor 800 Jahren unzweifelhaft in dem Ritter-Wirnt-Städtchen entstanden. "Die herausragende kunst- und kulturhistorische Bedeutung der Handschrift gründet auf ihrer lebhaften Illustration, die den Text höchst erzählfreudig visualisiert und die Geschichte schwungvoll und vergnügt in Szene setzt", beschreibt die BLB ihren Neuerwerb.

Die erste kritische Ausgabe

Rainer Hammerich nannte in seiner Einführung Beispiele aus der 200-jährigen weltweiten Forschung zu Ritter Wirnt und seinem Versepos, die ein weiterer Anlass für die Gräfenberger Bilderschau ist: 1819 veröffentlichte der Göttinger Hofrat und Jakob-Grimm-Freund Georg Friederich Benecke die erste wissenschaftlich-kritische Ausgabe des mittelhochdeutschen Textes.

Dessen abenteuerlich-verschlungene Handlungsstränge zeichnete Otto Müller bei der Ausstellungseröffnung pointiert und augenzwinkernd nach. Dazu sang Wolfgang Junga als moderner Minnesänger mittelalterliche Weisen rund um den Artusroman. Regine Bleckmann, die Vorsitzende des Kulturvereins, bewirtete mit selbstgebackenem Kuchen die Ausstellungsbesucher. Unter ihnen war auch Studiendirektor Achim Jaeger, der 1998 zu Ritter Wirnt und seinem Versepos promoviert hatte, und vor der Ausstellungseröffnung im Gräfenberger Rathaus einen Vortrag über den 800 Jahre alten Heldenepos hielt.

InfoDie Ausstellung ist noch beim Gräfenberger Bürgerfest am kommenden Wochenende von Freitag bis Sonntag, jeweils von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

MANFRED SCHWAB

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