Dienstag, 19.11.2019

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Bamberger Triathlet mischt Ironman-WM auf

Chris Dels lief als Zweiter der M35 auf Hawaii ein und schluckte einige Profis - 13.10.2019 23:32 Uhr

Der Bamberger Chris Dels auf den letzten Metern seines "emotionalen Siegeszugs" zum Vize-Weltmeistertitel über die Triathlon-Langdistanz 2019. © Sebastian Kuhn


Fast zwei Jahre entbehrungsreicher Vorbereitung und Fokussierung auf den Sport gipfelten in einem "emotionalen Siegeszug", als der 35-Jährige als Zweiter der Altersklasse M35-39 das Ziel in 8:44:12 Stunden (Gesamtplatz 35 unter 2300 Teilnehmern) durchschritt und die angestrebte Podestplatzierung besiegelte. "Ein perfektes Rennen, Wahnsinns-Brett", durfte der Lehrer allein schon deshalb konstatieren, weil er sich in der Vergangenheit mit vielen Widrigkeiten konfrontiert sah. Nachdem er seine Hawaii-Premiere 2017 ohne Proviant bestreiten musste, 2018 erkältungsgeplagt und von Reifenpannen verfolgt in der Qualifikation gescheitert und im April dieses Jahres vor dem zweiten, erfolgreichen Versuch in Texas von einem Infekt heimgesucht worden war, konnte der Franke diesmal nach überstandener Schambeinverletzung im Vollbesitz seiner Kräfte an den Start gehen.

Rasur brachte Glück

Die Unberechenbarkeit eines Langdistanz-Wettkampfes indes erlebte Dels, der sich 2018 einem Jahr der Tempohärte verschrieb und den Altersklassen-Titel M30-34 über die Halbdistanz gewann und sich nun über eine Woche Zeit für die Akklimatisierung auf der Pazifik-Insel gönnte, durch kleinere Materialprobleme am High-Tech-Rad im Vorfeld und entschied sich für langsamere, jedoch pannensichere Reifen.

Mit einem kahl rasierten Schädel als Glücksbringer, der einer besseren Kopf-Belüftung dienen sollte, löste der bei seinem Forchheimer Friseur somit in Ungnade gefallene Vielschwitzer die schwächere Auftaktdisziplin Schwimmen in 59:08 Minuten auf Platz 30 nach Plan und absolvierte den von Windböen durchgerüttelten Rad-Part in 4:40:51 Stunden mit einem Schnitt von knapp 38 km/h ohne Zwischenfälle.

Zwischenstopp im Dixi-Klo

Schon nach 5 km auf dem Marathonkurs teilte ihm Coach Swen Sundberg mit, dass nur der Führende sein Tempo halten konnte. "Super Beine" ermöglichten ihm, unter der Vorgabe von 4:15 Minuten pro km zu laufen und jede Menge Konkurrenten zu überflügeln. Selbst eine kurze Unterbrechung auf einem Dixi-Klo, die den krampfenden Magen entlastete, bremste die Aufholjagd nicht. Mit dem neuerlichen Adrenalin-Schub, die vierfache Frauen-Weltmeisterin Daniela Ryf hinter sich gelassen zu haben, läutete Dels zwei Kilometer vor Schluss den Angriff auf Position 2 ein und entledigte sich mit einem Satz des Verfolgers. Mit einer Laufzeit unter drei Stunden erfüllte sich der Bamberger nebenbei noch einem Traum und lernte kurz danach beim Doping-Test die Szene-Stars Sebastian Kienle und Cameron Wurf kennen. Die private Feier vor der offiziellen Medaillen-Zeremonie am darauffolgenden Abend verbrachte der 35-Jährige mit dem üblichen Ritual, bis Mitternacht ausgezehrte Energiereserven in einem McDonalds-Lokal zu füllen.

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