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"Wir marschieren auch für die, die es selbst nicht können"

Jugendliche aus Cumiana nahmen am Ostermarsch in Erlangen teil — Friedens-Projekt Europa als Mythos entzaubert - 20.04.2019 16:00 Uhr

Über 100 Teilnehmer verzeichnete der Ostermarsch in Erlangen am Ostersamstag. © Dieter Köchel


Isa Paape, neben Manfred Diebold Sprecherin des Erlanger Bündnisses für den Frieden, betonte, dass das Themenspektrum der Friedensbewegung gewachsen sei — Wasserknappheit, Cyber-Krieg und Flüchtlings-Politiken nannte sie als Beispiele — doch der Ostermarsch mit gut 120 Teilnehmern zeige, dass auch der Widerstand größer geworden sei.

Hauptrednerin Prof. Sabine Schiffer räumte mit dem "Mythos" auf, Europa sei ein Friedens-Projekt. Europa sei stets ein Wirtschafts-Projekt gewesen. Und spätestens 1999 habe Europa mit seiner Kriegsbeteiligung in Jugoslawien seine Unschuld verloren. Seit 1999 gelten ihren Worten zufolge humanitäre Krisen, Massenmigration und Rohstoffsicherung als legitime Gründe, in Kriege einzugreifen. Waffenlieferungen bezeichnete sie als "Teil der Kriegspolitik". Waffen, die aus Europa in den Jemen oder nach Syrien geliefert werden, "töten Zivilisten".

Auf dieser Welt sei der Wohlstand der einen stets mit der Ausbeutung der anderen erzwungen. Deshalb sei die "Wohlstandswahrung eine Kriegserklärung an die Abgehängten". Dass es "ums Ganze geht" hätten die Kinder der "Fridays for future-Bewegung" erkannt. Die Leitfrage für eine sich verändernde Gesellschaft, die die Menschenrechte ersnt nimmt, müsse lauten: "Was braucht der Mensch wirklich zum Leben?"

Magda Wagner, Seebrücke Erlangen, verlas ein Grußwort der Sea-watch-Kapitänin Pia Klemp. Diese beklagt, dass Helfer, die Flüchtlinge aus Seenot retten, nun dämonisiert werden. So würden das Massengrab Mittelmeer und die Leiden der Flüchtlinge ins Lächerliche gezogen.

Die Jugendlichen aus Cumiana betonten, sie stünden dafür, dass eine neue Geschichte die alte ersetzt. "Wir sind überzeugt, dass Handeln notwendig ist; denn Frieden ist nicht selbstverständlich." Und weiter: "Wir marschieren nicht nur für uns mit, sondern auch für die, die es selbst nicht können, weil sie vor ihrer Haustür Krieg haben oder für Meinungsäußerungen verfolgt werden.

Für die Musik bei der Kundgebung auf dem Hugenottenplatz sorgten Mario Bock (Saxofon) und Werner Lutz (Gesang,Gitarre), ehe sich der Demonstrationszug durch Fußgängerzone und Friedrichstraße in

Richtung Langemarck-Platz aufmachte.

Dieter Köchel

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