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Montag, 16.12.2019

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Wenn beim Klettern plötzlich ein Finger schmerzt

Physiotherapeut Matthias Stöcker hielt beim Fernwehfestival ein Seminar - 20.11.2019 14:00 Uhr

Bouldern tut gut. Kann unter Umständen aber auch schmerzhaft sein. © Harald Sippel


Klettern ist ein schöner Sport. Leider nicht ganz ohne. Die Rede ist jetzt nicht von Abstürzen, eher von Finger, Arm- und Schulterverletzungen. Viele davon sind vermeidbar, meint Matthias Stöcker. Der Sportlehrer und Physiotherapeut hat ein Seminar über Kletter- und Boulderverletzungen beim Fernwehfestival gehalten.

Viel Anatomie bekommen die gut 20 Teilnehmer um die Ohren. Nicht nur die Sentenz, dass der Mensch zum Klettern geschaffen sei, nicht zum Tragen; denn er stamme ja vom kletternden Affen ab. Langsam arbeitet sich Matthias Stöcker von den Fingern bis zu den Schultern vor.


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Die Fingergelenke, sagt der Referent, haben eine stabile Verbindung, deshalb ist kraftvolles Klettern überhaupt möglich". Detailliert geht er auf Sehnen, Knochenverbindungen, Faszien, Ringbänder und mehr ein. Trotz der grundsätzlichen Stabilität der Fingergelenke verletzten sich Kletterer häufig an den Fingern. Die Ringbandruptur, sprich der Riss der Bänder die als Verstärkung rund um die Sehnenröhre laufen, ist eine besondere Verletzung bei Kletterern. Dabei, mahnt Stöcker, "trainiert ein guter Sportler so, dass er sich nicht verletzt. Mit Köpfchen eben."

Gern passiert es, dass einer, mit dem Mittelfinger, mal in einem Fingerloch stecken bleibt. Ratsch, Ringband- oder Kapselriss. Was tun? Oft, würden die Finger nach Verletzungen zu lange ruhig gestellt. Mobilisierung sei jedoch nötig, sobald wie möglich, meint Stöcker. Man könne die Finger selber leicht massieren, nannte er als Beispiel. Zudem solle der betroffene Finger in X- oder H-Form getaped werden.

Matthias Stöcker erläutert den Aufbau der Finger. © Foto: Stefan Hippel


Von zusätzlichem Krafttraining rät Stöcker Kletterern ab — im Gegensatz etwa zu Dickie Korb und Patrick Matros. Auch mit einem Fingerboard solle man frühestens nach zwei Jahren Kletterei beginnen. Sein Argument, Kraft bekommt der Kletterer durchs Klettern genug, und zwar in der ganzen Körpermuskulatur. Durch zusätzliches Krafttraining könne es eher zu Überbelastungen kommen mit der Folge eines höheren Verletzungsrisikos. Natürlich gebe es da Ausnahmen bei Spitzenkletterern wie Alexander Megos aus Erlangen etwa.

Vom Karpaltunnelsyndrom — "auch das lässt sich gut konservativ, ohne Operation, behandeln" — über den Golferellenbogen (innen) und den Tennisellenbogen (außen) über Bizeps und Trizeps gelangt Matthias Stöcker nach knapp zwei Stunden zur Schulter vor, zur schlechten, nach vorn gebeugten Haltung.

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Dieses Manko lasse sich gut behandeln, die Schultern mobilisieren. Dazu empfahl er, sich eine Schwimmnudel anzuschaffen, sich auf den Rücken zu legen, die Schwimmnudel unter den Brustwirbeln. "Dann langsam auf und abrollen. Das wirkt." So werde die Brustwirbelsäule langsam aufgerichtet, als Voraussetzung für eine gerade Körperhaltung, mit eher nach hinten und unten fallenden Schultern.

Im Zweifelsfall, wenn ein Bruch im Handgelenk oder eine andere schwerere Verletzung vorliegt empfiehlt Stöcker selbstverständlich den Gang zum Arzt und per Röntgen den Befund erstellen zu lassen. Viele der kleineren Kletterverletzungen lassen sich physiotherapeutisch heilen, ist er sich sicher.

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