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Was passiert mit den Siemens-Laboren in Erlangen?

Der Verlust von Forschungseinrichtungen wird befürchtet - 11.06.2020 23:29 Uhr

Entstehen auf dem Siemens-Campus – unser Bild zeigt Teile des Moduls 1, das derzeit bezogen wird – zu viele Büros und zu wenige Labor- und Forschungseinrichtungen?


Allmählich zieht Leben in den Siemens-Campus ein. So haben in den vergangenen Wochen die ersten Mitarbeiter ihre neuen Büros im Modul 1 des Siemens-Campus in Beschlag genommen. Der Umzug ist ein logistischer und organisatorischer Kraftakt.

Allein im ersten Schritt mussten rund 43.000 Quadratmeter Bürofläche in vier Gebäuden vorbereitet werden, das dem rund Eineinhalbfachen der Verkaufsfläche der Erlanger Arcaden entspricht. Auf dieser Fläche wurden rund 2500 Arbeitsplätze eingerichtet und mit neuen Möbeln ausgestattet. Über mehrere Wochen rollten dazu täglich bis zu drei 40-Tonner auf die Baustelle. Rund 50 Monteure bauten die Möbel auf, verlegten Kabel und installierten die Technik. Den Anfang machte der Auf- und Einbau der mächtigen Rollarchive mit einem Gesamtgewicht von mehr als 400 Tonnen. Der Zeitplan sieht vor, dass der Umzug bis September abgeschlossen ist und alle Arbeitsplätze besetzt sind.

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Parallel dazu laufen die Bauarbeiten für das zweite Modul, das sich in direkter Nachbarschaft zum Modul 1 befindet, auf Hochtouren. Dort entstehen weitere vier Bürogebäude in Holzhybrid-Bauweise. Dabei werden tragende Elemente aus Stahlbeton vorgefertigt, der Großteil jedoch aus Holz gebaut. Der Vorteil: eine deutlich verkürzte Bauzeit. Außerdem entstehen auf dem Gelände drei weitere Parkhäuser.

Online-Petition gegen den Verlust von Laboren

Allerdings fürchten die IG Metall Vertrauensleute der Betriebe Framatome, Areva, Siemens Gas & Power, Siemens Mobility, Siemens Healthineers und Siemens AG mit dem fortschreitenden Ausbau des Siemens-Campus den Verlust von Labor- und Testeinrichtungen, die sich derzeit noch auf dem Südgelände befinden. So ist den Vertrauensleuten, die in einer eigens eingerichteten Arbeitsgruppe den Umzug mit den Augen der Beschäftigten betrachten, aufgefallen, dass im neuen Campus "überproportional viele Büroarbeitsplätze" im Vergleich zu Labor- und Testeinrichtungen entstehen.

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"Wie können die einziehenden Unternehmen ihre technologischen Spitzenpositionen halten oder ausbauen, wenn sie vor Ort keine Möglichkeit haben, die Produkte und Ideen zu testen?", fragen sie in einer Online-Petition, die die Gewerkschafter gestartet haben.

Konkret befürchten sie, dass durch die geplanten Campus-Bürogebäuden Läger, Werkstätten, Laboreinrichtungen und Testflächen in das Umland oder andere Städte "verdrängt" werden. "Damit würden nicht nur gut funktionierende Kompetenz-Teams zerrissen und die Arbeit erschwert. Die Folge wären auch steigende Transporte und Schwerlastverkehr zwischen den Standorten."


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Im Fokus steht das Campus-Modul 8, das im nordöstlichen Teil des Areals zwischen 2023 und 2030 entwickelt wird. Es verbindet die westlich gelegenen Module 1 und 2 und das östlich angrenzende Areal, auf dem auch Teile der TechFak der FAU untergebracht werden.

Weitere "Opfer"?

Befürchtet wird unter anderem, dass die bestehende sogenannte Hohe Halle, eine Art AKW-Simulator, dem Modul 8 zum Opfer fällt. Eine Verlagerung komme aufgrund des Investitionsvolumens nicht infrage. Darüber hinaus drohe der Verlust von radiochemischen Untersuchungseinrichtungen, in denen zum Beispiel an Materialien, wie sie in Atomkraftwerken zum Einsatz kommen, geforscht und getestet wird.


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Zu den weiteren "Opfern" könnte zum Beispiel auch die sogenannte Benson-Versuchsstrecke gehören, mit der unter anderem eine effizientere Energieausnutzung in Kraftwerken überprüft wird.

Die Petition, die sich an den Vorstand der Siemens AG und den Geschäftsführer der Framatome GmbH richtet, kann noch innerhalb der nächsten fünf Monate unterzeichnet werden.

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