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Tipps vom Echsen-Spezialist aus Röttenbach

Die Leguan-artigen sind keine Alternative für Tierhaar-Allergiker - 09.05.2019 06:00 Uhr

Leguane werden als Haustiere immer beliebter. Doch ihre Haltung stellt besondere Ansprüche. Vor allem sind die exotischen Tiere nicht als Spielzeug für Kinder geeignet. Harald Molter hat sich in Röttenbach auf Agamen, eine kleine Unterart der Leguane, spezialisiert. © Helmut G. Bauerreis


Die dritthäufigste Allergieart nach Pollen- und Hausstaub- sind Tierhaarallergien. Auch deshalb hat sich die Zahl der Echsen, Schlangen, Leguane, Geckos und anderen Reptilien, die in deutschen Wohnungen als Haustiere gehalten werden, in den vergangenen Jahren verdoppelt: In fast 500 000 Haushalten steht nach Schätzungen des Industrieverbands Heimtierbedarf mindestens ein Terrarium mit mehr oder weniger exotischen Tieren.

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"Aber eine wirklich artgerechte Haltung der Tiere erfordert ziemlich viel Wissen, das man sich erstmal erarbeiten muss — und auch ganz schönen Aufwand, den man nicht unterschätzen darf", weiß Harald Molter aus Röttenbach zu berichten, dessen ungewöhnliche Hausgenossen ihn im Lauf der letzten zwölf Jahre zum Experten gemacht haben.

Ursprünglich für die unter Tierhaarallergie leidende Tochter gedacht, wurde sehr bald klar, dass der damalige Teenager mit dem ersten "Agamen" (einer Art kleinerer Leguan, der 30 bis 50 Zentimeter groß wird) und seinen sensiblen Bedürfnissen überfordert sein würde.

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Wie seine beiden kleineren Verwandten, die Zwerg-Agamen, die ihm in benachbarten Terrarien (nicht immer willkommene) Gesellschaft leisten, stellt "Charly" nicht nur besondere Ansprüche ans Licht: Um auch nur einigermaßen das natürliche Lichtspektrum ihrer australischen Heimat mit einem ausreichenden ultravioletten Anteil nachzubilden, der zur Bildung von Vitamin D3 in der Haut der Tiere unbedingt benötigt wird, braucht es "spezielle und sündhaft teure Lampen" samt Zeitschalt-Technik", erläutert Harald Molter.

Auch beim Futter gilt es peinlich genau die Zeiten und den Wechsel von Pflanzen und Insekten (in Form von (lebenden) Heuschrecken) einzuhalten, ebenso wie Mindestgröße und möglichst naturnahe Ausstattung der Terrarien. Wasser wird den Wüstentieren nur alle paar Tage mit einer Pipette eingeträufelt.

Dieses Wissen um die Tiere und ihre Bedürfnisse hat sich der Röttenbacher Agamen-Spezialist erst durch Bücherlesen und Austausch mit Anderen erarbeiten müssen. Das sei aber auch notwendig, steht doch das Tierwohl "an oberster Stelle"..

Von der steigenden Beliebtheit der Echsen als vermeintliche Haustiere ist er nicht sonderlich angetan: "Man darf die Tiere nicht vermenschlichen. Das Nicken mit dem Kopf etwa ist kein Zeichen der Freundlichkeit, sondern von Stress und Unwohlsein". Zum Kuscheln taugen sie also nicht. Und in die Hände von Kindern gar gehörten die empfindlichen Echsen erst recht nicht, "die Tiere sind kein Spielzeug!".

Harald Molter kennt sich mit Leguanen aus. © Foto: Helmut G. Bauerreis


Generell sollten die Reptilien in ausreichend großen und artgerechten Terrarien gehalten werden. Wer die Echsen in der Wohnung freilasse, "setzt die Tiere unter Stress und zeigt, dass er keine Ahnung hat".

VON HELMUT G. BAUERREIS

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