15°

Freitag, 21.06.2019

|

Pfandbecher "Recup" kommt auch nach Erlangen

Weniger Müll durch "Coffee to go": Das Erlanger Umweltamt macht einen neuen Anlauf - 17.05.2019 06:00 Uhr

Kaffee zum Mitnehmen hat sich durchgesetzt. Dafür werden in Deutschland immer noch massenweise Einwegbecher benutzt — und weggeworfen.


13 Minuten. "So lang halten Kaffeetrinker im Durchschnitt den Becher mit dem ,Coffee to go‘ in der Hand", sagt Erlangens Umweltbürgermeisterin Susanne Lender-Cassens. Dann wandert der Becher in den nächsten Abfalleimer. 2,8 Milliarden Coffee-to-go-Becher werden auf diese Weise jedes Jahr in Deutschland weggeworfen.

40.000 Tonnen unnötigen Abfall

Oder anders ausgedrückt: "40.000 Tonnen unnötigen Abfall verursachen wir in Deutschland pro Jahr auf diese Weise", kritisiert die Grünen-Politikerin. Und auch wenn die Becher bloß zwei Prozent Anteil am gesamten Verpackungsmüll haben, sei es doch wichtig, dagegen etwas zu tun. Allein schon deswegen, weil es "ein Sinnbild für die Mentalität des Wegwerfens" sei.

Die Idee, in Erlangen aktiv zu werden, findet Lender-Cassens deshalb prinzipiell gut. Doch die im Jahr 2015 gestartete Initiative "Coffee to go again" mit der Einführung von Mehrwegbechern hat trotz mehrerer Anläufe und der Unterstützung durch das Umweltamt nicht wirklich funktioniert.

Bilderstrecke zum Thema

Plastik, nein danke! Zehn Alternativen für ein Leben ohne Kunststoff

Knapp 25 Kilo Plastikmüll hinterlässt jeder Deutsche im Jahr. Lediglich aus der Hälfte dessen, was im gelben Sack landet, entstehen neue Produkte. Der Rest wird verbrannt und belastet unsere Umwelt. Allerdings kann jeder dazu beitragen, dass weniger Plastikmüll anfällt. Welche plastiksparenden Alternativen es gibt, verraten wir hier!


Und hier kommt nun Friedhelm Elias ins Spiel. Der pensionierte Erlanger Lehrer will die Idee des Mehrwegbechersystems nicht als gescheitert aufgeben. Er hat das Gespräch mit dem Umweltamt und der Bürgermeisterin gesucht - und sie davon überzeugt, dass sich ein erneuter Anlauf lohnen wird. Nun setzt er sich als ehrenamtlicher Mitarbeiter des Umweltamtes genau dafür ein.

"Das bisherige System hat sich nicht durchgesetzt, weil viele nicht daran denken, ihren Becher jedes Mal einzupacken, wenn sie unterwegs sind", meint er. Anders wäre es, wenn die Kunden ihren Kaffee zum Mitnehmen in einem Pfandbecher bekämen, den sie dann an irgendeiner anderen Stelle wieder abgeben könnten.

Friedhelm Elias ist ehrenamtlicher Mitarbeiter des Umweltamtes. © Foto: Horst Linke


Nürnberg hat es vorgemacht. "Die Stadt hat vor einem Jahr mit 36 Cafés und dem gesamten Bahnhof angefangen", sagt Elias. Hier wurden die sogenannten "Recup"-Becher eingeführt. Der Nürnberger Hauptbahnhof war damit der erste in Deutschland, der dieses Pfandbecher-System flächendeckend anbot. Auch der Tiergarten ist mittlerweile mit im Boot.

Der Becher kostet einen Euro Pfand

Einen Euro Pfand zahlen die Kunden für den Becher, wenn sie ihren Kaffee kaufen. Beim Abgeben des Bechers bekommen sie das Geld zurück. Über 2000 Aus- und Rückgabestellen gibt es deutschlandweit inzwischen für die aus recycelbarem Kunststoff hergestellten Pfandbecher des Münchener Unternehmens und Marktführers. "In Erlangen gibt es aber bisher nur vier Stellen, die Recup-Becher ausgeben und zurücknehmen", hat Elias festgestellt. "Die beiden ebl-Filialen, die Rösttrommel und das Café im Novotel."

Das sollte sich ändern, findet er. "Die Voraussetzung, damit das Ganze läuft, ist, dass möglichst viele Cafés und Anbieter von Kaffee mitmachen." Am besten in der ganzen Metropolregion. Und eben auch in Erlangen. Dann könnten beispielsweise Studenten im Bahnhof in Nürnberg einen Kaffee kaufen und den Becher in Erlangen wieder abgeben.

Cafés, Bäckereien und Gastronomiebetriebe sollen mitmachen

Derzeit versucht Elias, Cafés, Bäckereien und Gastronomiebetriebe dafür zu gewinnen, das Pfandsystem anzubieten. Diese würden, so meint er, sich die Anschaffung der Pappbecher sparen und unter dem Strich besser fahren. Etliche Zusagen hat er schon.

Bilderstrecke zum Thema

Zehn Dinge, die Sie über Plastik wissen müssen

Wussten Sie, dass in einer Plastiktüte mehr Erdöl steckt als in vier Schnapsgläser passt? Oder dass weit mehr als die Hälfte aller Fische in der Nordsee Kunststoffteile im Körper haben? Zehn Fakten rund um ein Material, das uns täglich in unserem Alltag begegnet - und das einige Überraschungen bereithält.


Doch das ist nicht alles. Denn natürlich wird es auch darum gehen, dass viele Kaffeekunden mitmachen. Deshalb gibt es Überlegungen, im Herbst bei der Begrüßung der Erstsemester an der FAU allen Studierenden einen Pfandbecher zu schenken und damit das "Recup"-System bekannt zu machen.

"Dass wir ein Kickoff zum Semesterbeginn brauchen, ist eine Idee, die wir verfolgen sollten", sagt Lender-Cassens. Überhaupt hofft sie, dass der neue Anlauf endlich den Einwegbechern den Garaus macht. "Es wäre toll, wenn es einfach zum guten Ton gehört, Pfandbecher anzubieten." 

EVA KETTLER

7

7 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Erlangen