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Ostern als Erstgeborener: Ein (hartes) Los

Drei Redakteure, drei Geschichten zum Osterfest in der Kindheit - 20.04.2019 14:30 Uhr

Markus, Martin und Margarethe (v. l.) zeigen stolz ihre prall gefüllten Osternester. Trotzdem täuscht die Idylle.


Bad Steben, Ostern 1967: Auch im sonst so kalten Frankenwald lassen die ersten wärmenden Sonnenstrahlen ein Gefühl von Frühling aufkommen. Für ein harmonisches Osterfest haben die Eltern alles vorbereitet. Höhepunkt soll das Ostereiersuchen sein.

Meine jüngeren Geschwister und ich schwärmen aus, begleitet von den Rufen der Eltern: "Warm, kaaaaaalt, warm, heiß, noch heißer . . ." Mein zwei Jahre jüngerer Bruder und ich sind im Jagdfieber. Nur meine Schwester irrt desorientiert über die Wiese. Weil Ostern ist, haben meine Eltern sie besonders hübsch angezogen: Weiße Strumpfhosen, eine weiße Bluse und darüber ein buntes Hängerchen. Très Chic!

Leiter der Erlanger Lokalredaktion: Markus Hörath. © Harald Sippel


Langsam aber sicher füllt sich mein "Osternest", das mein Vater aus den Überresten eines Flokatis und biegsamen Weidenästen gebaut hat. Auch mein Bruder ist gut im Rennen. Nur bei meiner Schwester will sich nichts tun. Alle Versuche meiner Eltern, das Nesthäckchen auf die richtige Spur zu bringen, sind bislang gescheitert.

Auch meiner Schwester scheint es allmählich zu bunt zu werden. Sie beginnt bitterlich zu weinen. Anfangs leise schluchzend, schnell aber trotzig und sirenengleich laut. Was sie will, ist klar: Ostereier, Spielzeug, halt all das Zeug, das sich mein Bruder und ich hart ersammelt haben.

Es kommt, wie es kommen muss und es fällt ein Satz, den ich danach noch viele unzählige Male werden hören müssen: "Du bist doch schon groß und vernünftig, dann kannst Du ja auch was an Deine kleine Schwester abgeben." Ich gebe — zähneknirschend — solange, bis aus dem Plärren wieder ein leises Wimmern geworden ist.

Ehrlich: Erstgeborener zu sein, ist nicht immer schön.

 

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