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Organspende: Erlanger Experte ist für Widerspruchslösung

Prof. Michael Weyand appelliert an Verantwortliche - 01.06.2019 06:00 Uhr

Das Thema Organspende (das Bild zeigt einen Organspendeausweis) beherrscht die politische Debatte. © Marie Reichenbach/dpa


Nach dieser Regelung kann jeder, der sich nicht ausdrücklich dagegen ausgesprochen hat, Organspender werden. "Ich hoffe immer noch, dass wir eine Widerspruchslösung kriegen", betonte der Direktor der Herzchirurgischen Klinik und Sprecher des Transplantationszentrums Erlangen-Nürnberg im Gespräch mit den Erlanger Nachrichten. Ohne eine solche Regelung könne man die Zahl der Organspenden nicht erhöhen, sagte der Experte.

Das sei aber angesichts der Zahl der Menschen, die auf ein Spenderorgan warten, dringend nötig. In Deutschland warten derzeit mehr als 10 000 Patienten auf ein Spenderorgan. Nun, da der Bundestag mit einem Gesetz die Transplantationsmedizin aufgewertet hat und entsprechende Kliniken zum Beispiel mehr Geld bekommen, ist für Weyand die Widerspruchsregelung der nächste Schritt: "Ich glaube, dass es nicht ohne geht, das ist alternativlos."

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Der Erlanger Mediziner ist sich bewusst, dass das Thema mit Sterben, Tod oder der Unversehrtheit des Körpers bei vielen Menschen Ängste hervorruft. Diesen will er begegnen, indem er auf den Nutzen hinweist, der mit einer Organspende verbunden ist. "Sie retten jemandem Kranken oder Sterbenskranken mit einer Organspende das Leben oder verbessern seine Lebensqualität."

Und das, so sagte Weyand, gleich in mehrfacher Hinsicht: So zum Beispiel, wenn man allein durch Augen-Hornhautspende, zwei Menschen das Sehen wieder ermöglicht oder durch eine Herz-Lungenspende einem Herzkranken und zwei Lungenkranken das Leben rettet. "Leber, zwei Nieren, möglicherweise Dünndarm: Es gibt so viele Menschen in Deutschland, die auf ein Organ warten und von einer Organspende profitieren könnten", sagte der Experte.

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der bei der zentralen Großveranstaltung am diesjährigen Tag der Organspende in Kiel das Grußwort spricht, wirbt für eine "doppelte Widerspruchslösung". Das bedeutet, dass jeder als Spender gilt. Man soll dazu aber noch Nein sagen können, ansonsten sind — als doppelte Schranke — Angehörige zu fragen.

Die Bevölkerung selbst hat beim Thema Organspende indes keine klare Mehrheit für ein bestimmtes Verfahren. Nach einer repräsentativen Erhebung der Düsseldorfer Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers unter 1000 Wahlberechtigten halten 39 Prozent die aktuelle Regelung mit einer freiwilligen Organspende für richtig. 35 Prozent bevorzugten die Widerspruchslösung. Ein alternatives Modell mit einem zentralen Register, bei dem die Bürger ihren Willen etwa bei Behördengängen äußern, befürworten 25 Prozent.

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Seit 1983 findet an jedem ersten Samstag im Juni bundesweit der Tag der Organspende statt, um Menschen über das Thema zu informieren und aufzuklären. Die zentrale Großveranstaltung der Deutschen Stiftung Organtransplantation und weiterer Beteiligter wird in diesem Jahr in Kiel organisiert.

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