Mittwoch, 20.11.2019

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Nur für starke Nerven: "Hot Shot" gastiert auf dem Berg

Die Schausteller-Dynastie Dölle ist mit Fahrgeschäft dabei - 13.06.2019 20:14 Uhr

"Hot Shot" ist eine Kugel, die nach oben in den Himmel peitscht. Handy, Schlüssel, Geldbeutel und Brillen müssen zuvor abgegeben werden. © Helmut Bresler


Die Lautsprecherstimme zählt rückwärts. Zwei Nebelkanonen hüllen auch die Zuschauermenge mit ein, plötzlich peitscht die Gondel nach oben, scheinbar ohne Halt. In nur zwei Sekunden auf rund 160 Stundenkilometer zu beschleunigen – das ist konkurrenzlos. Doch glücklicherweise hängt die Stahlkugel mit den beiden Fahrgästen an Seilen, deren Zugkraft und Zustand von der Landesgewerbeanstalt Bayern (LGA) immer wieder peinlich genau unter die Lupe genommen wird.

Schausteller-Adel

Im 19. Jahr sind die Dölles mit dem "Hot Shot" erfolgreich unterwegs, mittlerweile bundesweit einzigartig und haben auf all den großen und lukrativen Plätzen des Bundesgebietes und im angrenzenden Ausland gastiert. Jeder kann, wenn er will, seine Flug-Doku käuflich erwerben und in aller Ruhe zu Hause den Flug noch einmal Revue passieren lassen.

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36 Jahre ist es her, als Josef und Beatrice Dölle ihren Sohn am ersten Bergkirchweih-Tag taufen ließen – auf den Namen "Josef Johannes Peter Valentin". Damals kostete die Maß 5,50 DM und es war das Jahr mit der einmaligen Berg-Verlängerung nach vielen Regentagen. Erich Reim, der heute noch legendäre Platzmeister, agierte im 18. Jahr – und mittlerweile ist der Täufling von damals auch schon Berg-Beschicker.

Älteste Berg-Familie, allerdings nicht nach Schaustellerart reisend, ist die Bratwurstfamilie Hans Müller mit legendären 113 Berg-Jahren. Gleich danach kommt die Familie Dölle mit 107 Jahren, die von Anfang an mehrere Feste beschickte. Urkundlich belegbar kann man die Dynastie bis ins Jahr 1780 zurückverfolgen.1913 war die Erlanger Premiere. Vieles kam unter Dölle-Regie auf den Berg, darunter reisende Tierschauen — sogenannte Menagerien, Pracht-Auto-Corso, Tunnelbahn mit feenhafter Beleuchtung, Riesenrad, Round up, Achterbahn, sowie die Hochfahrgeschäfte Miami Ride, Ufo und Enterprise – um nur einige zu nennen. "Ich kann mich noch gut erinnern", so Josef Dölle sen., "als die Achterbahn "Flitzer" am Berg-Ende aufbauen sollte und es keinen Durchgang mehr fürs Publikum gab. Nicht machbar. Da hatte mein Vater die Idee, ein Holzpodium anzubauen, das heute noch existiert. Die damaligen Kosten von rund 7000 DM hat er aus eigener Tasche bezahlt!" Der Fahrpreis beim "Hot Shot" erstaunt im ersten Moment. Beatrice Dölle erklärt: "Man muss es im Vergleich sehen. Die anderen Karussell-Anlagen haben pro Fahrt eine Kapazität von 20, 30 oder noch mehr Personen. Bei uns sind es nur zwei – bei mindestens gleich langer Fahrtdauer."

Der Name "Dölle" ist auch in diesem Jahr mehrfach auf dem Berg vertreten. Neben der Bungee-Kugel und einem Lángos-Stand gibt es in der Verwandtschaft noch das "Alte Brathaus" mit dem "Schäuferle 2 Go" und den mobilen Toilettenverleih unter Dölle-Regie.

HELMUT BRESLER

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