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Goldwerte Erfahrung

Aktivseniorinnen helfen nicht nur Selbstständigen - 29.03.2019 18:49 Uhr

Veronika Deckart (links) und Karin Führ (rechts) von den Aktivsenioren besprechen mit Julia Schuster, der Leiterin der Eckentaler Volkshochschule, die geplanten Workshops. © Foto: Scott Johnston


Veronika Deckart aus Eckental betreute 20 Jahre lang für ein großes Nürnberger Software-Unternehmen die Entwicklung und Weiterbildung von leitenden Angestellten. Zuvor arbeitete sie neben weiteren Tätigkeiten drei Jahre in den USA sowie dreieinhalb Jahre für einen internationalen Elektronikkonzern in Japan.

Karin Führ machte 40 Jahre lang Karriere bei der Telekom, kümmerte sich um Kunden auch im Premiumsegment und managte in zentraler Position die Ausbildung von Trainerteams. Wie Veronika Deckart schloss sie sich schon bald nach dem Beginn des Ruhestands den Aktivsenioren an und freut sich, dass sie auf diese Weise weiterhin an den rasanten Veränderungen im Wirtschaftsleben teilnehmen und gleichzeitig Berufstätigen vermitteln kann, was sie sich in den Jahrzehnten zuvor auf hohem Niveau angeeignet hat.

Perfektes Timing

Als die beiden bei der Eckentaler Volkshochschule anfragten, ob Interesse an Workshops zur beruflichen Bildung bestehe, rannten sie bei VHS-Leiterin Julia Schuster offene Türen ein. Diese wollte den Bereich ohnehin ausbauen und fand mit den Aktivseniorinnen die idealen Ansprechpartnerinnen.

Ein erster Abend mit dem Thema "Wie gelingt Führung?" stieß im zurückliegenden Semester auf solch große Resonanz, dass das Angebot nun deutlich ausgeweitet wurde. Zum einen können sich für das Grundlagenseminar erneut Interessenten anmelden, zum anderen ist bei einer Fortsetzung eine Vertiefung der Kenntnisse möglich. Zusätzliche Themen sind "Sicherheit und Erfolg für Ihre Bewerbung", "Ihr Weg in die Selbstständigkeit" und "Zeitmanagement".

Gerade wer von einer Geschäftsidee begeistert ist und sie gern auf eigene Faust verwirklichen möchte, übersehe in der Euphorie leicht wichtige Aspekte, die ihm später schwer zu schaffen machen, betont Veronika Deckart. Oft würden vor allem die Kosten unterschätzt.

Vielfältige Ausgaben

Schließlich müssen ohne Zuschüsse eines Arbeitgebers eine private Krankenversicherung finanziert und eine Altersversorgung aufgebaut werden. Räume sind zu mieten, Geräte zu kaufen, eventuell Mitarbeiter zu bezahlen. Zudem ist in Werbung zu investieren. Wer eine Familie zu ernähren hat, kommt da schnell an seine Grenzen.

Enorm wichtig ist eine genaue Analyse des Marktes. Hier zahlt sich die Erfahrung der Aktivsenioren aus, denn nicht selten können einige Änderungen die Erfolgsaussichten deutlich erhöhen. Neben der Wahl des richtigen Standorts ist ein Alleinstellungsmerkmal von großer Bedeutung.

"Wenn jemand in der heutigen Zeit einen Fotoladen eröffnet und sich auf das Standardangebot beschränkt, wird er vermutlich Probleme bekommen. Erweitert er aber sein Spektrum und entdeckt Nischen, die in dem Gebiet noch nicht besetzt sind, kann sich daraus ein vielversprechendes Konzept ergeben", erläutert Karin Führ.

Um von Banken Geld zu erhalten, ist ein solider Businessplan das A und O, wozu die Aktivsenioren Hilfestellung geben. Gern unterstützt der Verein auch Menschen, die aus anderen Ländern nach Deutschland gekommen sind und sich hier eine Existenz aufbauen möchten. Veronika Deckart: "Wer beispielsweise Spezialitäten aus seiner Heimat anbieten möchte, weiß möglicherweise nicht, was er alles bei uns zu beachten hat und an welche Stellen er sich wenden muss, sodass er für entsprechende Hinweise sehr dankbar ist."

Sind kleinere und mittlere Betriebe in Schwierigkeiten geraten, geben die Aktivsenioren gleichfalls Tipps, wobei sie darauf achten, keine Konkurrenz zu Unternehmensberatern darzustellen. Rasch lassen sich in vielen Fällen die Schwachstellen aufspüren und Wege erarbeiten, wie sie behoben werden können. Durch das Netzwerk des Vereins finden sich gegebenenfalls auch Experten, die noch intensiver ins Detail gehen können.

Besonders angetan haben es den Aktivsenioren die Kinder und Jugendlichen. Dies fängt bei der Leseförderung an und endet mit der Unterstützung bei der Berufswahl, beim Verfassen einer ansprechenden Bewerbung und der Vorbereitung für ein Vorstellungsgespräch.

Auch Siegbert Rudolph, einst stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Datev, trat 2009 den Aktivsenioren bei und entwickelte unter dem Titel "Der "Lesekoch" eine interaktive Software, bei der Jungen und Mädchen spielerisch und durch eine individuelle Vorgehensweise das Lesen lernen können.

Auf eine permanente Fortbildung legen die Vereinsmitglieder großen Wert, damit sie in den unterschiedlichen Bereichen auf dem aktuellen Stand sind. Wer Interesse an einer Beratung hat oder sich bei den Aktivsenioren engagieren will, kann sich auf der Homepage www.aktivsenioren.de informieren beziehungsweise eine E-Mail schreiben an veronika.deckart@aktivsenioren.de oder karin.fuehr@aktivsenioren.de. Anmeldungen für den regelmäßigen Sprechtag zur Existenzgründung und für Kleinunternehmer nimmt beim Landratsamt Thomas Wächtler unter Telefon (0 91 31) 8 03 12 70 entgegen.

SCOTT JOHNSTON

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